Reichs-/Fern-/Bundes- und Landstraßenrelikte
Baden-Württemberg
Linktipps:
- B293 / B294: Verkehrsrelikte-Musterregion
Bretten - die Extraseite
- R10: Karriere der
Fabrikstraße und Spionagebahn - Stuttgart
Umschau:
B 30 in
Oberschwaben:
Im strukturschwächeren
Ostwürttemberg / Oberschwaben hat die Raumordnung der B30 eine
tragende Rolle zugedacht; so ist die Nord-Süd-Magistrale seit
langem auf vielen Kilometern südlich Ulm autobahnähnlich
ausgebaut. Am Südende, wo schon das Verkehrschaos
Bodensee grüßt, wo die hiesige Staatspartei 70%-Wahlergebnisse
einfährt, sind über Jahre Ausbau-Rümpfe zu bestaunen gewesen
(Erkenntnis: konservativ kann auch naturbewahrend wirken ;-) vor
allem am Mittelzentrum Ravensburg. Ganz neu aber die
Umfahrung Baindt; die alte Trassenführung im Ortszentrum ist
als renaturierte Schneise zu erahnen, aber noch 2008 fanden sich
um Marsweiler prägnante Relikte:
 |
|
 |
|
 |
Baindt, die alte
Rampe.
Blick zu Basilika Weingarten |
|
Sperre
provisorisch... |
|
...und endgültige
Wiese... |
 |
|
 |
|
 |
| Einst zwischen
Gehöften durchgezwängt,... |
|
...hier der Fernblick
von Norden |
|
Schneise im Baindter
Wald ist alte B30 (je 2008). |
B 35 um
Germersheim / Graben-Neudorf /
Bruchsal:
Die recht kurze Bundesstraße ist eine immer wichtigere Querverbindung mit
Rheinbrücke (seit 1971) bei Germersheim; Trassenteile der
Fährzeit sowie der Interimszeit (Neue B35 vor Vollendung der
Brücke fertig und unter Verkehr) sind fast unverändert
erhalten. Hier auch ein altes Denkmal (Dank für
Umsiedlung von Knauenheim aus dem Hochwasserraum am Rußheimer
Altrhein).
Wegen der jüngsten (halben)
Umfahrung Bruchsal mit neuer Anschlussstelle zeigt sich die alte
B35 bei Karlsdorf in verrückten Ab- und
Wiederaufbauarbeiten.
 |
|
 |
|
 |
Germersheim, östlich
des Rhein (je 2007):
Alte B35 vor der Fährzufahrt; links Bahnbrücke |
|
Kreuzung im
Vorwerksbereich.
Alte B35: von Bruchsal (Rücken) - links (Fähre)
Interim: von rechts (neue B) zur Fähre |
|
Denkmal Ort
Knauenheim an uralter B35 -
diese nun Anliegerweg am Rußheimer Altrhein |
 |
|
 |
| bei
Graben - typische Schneise |
|
Rückbau,
dann Wiederaufbau nahe Karlsdorf ?? Je 2004. |
B 36 um
Waghäusel / Graben-Neudorf :
Die B36 soll eine immer
leistungsfähigere A5-Ergänzung sein; sie wurde beim Bau der
SFS Mannheim-Stuttgart teilweise gebündelt mitausgebaut und
verlegt und wird bei der Schließung der Ausbaulücke um
Graben-Neudorf die alte Hardtbahntrasse zweimal gekreuzt
haben... Bei Waghäusel bestand lange eine
"kleine" Umfahrung (heute L555); von dieser Zeit (zu
der letztere als Autobahnanbindung einen BÜ mit der
Rheintalbahn hatte, neben dem damaligen Hp Waghäusel Nord!) und
der bahnparallelen B36 überdauern Relikte (diese Trasse nun
Radweg "Alte B"); die neue B36 ist auch bahnparallel
und zwar zu besagter SFS...
 |
|
 |
|
|
| Alte B36 / L555 kurz
vor altem BÜ |
|
Alte B, rechts
"alte" Rheintalbahn (je 2007) |
|
|
B 39 um
Walldorf
Walldorf, an der A5 und nahe der
A6 gelegen, hat nicht zuletzt dank SAP und IKEA einen
wirtschaftlichen und verkehrlichen Großaufschwung genommen; die
B39, die seit den 1970ern eine südliche Umfahrung hatte, ist
seit kurzem noch etwas großzügiger und ortsferner verlegt
worden, samt neuer Autobahn-Anschlussstelle. Die "mittelalte"
Bundesstraße dient, teilrückgebaut, dem "neuen"
Ortsverkehr (sprich: wachsendem Gewerbegebiet), aber auch als
Parkplatz (einst siebenspuriger Kreuzungsbereich!) oder
Jugend-Skate-Fläche (alte A5-Brückenrampe):
 |
|
 |
|
 |
| B39 alte
Brückenrampe, links neue B39 über A5 |
|
Blick Ost, jetzt
Skatebahn, dann... |
|
...Parkplatz
(2007/08) |
 |
|
 |
|
 |
| Lärmschutzwand und B
weg - trotzdem Verkehr... |
|
...wenn auch
unterbrochene Straße, Parkplatz |
|
Alte
Gewerbegebietszufahrt, rechts SAP |
Verlegte L2220 bei Ellwangen
Diese Landstraße verbindet
Ellwangen mit Dinkelsbühl und damit Ostwürttemberg mit
Mittelfranken. Der recht späte Bau der Nord-Süd-Autobahn
A7 (hier 1980er Jahre) hatte auch zur Planung einer besseren
Kreuzung besagter Landstraße geführt, welche Anfang der 1990er
nahe der berühmt guten Raststätte in den Ellwanger Bergen zur
Ausführung kam. Damit konnte die Alttrasse mit ihren
Serpentinen und dem engen Stauseedamm zu einem Waldweg
umgestaltet werden, partiell bereits teilrenaturiert:
 |
|
 |
| 2003:
alte Unterführung unter A7 |
|
Beginn
der neuen Enge |
Alte Murgtalstraße:
Das lange Tal der Murg zwischen
Gaggenau und Freudenstadt hatte eine der spätesten Bahnen des
Ländle bekommen, um die langjährige Lücke zwischen
Raumünzach und Freudenstadt zu schließen (1928). Heute kämpft
sich die Karlsruher AVG-Stadtbahn mit Elektrifizierung Stück
für Stück durch die tunnelreiche Strecke; die parallele Fernstraße ist
schon seit 1962 die recht großzügig trassierte B462 ("Schwarzwald-Tälerstraße"). Ursprünglich verlief die alte Talstraße am Hang
vielfach anders; Reste dieses Verkehrsweges stellen eines der
lohnendsten Straßenrelikte Deutschlands dar. Der
schlechte Karrenweg im engen Flusstal war erst im 18. und
19.Jahrhundert zu einer richtigen Chaussee ausgebaut worden, so
mancher Fels musste weggesprengt werden. Nahe Hörden
findet sich ein Denkmal mit der Inschrift:
EX RUPE FRACTA
HAEC VIA FACTA. 1786.
Aus des Felsens Wand ist dieser Weg gebahnt
Die alte Straße ist
heute als
Murgtal-Rad-Wanderweg auf weiten Teilen idyllisch zu genießen,
können kleine Bereiche wie um das Gausbacher Bad in einer
Richtung als Zufahrt genutzt werden, sind andere Stücke mit
uraltem Kopfsteinpflaster neben beeindruckenden Felspartien
dankbare Locations für Oldtimerfotografien.
Gänzlich urtümlich-abseitig schließlich der alte
Straßentunnel bei der Tennetbergschlucht.
 |
|
 |
| Eng
die Kurve, hart der Fels,... |
|
...rutschig
das Pflaster, schön die Aussicht... |
 |
|
 |
|
 |
| Alte
Straße zwischen Schlucht und Fels |
|
Alter
Tunnel - Nordportal |
|
Innen,
Blick zum Südportal |
 |
|
Klassisch der Tunnel nahe
Kirschbaumwasen,
heute mit Radweg bzw. Anliegerstraße |
Literatur:
Meyers Reisebücher Schwarzwald, Leipzig 1904
B294 bei
Pforzheim
Wenn in Deutschland eine
Autobahn eine Bundesstraße kreuzt, findet sich in aller Regel
eine Anschlussstelle. Nicht so über Jahrzehnte im Norden
Pforzheims: die beiden AS West und Ost (je B10) sollten wohl
genügen - erst in jüngerer Zeit, mit Ausbau der
Vorkriegsautobahn auf zeitgemäße Standards, entstand die AS
Pforzheim-Nord und mit ihr eine verlegte neue B294. Die
alte Trasse (Bauschlotter Straße) dient großteils als
Gewerbegebietstraße, ist aber auch an einzelnen Punkten
"wüst". Richtig archäologisch (in Luftbildern
Feld-Irritationen) ist es dann an der Kreuzung mit der K4530, da
die heutige Brückenlösung natürlich neueren Datums ist -
ursprünglich ging es westlicher durch den Wald...
 |
|
 |
|
 |
| Höhe
Welschenäckerstraße; hinter Mauern BAB |
|
Am BAB-Damm, Blick
Süd |
|
Spitzenweg, Blick
Nord (je 2007) |
Alte B294 mündet in alte B3 bei
Gundelfingen:
Die alte Reichsstraße 294 führt von Bretten über
Pforzheim und die Schwarzwaldhöhen Richtung Südwesten.
Nach manchen Passhöhen und der Bewältigung teils enger
Flusstäler (obere Kinzig, Elzach) endet sie im breiten Rheintal
vor den Toren der Breisgaumetropole Freiburg.
Ursprünglich im Dorf Gundelfingen in die alte Reichsstraße 3
mündend, erlebten beide Chausseen nach dem Weltkrieg
vielfältige Ausbauten.
Die zur B3 gewordene Rheintalhauptstraße erhielt Ende der
1950er Jahre mit der Rheintalautobahn (zunächst Strecke A10
genannt) eine wichtige Entlastung; trotzdem waren wegen immer
stärkeren Regionalverkehrs bis heute immer mehr lokale
Umgehungsstraßen nötig - der Freiburger Stadtteil Zähringen
und das benachbarte Dorf Gundelfingen erhielten somit schon vor
1960 eine großzügige vierspurige
Umgehungsschnellstraße. Damit war auch die von Waldkirch
kommende B294 neu anzubinden; südwestlich von Denzlingen
erfolgte samt neuer Rheintalbahnüberbrückung die Einführung,
der alte Bahnübergang nördlich Gundelfingens hatte als
neuralgischer Punkt ausgedient.
Zugleich wurde auf Höhe des Dorfes der Zubringer zur weit
westlich gelegenen Autobahn erbaut und zum nunmehrigen letzten
Stück B294 aufgewertet. Ungebremstes Wachstum des
konkurrenzlosen Oberzentrums Freiburg führten in den 1970ern zu
einer Vielzahl weiterer Ausfallschnellstraßen; Umgehungen von
Denzlingen und Waldkirch samt "Elztalautobahn" sowie
die kreuzungsfreie Einführung in die hier als Schnellstraße
endende B3 zeigen den autofreundlichen zeitgenössischen
Trend. Während die alte B3 auf etwa 2km unverändert als
Gärtnereizufahrt und Radweg existiert, ist eine solche Funktion
für die alte B294 nur in kurzen Teilstücken erkennbar.
Flurbereinigung führte im Bereich der kreuzenden neuen B294 zu
einem Totalabgang; die alte enge Brücke über den Taubenbach
(Sandstein mit Betonverstärkung) zeigt noch uralte
schwarz/weiße Warnbemalung während die Dämme zum ehemaligen
Bahnübergang noch als Wiesenstücke in Schrebergärten
erkennbar sind. Das alte Bahnwärterhäuschen indes ist
längst verschwunden.
Eine Mega-Verkehrskreuzung ist dem Tal an dieser Stelle aber
erspart geblieben: die alte Planung einer Schwarzwaldautobahn
A84 (A86) hätte hier Anschlussstellenorgien und den Beginn des
Gebirgsanstiegs vorgesehen und ist seit B31-Ausbauten ad acta
gelegt.
Heute steht zwar noch der vierspurige Ausbau des Zubringers zur
AS Freiburg-Nord an, die beiden zusätzlichen Bahngleise werden
aber in dieser Region parallel zur Transitautobahn A5 gelegt.
Fotos in Vorbereitung
Alte B31
Diese Transitachse (Madrid -
Moskau) wird mühsam auf drei Spuren erweitert. An vielen
Stellen entstanden überflüssige Teilstücke. Im
Dreisamtal, nahe Zarten, dient die teilrückgebaute Trasse einem
Radweg; fast zwei Jahre konnte eine ihrer Begrenzungspfosten
beraubte Fernstraße Hochgeschwindigkeitsradtests sehen:
 |
|
 |
| Vor
Döggingen, im Gauchachtal. Links oben erste
Talbrücke |
|
Dreisamtal,
vor Ebnet, vor der Renaturierung (je 2004) |
 |
|
 |
|
 |
| Abzweig St.Peter
2005... |
|
...dito 2006 |
|
2006: Ende im Feld |
 |
|
 |
|
|
| Zarten 2005... |
|
...und 2006 |
|
|
Hier und dort in Süd- und
Mittelbaden:
 |
|
 |
|
Aufgegebene
Verbindungsstraße im Rheintal |
|
Alte
Landstraße I.Ordnung Ottenheim - Hugsweier (Unditzbrücke)
Wegen Schießplatz, später Militärflugplatz aufgegeben |
|
|
|
|
Zwischen den Städten
Bonndorf und Blumberg im Südschwarzwald vermittelt
großteils die L171 den Verkehr.
Zumindest zeitweise gab es eine Umfahrung von Ewattingen;
diese nördlicher verlaufende Straße scheint seit den
1980ern gesperrt zu sein. Die Nähe zur
Wutachschlucht oder die Abzweigung zu einem Steinbruch
könnten zu ihrer Aufgabe geführt haben.
Bild zeigt westlichen
Beginn der gesperrten Straße 1997, bis hierhin ist die
Zufahrt zu Grillstellen erlaubt: