Straßenrelikte:  aufgegebene Autobahnteilstücke.

Es mutet heute wie ein Wunder an, dass viele Autobahnen (zB A3, A5, A7) schon seit den 1970ern sukzessive ausgebaut wurden, und zwar auf der selben Trasse, "unter dem rollenden Rad".  Kein Wunder, dass bei richtig alten (Vorkriegs-) Trassierungen heute "Nägel mit Köpfen" gemacht wird, sprich eine ganz neue und großzügige, im Einzelfall hunderte Meter entfernt liegende Streckenführung gewählt wird.  Musterbeispiel hierfür die alte A8 um Pforzheim - Umweltverträglichkeit und Ausgleichsmaßnahmen bedeutet jetzt aber die zeitnahe und fast vollständige Renaturierung der Alttrasse.
Dennoch findet der geneigte Reliktjäger über ganz Deutschland verteilt, Spuren und Zeugnisse einer (vergleichsweise) kurzen Verkehrswege-Zeitspanne.

 

Alte Avus bei Dreilinden

2002: Brücke einer alten Eisenbahn über ehemaligem Avus-Teilstück; 1969 durch heutige Führung ersetzt wegen mehrmaligen Grenzübertritts bei Albrechts Teerofen.    
Auf Brücke alte Markierungen; an... ...RSt Dreilinden Asphaltrelikte (2004)

 

A4 bei Wommen und Eisenach

Nach-Wende-Autobahnbrücke über alten RAB-Pfeilern bei Richelsdorf
Ersetzte Doppelkurve nahe Eisenach; heutiger hoher Damm erst spät geschüttet (je 1995)

 

A4 im Tanneberger Loch

Östlich des Dreiecks Nossen verlief die ehemalige Reichsautobahn durch ein enges Tal, das Tanneberger Loch.  Anfang der 1990er wurde dieses etwa zwei Kilometer lange Stück durch eine neue Führung mit großer Talbrücke ersetzt; auf die Alttrasse kamen zwei Oberflächenwassersammelbecken.  2004 war nur noch eine Schneise (NSG) auszumachen, aber Reste der einstigen Behelfsrampe (Ab,Auf Ri West) am Waldrand dienen noch Andienungszwecken.

2004: Schneise gen "Loch", Blick West Behelfsrampe mit Markierungsrest, rechts zum Becken

 

A480 am Wetzlarer Kreuz

Langjährige Bauruine des AK Wetzlar für aufgegebene A480; heute hier kleine Anschlussstelle (Zustand 1993)


A5 / A7 am Hattenbacher Dreieck

Zwischen Hattenbacher und Kirchheimer Dreieck treffen sich drei Vorkriegsautobahnen.  Ersteres, westlicheres wurde nach Netzergänzung mit der Rhönlinie (A7) großzügig in die hessische Hügellandschaft gebettet (mit extremem Flächenverbrauch).  Von der ursprünglichen bescheidenen Urautobahn Kassel - Frankfurt kündetet bis vor kurzem eine Brücke, in Stil jener Bauruine bei Burgsinn (Strecke 46) gleich.  Die Nachrüstung eines Lkw-Bypass für genannte Hauptrollrelation (zuvor mussten jene Lkw-Schlangen die kompletten abzweigenden Autobahnspuren gen Fulda kreuzen) führte vor wenigen Jahren doch noch zu ihrem Abriss.
Bemerkenswert: die einst geplante Rothaargebirgsautobahn sollte hier an das Hattenbacher Kreuz angebunden werden - dabei wäre das nahegelegene Dorf Machtlos (!) praktisch vollständig von den zwei kurvigen Autobahnen 5 und 4 umschlossen worden...

Brückentorso wenig nördlich der heutigen Autobahn (1992)

 


A8  Saarbrücken -  München

Trassenverlegungen

Nahe Kaiserslautern / Ramstein wurde nach dem Weltkrieg eine riesige US-Airbase (heute die größte außerhalb der USA) errichtet. Die Autobahn wurde zwischen Landstuhl und Kaiserslautern um einige hundert Meter gen Süden verlegt; die bereits fertiggestellten Brücken und Fahrbahnen dienen heute als Lager, Grund für Hallen bzw. als Airbase-Zufahrt, fallweise als Flugtag-Parkplatz:

Nahe AK Landstuhl, Reste einer Kurve Nahe der Airbase die Zufahrt   Diese Brücke unter Anliegerverkehr (je 2008)

 
Bei Karlsbad bewirkte der sechsspurige Ausbau Mitte der 1990er eine deutliche Trassenverschiebung; die einst langgezogene Anschlussstelle (früher: AS Langensteinbach) lebt als Wald- und Feldwegzufahrt fort; auch ein Grill- und Kinderspielplatz nutzt den planen Untergrund.

Letztes Stück zweispurige Ab- / Auffahrt
Einst mit Feldwegabzweig (!)
Alttrasse vollständig renaturiert
Schneise 2004 noch erkennbar

Auf Höhe Pforzheim / Wurmberg ist der Streckenneubau und auch der Abbau der alten Trasse (oft keine 100m parallel entfernt) so gut wie abgeschlossen.  Während Asphaltdecken, Leitplanken etc. restlos verschwinden, werden lange Durchlässe (im Krieg als Luftschutzkeller verwendet) hoffentlich ihre Denkmalwürdigkeit offiziell bestätigt bekommen, zumindest Hinweistafeln privaten / schulischen Ursprungs erhalten .... ?!  2007 war es gerade noch nicht zu spät:

Alte A8 im Abbau, auf Höhe Ochsenwäldle... ...großer, jetzt kleinerer Durchlass Südlicher, dieser Durchlass wohl verlängert

Alter Aichelberg

Terrassenartige alte Aichelbergautobahn, schnell renaturiert
(Zustand 2001)

Alte Fahrspur Stuttgart - München
im September 2005

Als Anschlussmaßnahme wurde die L1213 westlich der Raststätte Gruibingen auf das Trassee der alten RAB verlegt; nahe der einmündenden K1429 "sprang" als Folge des breiten Asphaltbandes ein bombastischer Wanderparkplatz heraus:

Linktipp:  www.albaufstieg-aichelberg.de   mit tollen historischen Fotos  (Jens Glaßer)



A81 bei Mundelsheim und am Leonberger Engelberg

Sommer 1989: Natur noch zurückhaltend Dank und © Uwe Lorenzen

Heutige sechsbahnige A81 in gestreckterer Führung; alte Doppelkurve teilweise in Überwucherung (2001)

 

Heutige Trasse kreuzt etwas höher; Abholzung vor Renaturierung?   Begrenzungspfosten vom Autor drapiert (2003)

2004: renaturiert als Ausgleichsmaßnahme Mittelstreifenbäume nun Hauptrelikte
       
auch Betonbrücke über Weg abgetragen
Alter Engelbergtunnel, Weströhre / Südportal mit Rest der alten Parkplatzabfahrt (2003).  Gesamtblick beider Röhren nur 2006 möglich,
da Oströhre aufgegraben (Standfestigkeitsprüfungen).  Heute große Erinnerungstafeln mit Namen der Opfer - im Weltkrieg dienten
die Tunnel der Rüstungsproduktion (Messerschmitt-Werke), das einstige KZ-Außenlager ist heute vom Villenviertel überbaut.  

In der Weströhre fanden 2006 ebenfalls Bauwerksprüfungen mit Entnahme von Bohrproben statt. Deutlich die bis 20m vor Tunnelende durchgeführte Verschüttung zu erkennen  (Baustellenbilder).

Oströhre Südportal, schwach Licht von Norden Nur kleine "Prüf-Ergrabung" Nordportal als Ausgrabungsobjekt

Dank für Bilder an Michael Titgemeyer



A9 bei Bad Berneck
Extraseite, da kreuzende stillgelegte Bahnstrecke

 

A226 bei Lübeck-Siems

Die alte und wichtige Fernstraße Lübeck - Travemünde (Ostseehäfen) war nach dem Krieg zu einem Autobahnfortsatz (Hamburg - Schwartau) ausgebaut worden.  Nachdem diese dreispurige Trasse (Überholen fakultativ möglich) nicht mehr modernen Ansprüchen genügte, wurde Anfang der 1970er eine etwas ortsfernere, zugleich deutlich tiefer liegende Autobahn (A226) gebaut.   Von der Alttrasse haben sich bis heute überraschend viele Relikte erhalten:  neben den unter Ortsverkehr stehenden Asphaltresten der früheren Anschlussstelle Dänischburg ist zuvorderst die Brücke über die Eisenbahn Lübeck - Travemünde zu nennen, eine Brücke über eine Ortsstraße in Siems sowie (neu renaturierte) Trassenschneisen.  Erste Eindrücke von 2007:

Alte Autobahnbrücke - Eisenbahn gerade noch
nicht elektrifiziert, hinten neue A226 tiefer
Oben die dreispurige "Autobahn"
Vorne alte, hinten neue Autobahnbrücke Bereich eingezäuntes Werksgelände (Hof) Auch renaturierte Schneise am Trassen-Ostende

Auch die "Hauptautobahn" von Hamburg endete einst anders: sie ging (zunächst als Strecke Nr.1, zeitweise "A11") in die (damalige) Bundesstraße 207 Richtung Ratekau (heutige Eutiner Straße) über (Autobahnende hieß "Eutin"), bis Anfang der 1970er die A1-Verlängerung gen Fehmarn etwas östlicher gebaut wurde.  Dieses alte (sicher ebenfalls nicht vierspurige) Autobahnendstück wird nun von besagter Eutiner Straße (nur noch Kreisstraße, Zubringer zur B309!) "markiert".  Wohl in diese Zeit fällt der Umbau des AD Bad Schwartau (womit die Abbiegemöglichkeit von Norden Richtung Osten / Travemünde entfiel) sowie die geringfügige Nordverrückung der A1 im Ortsgebiet Lübeck / Teerhofinsel. Insgesamt vernichtete das neue Autobahndreieck Bad Schwartau, die neue AS Sereetz, die neu verknüpften Straßenzubringer doch sehr viele Spuren...  Nebenbei: die direkte Anbindung Sereetz' an "seine" AS über die Kaltenhöfer Straße ist erst in jüngster Zeit gekappt worden - die Kreuzungssituation war wohl zu belastet / gefährlich.  Von der alten Strecke der A1 sind Reste Höhe "ex-Bhf Waldhalle / Zur Teerhofsinsel" in Parkplatz aufgegangen.

Linktipp www.a226.de


 

 

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