Nahetal, Pfälzer Bergland,
Weinstraße, Pfälzer Wald, Wasgau...
In Nachbarschaft der
Wirtschaftszentren Rhein-Main und Rhein-Neckar befindet sich eine recht
liebliche Erholungslandschaft. Hochwertige Böden machten die Region im
Südwesten Deutschlands bekannt - sei es durch seinen Wein, sein Obst oder
sein wertvolles Gemüse (Spargel). Auf der rastlosen Suche nach
lauschigen Weinwirtschaften, exklusiven Schlosshotels oder lohnenden
Burgruinen ist dem verkehrsrelikte-Team in den vergangenen Jahren immer wieder
ein Eisenbahnrelikt "dazwischengekommen" - beispielhaft für die
unterschiedlichen Erscheinungsformen von Bahn- und Verkehrsgeschichte seien
einige Fotodokumente vorgestellt, garniert mit Zeitdaten; Gründe für
den Bahnbau oder die Einstellung konnten in den meisten Fällen noch nicht
ermittelt werden.
Es ist zu erwarten, dass mittelfristig über fast alle Bähnchen entweder
kleine Büchlein oder extensive Webseiten erscheinen werden...
Muster: Bahnstrecke (KBS
1944: Personenverkehr von / bis; endgültig stillgelegt [vereinzelt
verbliebenes Teilstück] )
Sprendlingen - Fürfeld
(ex KBS 273e; 1888-1953) "Babettche"
Die Strecke konnte oberhalb Wöllstein erst 1898 eröffnet werden und wurde in
diesem Abschnitt schon 1960 stillgelegt, wogegen das untere Teilstück noch
bis 1973 im Güterverkehr betrieben wurde. Bemerkenswert die Brücke
über den Appelbach nahe Neu-Bamberg, deren eiserne Träger mathematisch an
einen Polygonzug erinnert. Trassenteile sind ein reizvoller Radweg, es
finden sich aber auch klassische Wirtschaftswege und auch Wüstungsabschnitte,
voran der Dammrest vor Fürfeld:
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| Stahlbrücke in
eckiger Abschnittsbauweise |
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Radwegbrücke in
Neu-Bamberg |
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| Museales
Dammstück, Fürfeld (je 2005) |
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Armsheim - Wendelsheim
(ex KBS 273d; 1871-1966; -1996s)
Noch zehn Jahre nach Stilllegung der Wiesbachtalbahn lagen Gleise, war die
Trasse vollständig erhalten. Das Stück zwischen Flonheim und
Wendelsheim ging erst 1898 in Betrieb, ein geplanter Ringschluss ans Babettche
in Wöllstein kam nicht zustande.
Die recht späte Güterverkehrseinstellung (Sandstein Flonheim,
Landwirtschaftsgüter) hatte zu einer stabilen Brücke über die A61
geführt; verwuchernde Signale, Weichen, Gebäuderuinen (Flonheim) oder
Brücken mit Einschusslöchern (ebenda, Hinweistafeln über eine Art
Kriegsschicksal) ergeben ein abstecherwürdiges Gesamtensemble:
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| Über die A61 |
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Flonheim: einst
steinbruchgeschäftig |
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Kriegsschadenbrücke |
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| Signal schon fast
unsichtbar |
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| Die Brücke über
die Nahe ist ungenutzt... |
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...und wird bald
einen Radweg tragen? |
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Ehem.BÜ: hinten
Straßenbrücke auch über "normale" Glantalbahn (mit
Draisinen), je 2008 |
Alsenz - Obermoschel (ex
KBS; 1903- ?)
Die schmalspurige kurze Stichstrecke war im Kursbuch 1944 bereits nicht
mehr aufgeführt und ist so gut wie nicht mehr reliktisch aufzufinden.
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| "Damm"
als Ortsstraße in Niedermoschel 2005 |
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Homburg (Saar) -
Lauterecken-Grumbach (ex KBS 272e: Pv bis 1981/85/86; )
Dieser gut 20km lange Abschnitt war seit 1904 Teil der langen Glantalbahn
welche seit den 1980ern Stück für Stück stillgelegt wurde. Heute hier
der Glan-Blies- Radweg, war in den 1990ern eine klassische Bahnwüstung vorzufinden:
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| 1994: Elschbacher
Tunnel (heute Radweg)... |
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... und tiefer
Einschnitt |
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Glanbrücke bei
Nanzweiler 2009; oben Radweg(!) |
Altenglan
- Schwarzerden - Türkismühle (Westrichbahn, ex KBS
271d/271f/272g)
Entgegen des die durchquerte Landschaft ehrenden Namens der Bahn handelt es
sich hier eigentlich um drei Teile ganz unterschiedlicher Bahnen - sowohl
eines kleinen Glantalbahnfortsatzes (ins nahe Kusel, heut noch mit
umfangreichem Steinbruchverkehr), dem militärstrategisch wichtigen
Mittelabschnitt (um Thallichtenberg, erst 1936 in Betrieb genommen, später
der Strecke aus Ottweiler zugeordnet) sowie dem westlichen Ast, der
scheibchenweise zur Stilllegung kam.
In Altenglan gehts gleich richtig
los: ist von der strategischen Kurve Richtung Norden absolut nichts mehr zu
erahnen, ist der alte Remigiusbergtunnel (der nach dem 2.WK mit der Kurve
entbehrlich wurde) zwar umgangen worden, beide Voreinschnitte exisitieren sehr
zugewachsen bzw. verschüttet noch; das alte Ostportal ist halbvermauert noch
zu sehen, sogar ein Blick in die Röhre war 2008 möglich - ein wahrlich nicht
für möglich gehaltener Relikterfolg !
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| Westportal
Altenglaner Tunnel |
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Ein Blick in die
enge Röhre |
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Der östliche
halbverschüttete Voreinschnitt |
Westlich Kusel folgt der
Fritz-Wunderlich-Weg der Trasse, inklusive beeindruckender Brücken und
Tunnel:
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| Thallichtenberger
Tunnel,... |
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...hier von Wetsen
mit Bahnsteigresten; der Bhf... |
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...ist privat
bewohnt (je 2008) |
Die früheste Stilllegung ist von
1955 des Abschnittes Schwarzerden - Freisen überliefert; hier ist zu
vermerken, dass die kreuzende Autobahn 62 kein
"trassenentsprechendes" Brückenbauwerk erhalten hatte, was den
Radverkehr heute freilich nur zu unmerklichen Kurven zwingt. Sogar
Feldwegbrücken überdauern bis heute:
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| Nahe der
kreuzenden A62 |
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Kurz vor dem
beleuchteten... |
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...Oberkirchener
Tunnel (Ostportalm, je 2008) |
In Freisen war 2008 eine schon
ziemlich unterschüttete/funktionslose Straßenbrücke, ein im Neubaugebiet
abgetragener Bahndamm sowie überwachsende Gleise des bis maximal 2007
bedienten Anschlusses des Türenherstellers Hörmann. Erwähnenswert,
dass der Bahnübergang einst die Reichsstraße 41 trug, ihr heute westlicherer
Verlauf hat mit ebendieser Bahn ebenso einen Übergang (Brücke Wolfersweiler,
noch Anschluss des Gewerbeparks) - bis die geplante B41n eines Tages kein
Bauwerk mehr benötigen wird...
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| Freisen: "Brücke"
über alter Bahn |
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Hier war laut
GPS/DTK25 der Bahndamm |
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Westlich des alten
R41-BÜ; je 2008 |
Gau Odernheim - Osthofen
(ex KBS 274e: Pv 1897-1974; )
Typische Gaubahn und Diagonalverbindung, in den 1980ern bis 1993 vollständig
stillgelegt. Keine bedeutenden Bauten, kein Radweg, teilweise als
Fußweg begehbar. Gau Odernheim, einstiger Bahnknoten, gelegen an der
Strecke KBS 274a Alzey - Bodenheim "Amiche", hat letztere auch
verloren - deren Daten lauten Pv 1896 bis 1985; Güterverker hielt sich
bis 1995.
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| Gleisspur
Dittelsheim 1994 |
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Neustadt - Speyer
(ex
KBS 282k; Verkehr 1905/08 bis 1956)
Zwei benachbarte größere Kreisstädte, beide gelegen an Hauptbahnen, noch
immer "über Eck" bahnlich verbunden; die einstige direkte meterspurige Kleinbahn durchs Gäu, auch Pfefferminzbähnel genannt, ist dagegen kaum noch bekannt.
Tolles Relikt der Brückenrest am Bruchbach, an dem ganz früher eine komplexe
Straßenverkehrsführung zu verzeichnen war, mittlerweile größere Umbauten
auch den Bahndamm verschwinden ließen:
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| Flächen in Speyer |
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Ehem.Bhf
Harthausen |
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| Brückchen über
den Höstengraben |
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Brückenrest
Bruchbach (je 2006) |
Landau - Germersheim
(ex KBS 282m; Pv bis 1984; -1998s)
Ebenfalls zwei benachbarte Kreisstädte - diese aber nicht im geringsten
verkehrlich "verbunden". Die Querbahn war sogar eine veritable
Hauptbahn, was sich an den Relikten ablesen lässt. Das Gleisdreieck bei
Dammheim war Anfang der 1990er beim Bau der A65 restlos untergepflügt worden,
doch am Endpunkt des noch betriebenen Astes (Anschlussgleis Bornheim) erinnert
ein paralleler zurückgelassener Beton-Kilometerstein an diese Kurve, auch
weitere Schienenreste deuten auf letzte Wiederinbetriebnahmehoffnungen hin:
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| Beginn Agl
Bornheim - geradeaus gen GER |
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Vorne Relikt der
Kurve Dammheim |
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Ehem. Hp Essingen
(je 2006) |
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| und B9-Brücke, je
2004 |
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Landau - Herxheim
(ex
KBS 282d; Pv bis 1983; -1996s)
Stichbahn in der Vorderpfalz. Typischer Baugrund, typisches
etappenweises Ende. Zehn Jahre nach Stilllegung noch immer in
Teilbereichen Gleise (guter Zustand!), bisweilen überbaut (Offenbach).
Wird völlig vergessen werden:
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| Oben: Hauptbahn
nach Wörth |
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Oben: BAB 65 |
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Hinten: EG
Mörlheim (je 2006) |
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| Offenbach (Queich) |
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Dito Gleis bei km
7,6 |
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| Ende Herxheim (je
2004) |
Rohrbach -
Klingenmünster (ex KBS 282e; Pv bis 1957; )
Stichstrecke an die Weinstraße. Stilllegung schon "vor
Generationen", kein Rad- oder Fußweg, am Beginn von Einkaufszentrum
überbaut, im Wiesengrund vor Billigheim aber noch zwei
Bachbrückenwiderlagersets und überwucherter, ausfransender Bahndamm.
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| Bachbrückenwiderlager |
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zweimal vor
Billigheim |
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Bahngebäude ex Hp
Heuchelheim (je 2006) |
Bundenthal-Rumbach -
Ludwigswinkel
Diese Wasgenwald bzw. Wasgauwaldbahn ist recht unbekannt, nahm sie ihren
Anfang doch am ebenso nicht berühmten Endpunkt der Stichstrecke
Hinterweidenthal - Bundenthal. Bauhintergrund ein Militärcamp
(Erweiterung franz.Schießplatz Bitche), ausgeführt bis 1921 in 600mm
Spurweite. Ab 1924 öffentlicher Verkehr, auch zur Minderung des
Betriebsdefizits. Nach Abzug der französischen Besatzungs"macht"
und Auflösung des Lagers Ludwigswinkel 1930 Stilllegung und Gleisabbau. Trotz sehr kurzer
Betriebszeit (ganze neun Jahre!) finden sich bis heute deutliche Spuren der Kleinbahn - wenn
man gezielt sucht:
Linktipp: www.amiche.de
Dank für Bilder an Volkmar
Scheffel und Peter Schöler.