Spezial

Fasst man den Begriff "Verkehr" etwas weiter, beschränkt man sich also nicht auf die Wesensform des Transportes (bei dem Personen und Güter von A nach B bewegt werden), nimmt man also "Freizeitaktivitäten" hinzu, so stößt man auf "Relikte" in unterschiedlichsten Formen.

Es sind jedenfalls Überreste von Kultur, man kann auch sagen "Technikdenkmale", vielfach in Kulturdenkmallisten eingetragen, mitunter von Fördervereinen unterstützt, nicht selten aber einfach nur darliegend, verwuchernd, vergessen oder, "überfahren", lost places allemal.

Die Rede ist von Jagdanlagen, Pirschgängen, alten Rennstrecken und aufgegebenen Seilbahnen.  Bei letzterem sehe man uns allen nach, dass eine strikte Auswahl vonnöten ist - reine Materialbahnen mögen nur bei besonderen Relikten wie Tunnel und Brücken Aufnahme finden, da ansonsten systematisch auf aufgegebene Rohrleitungen (schließlich werden Gase auch "befördert") ausgeweitet werden müsste, was in Niemandes Sinn wäre... 

 

Pirsch- und Jagdanlagen

Jagdanlage Rieseneck bei Hummelshain (Thüringen)

Relikt einer für die Menschheit, Abteilung Jagd, überaus peinlichen Historie:  um jederzeit bequemst Waldtiere erlegen zu können, wurden eine Reihe unterirdischer Pirschgänge angelegt, die nach Restaurierung vor wenigen Jahren im Wald frei zugänglich sind; die Begehung bis zu 100m langer unterirdischer Gänge ist möglich.

Linktipp:  Freundeskreis Rieseneck auf th-online.de 

 

Jagdweg beim Schloss Moritzburg (Sachsen)

Der Hohburgtunnel westlich des Schlosses Moritzburg  (ca. 100m)

1729 unter August dem Starken errichtet, um den Jagdgesellschaften den direkten, geraden Weg von der Moritzburg zum Jagdschneisenstern am Griesberg zu erlauben.

Lit.:  Hermann Thomas "Das Elbtal und Dresden", Neumanns Landschaftsführer 1992

 

Alte Rennstrecken

Anfang der 1990er berichtete die AutoBild von verwuchernden Tribünen an Landstraßen im Vogelsberg.  Diese Reste des Schottenringes waren erste Ziele von "Verkehrsrelikt-Touren".  2010 die Übersendung toller Frankreich-Bilder durch Peter Schöler.  2018 schließlich die stimmungsvolle Wanderung von Stefan Ehlen (motorsport-total.com) auf den Spuren des alten Hockenheim-Ringes:   zwingend, endlich eine eigene Unterseite zu kreieren. 

Motodrom Gelsenkirchen
Diese Rennstrecke im Herzen von Gelsenkirchen, auch Almaring genannt, gelegen auf einem ehemaligen Zechengelände war vor allem in den 1970er Jahren sehr beliebt. Wegen der Lärmbelästigungen war es allerdings eine Frage der Zeit wann der Spaß sein Ende haben würde.  Bis Anfang der 80er dröhnten hier die Motoren.  Frei zugänglich, verwuchernd, aber noch mit dem Flair alter Leitplanken und Kurven.  Besuche von 2010:

Frühling im Wald, dabei auch Schneisen... ...die alte Gerade Hier evtl. Start/Ziel, jedenfalls Markierung
Die Umkehrkurven haben noch.... ...Leitplanken Ein wirklich sehr morbid-romantischer Ort

 

Opelrennbahn Rüsselsheim
Einst lag dieses Oval (östlich der heutigen L3012) auf freiem Feld. Dort wo früher Opel in den Steilwandkurven seine Rekorde aufstellte (teils mit den legendären Raketenwagen) ist heute ein dichter Wald. Die Trasse ist teilweise schon dicht überwuchert. Erhalten rudimentär die nördliche Steilwandkurve; in jüngerer Zeit mit einer Aussichtsplattform und informativen Tafeln gewürdigt.

Die Steilkurve 2010 ...2015 mit der Plattform, die... ...einen guten Blick erlaubt
Bald freilich von Wald überwuchert .letzte Reste von Leitplankenbefestigungen ? Die Bäume sind kräftiger  (je 2015)

 

Rennstrecke Stuttgart Solitude
Der alte Messturm natürlich ein Denkmal;  rechtes Bild zeigt die renaturierte Trasse beim Frauenkreuz. Hier war der lange steile Anstieg bei den Fahrern gefürchtet, später war dieser allerdings der Anlass zur Aufgabe dieses Abschnittes.

Bekannt, weil sehr "befahren".... ...an der Solitudestraße Im Wald Spuren einer Rennstrecke (2005, 2010)

 

Schweiz, Bern-Bremgarten
Die Eigenart dieses, in den 30er Jahren ursprünglich als Motorradrennstrecke gebauten Kurses war, dass er keine Geraden hatte. 1955 wurde die unfallträchtige Strecke aufgegeben, da in der Schweiz, nach der Katastrophe von LeMans, Rundstreckenrennen verboten wurden.

Eine Kurve, 2010.

 

Frankreich, Reims-Gueux
Die über 40 Jahre bekannteste Rennstrecke Frankreichs sah ihr Ende 1966. Die alte Start- und Zielgerade ist heute die D27. Links (nördlich) die (restaurierte) Boxengasse und das Fahrerlager, rechts die Haupttribüne, dahinter verfallene Imbissstände, Toilettenanlagen und andere unkenntlich überwucherte Dinge...

An einer vielbefahrenen Straße Teils sehr würdevoll... ....erhalten (alte Werbung ist auch Kultur)
Ruinen von Funktionsbauten Trassenteile unter Nebenverkehr.... ...oder im Feld endend  (Peter Schöler 2009)

 

Frankreich, Rouen-les-Essarts
Diese Rennstrecke in der Normandie war 1950 eröffnet worden - sie benutzte weitenteils öffentliche Straßen.  Die Schikane Virage des Six Frères wurde nachträglich in der Abfahrt nach dem Start eingebaut um das Tempo etwas zu reduzieren. Trotzdem verloren hier die Rennfahrer Denis Dayan und Gerry Birrell ihr Leben. Auch sonst hat die Strecke mit 6 Toten Rennfahrern eine traurige Statistik. Ende der 70er Jahre wurde wegen der Sicherheitsmängel das letzte Formelrennen gefahren, 1980 wurde die Strecke ganz aufgegeben, zumal modernere Rennkurse zur Verfügung standen.  Letzte ruinöse Bauten sind 1999 abgetragen worden;  neben den "normalen" Straßen, die einst Teil des Rennkurses waren, sind heute nur wenige Relikte und Spuren vorzufinden:

Eine Kurve gut ablesbar, auch wenn.... ...schon sehr waldwegig Einschnitt von Menschen Hand
Heutige Landstraße an alter Rennstrecke Zeitzeugen unbekannter Zweckbestimmung Lichtung als alte Gerade (Peter Schöler 2009)


 

 

 

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