Verkehrsrelikte.de
Die Remanenz alter Verkehrseinrichtungen in Deutschland

Home       Kontakt / Rechtliches       Hintergrund       Links       Update

   
Relikte
der Straßen und Wege


Verlegte Straßen 3


Karriere eines alten Geleitweges  -  Würzburg

Eine sehr bewegte Geschichte hat die alte Geleitstraße Frankfurt - Nürnberg - Wien östlich Würzburg hinter sich.

Die "Römerbrücke":
Fährt man mit dem Zug auf der Hauptstrecke Würzburg-Rottendorf so fällt auf Höhe Gerbrunn ein langgezogener großer Damm auf, der gekrönt ist von großzügigen Steinbögen und an eine stillgelegte Bahntrasse erinnert.  Tatsächlich handelt es sich um eine der frühesten Straßenruinen:  um die kurvige und muldige Führung der alten Geleitstraße an dieser sumpfigen Stelle zu entschärfen, ließ Fürstbischof Friedrich von Seinsheim 1764-1766 diese großzügige Trasse erbauen; da sich schon 1769 große Risse in den Steinbögen zeigten wurde diese Wegführung bereits 1770 aufgegeben zumal seither eine Straße nördlich über Rottendorf zur Verfügung stand.  Den größten Bogen unterquert ein neuer Radweg mit Bänken und Hinweistafel.

Der kleine Bogen, originaler Zustand Neuer Radweg unter dem großen (sanierten?) Bogen

Weiter östlich ist die uralte Chaussee teils als Wald- und Feldweg im Gelände gut auszumachen, teils der Flurbereinigung zum Opfer gefallen; die Reichskarte "Umgebung von Würzburg" benennt die "Alte Landstraße" im Verlauf nördlich des Weilers "Gieshügel", südlich des Galgenberges, bis sie in Biebelried auf die Reichsstraße 8 trifft.

Blick fällt vom alten Würzburger Flugplatz auf Gerbrunn.
Schneise im Wald markiert alte Reichs- und Landstraße.


In der Hauptstadt Unterfrankens verläuft diese Fernstraße seinerzeit (1920er) über die Alte Mainbrücke, quer durch das Zentrum, unmittelbar am Dom vorbei, quert den Residenzgarten (!) - heutiger Rennweg -  und strebt über die lange Rottendorfer Straße - zwischen altem Flugplatz (nördlich) und Exerzierplatz (südlich) zur neuen Abzweigung (1770) nach Norden, zum Bahnübergang (1854) der Hauptbahnen nach Bamberg / Nürnberg nahe Gerbrunn, weiter Richtung Rottendorf.

Historie verschiedenster Art führte zu folgenden Veränderungen:

Alte Mainbrücke wie gesamtes Centrum natürlich Fußgängerzone
Alter Flugplatz (Kürnacher Berg) verlegt Richtung Veitshöchheim "Am Schenkenturm" - Gelände Kasernen-T-Bereich und Felder
Exerzierplatz aufgegangen in großer USArmy-Kaserne, dadurch Rottendorfer Straße unterbrochen (Umfahrung Frauenland / Am Galgenberg)
Alter Bahnübergang zu Straßenbrücke umgebaut; an UPS-Standort erinnert abzweigende "Alte Landstraße" an die uralte Chaussee (s.o.)
Zwischenzeitliche Bundesstraße 8 nördlich der Bahntrasse ist die "Nürnberger Straße" - seit etwa 2000 brandneue vierspurige Führung auf etwa 2km zum Greinbergknoten (B19, B27 etc.)

Nürnberger Straße ist alte B8.
Rechts überwuchernde Reste von Personenwaggonabstellgleisen

B 8 als langjähriger Zubringer zur Bundesautobahnanschlussstelle Würzburg-Ost (heute Rottendorf) mit kurviger Führung über Wöllried(erhof) und Rottendorf (Unterquerung der nahebei verzweigenden Hauptbahnen), knapp östlich einst über alte Steinbogenbrücke - diese seit den 1960ern nahebei umgangen - diese langjährige B8 nun mit Kreisverkehren teilverkehrsberuhigt.
Großzügige vierspurige Schnellstraße seit den 1990ern im Bereich Wöllried / Rottendorf.

Alte Brücke der Chaussee Würzburg - Nürnberg bei Rottendorf (Sanierung 2003):
B8 nahe verlegt, heute 4.Version vierspurige Schnellstraße

 

Verkehrsrelikte      Straßenrelikte