Der Hunsrück.

Eingerahmt von Rhein, Mosel, Saar und Nahe fristet das Mittelgebirge ein unspektakuläres Dasein - stets im Schatten der benachbarten berühmteren Eifel, gleichwohl ähnlich reich mit Verkehrsrelikten ausgestattet.  Neben den ausrangierten und konvertierten Militärflugplätzen finden sich viele alte Nebenstrecken, heute zumeist mit reizvollen Bahnradwegen versehen.  "Unser" Metier, die verwucherte Schotter- und Gleiswüstung ist aber auch noch verbreitet vertreten - in manchem Fall vielleicht nur temporär, verfolgt man die juristischen Possen um die Hunsrückquerbahn, die als Museumsbahn sicher einen (Unterhalts-) Unterbau als Flughafenzubringer (Hahn) benötigen würde.

Beim Schinderhannes

Verlässt man die "Hunsrückautobahn" B50 am Mittelzentrum Simmern, so stößt man auf den Beginn des Schinderhannes-Radweges, der teils auf dem Trassee der alten KBS 479 Bopppard - Simmern verläuft (mit Tunnel), oder man wende sich gen Süden, zur alten Stichstrecke nach Gemünden(H).  Sie, einst unter der KBS 271m gelistet, existierte nur zwischen 1922 und 1963; vom knapp 15km langen Bahnkörper finden sich noch immer einzelne Dämme und Brückchen:

Wegdurchlass zwischen Holz- und Tiefenbach Laderampenreste Gemünden eine alte Kopframpe
Alter Güterschuppen und altes großzügiges... Endbahnhofs-Empfangsgebäude Gleisseite, je 2007

Dank für Bilder an Richard Maxheim.

 

In medias res

Hermeskeil ist das südliche Zentrum des Hunsrücks.  Mit seinem Flugzeug- und Dampflokmuseum verkehrstechnisch bekanntgeworden, endet hier die heute Hunsrückquerbahn genannte Fernstrecke von Langenlonsheim bei Bingen.  1889 bis 1903 war die Bahn in Betrieb genommen worden, ihre Stilllegung ist von 1976 (Personenverkehr westlich Simmern) und 1997 (Gesamtverkehr westlich Morbach) überliefert.  Der landschaftlich reizvollste Abschnitt um Deuselbach (mit Viadukten und Tunnel) zeigte sich Anfang 2007 in morbid-ästhetischem Verfall:

Dhronecken - vorbei an alten Wassertürmen oder Burgruinen (li), vorbei an einsamen Bahnhöfen:

Hier erst 380m ü NN Deuselbach, schon sind es 520m ü NN
Viadukt über dem Simm-Tal Sichtlich stabile Schienenpaare Bauwagen für Unterhaltungszwecke, man sieht..
...warum, am Tunnel Deuselbach, Südportal (je 2007)

 

Zur Saar nochmal

Im Süden unserer Berichtsregion liegt das Saar-Nahe-Bergland, der Idar-Hochwald und die Flusstäler von Prims und Saar.  Obwohl administrativ schon dem namensgebenden Kleinland zugehörig, sei ein Bahnort hier beleuchtet: Nonnweiler.  Der Ort am Kulturdenkmal Hunnenring gelegen, kann neben einer Talsperre ein Autobahndreieck mit eingebetteter Anschlussstelle vorweisen, dazu einen abgetragenen Bahntunnel (Schwarzenbach) sowie einen im Güterverkehr befahrenen nebst tunnelartiger Autobahnunterquerung.  Am interessantesten freilich die Reste der hier von Süden einmündenden Primstalbahn (KBS 265k, eröffnet 1897) - die letzten Anschlussgleisbedienungen fanden um 1998 statt.  Sei es die fast vergessene Süd-Ost-Verbindungskurve (teils von Steinbruch eingenommen), sei es der hart an den Hang gepresste Bahnkörper bei Kastel, die Überbauung mit der A1 oder die straßenparallele Wüstung mit folgendem Radweg - nahezu jeder Zustand war 2007 vorzufinden: 

Einfahrt Nonnweiler; links war mal die Verbindungs -kurve Richtung Primstal (Süden) Blick Süd, rechts einst ins Primstal, oben A1
Ende noch vor den alten Anschlüssen Kastel: alte Bahn-Hangterrasse; re oben A1
Primsbrücke Wadern-Dagstuhl, schon sehr morbide-rostig
Schotterwüstung am km 37,7 "Störung" im Wiesengrund
Büschfeld, Ödnis mit BÜ-Rest "Brücke" betreten verboten - von ihr nur noch... ...ein Widerlager (ehem.Kleinbahn von Merzig)



Irrel - ein Reliktnest:  das Bitburger oder Gutland

Besonders bereisenswert in dieser an Luxemburg grenzenden Region ist die ehemalige KBS 248f Erdorf - Igel.  Sie erschloss in einer nach Westen ausholenden Führung neben der bedeutenden Kreis- und Militärstadt Bitburg das Tal der Sauer / Sûre (dessen linkes Ufer von einer luxemburgischen Kleinbahn bedient wurde).  Bitburg sah über Jahre neben Bier- und Panzertransporten nur Museumszüge, weiter südlich geht es eisenbahnarchäologisch "in die Vollen".  Wo die alte Trasse von der Hochfläche bei Wolsfeld kommend über das Tal der Nims in das Sauertal absteigt und die Bundesstraße 257 im engen und dunklen Tal gefährliche Kurven beschreibt, findet sich noch immer eine alte große Stahlbrücke bevor der kleine Ort Irrel erreicht wird.  Hier ist vom 400m langen Tunnel das Ostportal bereits überschüttet (seit 1994; auf dem Berg Katzenkopf darüber gab es ein unterirdisches Westwall-Panzerwerk), besagte Bundesstraße durchschneidet als Umgehungsstraße die Strecke (Bahnbrücke demontiert), südlich des Ortes hält ein schöner Viadukt die Bahngeschichte wach, der Straßentunnel freilich bereits beseitigt:

Tunnel Irrel - das Südportal Straßentunnel im Gegensatz zum Viadukt 2002 bereits abgetragen

Die alte Strecke im Sauertal selbst ist nun zu einem Teil ein Bahntrassenradweg (netterweise inklusive Führung durch den beleuchteten Ralinger Tunnel), kurz vor dem Moseltal war aber noch der Mesenicher Tunnel zu durchqueren - sein Südportal sehr schwer zu finden wogegen am Nordportal die letzten zehn Jahre die Zeit stehengeblieben zu sein scheint:


 

 

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