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Versunken - auch vergessen ?
Mittelgebirge und Mitteleuropa: das
bedeutet auch Gebirgsbäche, Gewitterstürze, Hochwasser; dazu kommt nach
Industrialisierung und Bevölkerungswachstum stark gestiegener Brauch- und
Trinkwasserbedarf - kein Wunder dass seit über hundert Jahren gerade in
Deutschland eine Vielzahl neuer Stauseen entstanden sind, die obigen
Bedürfnissen Rechnung tragen, daneben auch als Naherholungsgebiete fungieren
können. Herausragendes Beispiel für die extensive Nutzung des Wassers
stellt natürlich das Bergische Land und Sauerland dar, vor den Toren der
Ballungsräume Köln und Rhein-Ruhr gelegen. Mit jedem Jahr das eine
projektierte Talsperre später zur Ausführung gelangte, waren die Täler besiedelter,
mussten mehr Verkehrswege umgelegt werden.
Die prozentual
"meistversunkene" Bahnstrecke dürfte die Stichstrecke Brüchermühle
- Wildbergerhütte im Bergischen Land sein, deren fast komplette Trasse im Tal der oberen Wiehl
sich nun in der Wiehltalsperre wiederfindet
(südlich der Bergischen Autobahn 4).
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Löffelsterz: ehem.Damm
der Bahn nach Wildbergerhütte samt Wegdurchlass fast unsichtbar;
immerhin dient plane Fläche privatem Garten (2008) |
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NRW > Sauerland > Biggesee
Große Beachtung in den 1960er
Jahren fand der Bau der Biggetalsperre: sie erforderte nicht nur die
Umsiedlung hunderter Talbewohner, auch die Eisenbahnstrecke Olpe - Finnentrop
musste in den Fluten versinken. Die Neutrassierung führte zum Bau dreier
Tunnel sowie der berühmten Doppelstockbrücken; aufgegeben werden mussten
immerhin der Alte Hanemicker und der Kraghammer-Sattel-Tunnel. Jener
führte die Bahnlinie vom Bigge- ins Ihnetal und wurde beim Talsperrenbau auf
Wunsch der Adenauer-Regierung zu einem Talsperren-Notablass umgebaut; seit 2002
finden umfangreiche Umbaumaßnahmen zu einem Regelablass statt. Im
Jahrhundertsommer 2003 erhob sich bei sehr geringem Wasserstand der fast
unzerstörte Bahndamm südlich des Hanemicke-Tunnels inklusive Brückchens
majestätisch aus den Fluten; die Stellen der beseitigten Tunnelportale
sind zu identifizieren:
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| Stelle des Alten
Hanemicker Tunnel, ex Südportal 2003 |
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und Stelle des
Nordportals |
Linktipp: viele Fotos des Tals
vor dem Untergang mit der alten Bahntrasse samt Brückchen, großteils 2003
aufgetaucht, finden sich auf
www.biggesee.org (unter
Geschichte).
NRW > Bergisches Land > Wuppertalsperre
Erst Ende der 1980er Jahre schließlich traf es
das Tal der oberen Wupper; im Bereich um Krebsöge musste die Bahnstrecke
Wuppertal - Oberbrügge unterbrochen werden; scheint es der untere Teil
(mit dem schönen Beyenburger Tunnel) zu einer Museumsstrecke zu
"schaffen", ging der östliche Abschnitt den üblichen Gang des
schleichenden Bedeutungsverlustes mit abschließender Stilllegung (siehe
auch unter Bergisches Land).
Bei der noch jungen Wuppertalsperre handelt es sich um ein hochlohnendes Ziel
"Verkehrsarchäologie unterwasser". In einer Tiefe von 12 bis
20 m findet sich noch heute die alte steinerne "Kräwinklerbrücke".
Sie trug früher die alte Talstraße; die unweit einst das Tal überspannende
Eisenbahnbrücke (hohe Pfeiler und Stahlträgerüberbauten) würde knapp unter
der Wasserlinie liegen und wurde selbstverständlich vollständig
abgetragen. Beim Tauchziel sind wegen beschränkter Sichtweite Fotos kaum
möglich; umsomehr achte man auf vereinzelte Stahlkrampenüberreste (Geländer
bzw. Leitplankenrelikte - Linktipp:
Marc Strauchs Homepage ) Auch bei
diesem künstlichen See führte der extrem trockene Sommer 2003 zu seltenen Ein-
und Aussichten wie Björn Goessler dokumentieren konnte:
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Alter
Bahneinschnitt bei Krebsöge |
Bayern > Oberpfalz > Eixendorfer See
Auch in der östlichen Oberpfalz führte
das Aufstauen der Schwarzach zum Eixendorfer See zum unwiderruflichen Ende
der Nebenbahn Bodenwöhr - Rötz; in der aktuellen TK50 © Bayer. Landesvermessungsamt
lässt sich ihre alte Trasse am Südrand des Sees (heute Panoramaweg)
gut verfolgen; bis knapp vor den Staudamm verläuft heute ein
Radweg geschmückt von Bahnsteinen und km-Tafeln (>1).
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Hier verliert sich die Bahntrasse (wovon
noch Schotter
zeugt) im Stausee; Blick gen West, Höhe ^2 |
Sachsen >
Erzgebirge > Talsperre Eibenstock
Selbst die DDR musste ihre so gebrauchten
Bahnstrecken an einer Stelle zugunsten einer Talsperre opfern: im
westlichen Erzgebirge verlor Eibenstock gleich zwei Bahnhöfe und seine
Stichstrecke; die Durchgangsstrecke Chemnitz - Adorf wurde in zwei
Äste gesplittet die heute bekannten morbiden Charme (mehr) bieten
können.
Im heute überfluteten Bereich ist von der alten Bahnlinie immerhin noch
die Tunnelkrone des Südportals vorzufinden, mangels Wegen aber schwer
zu erreichen. Vom gegenüberliegenden Ufer mit der Bundesstraße können
wegen Bewuchses nur langsame Radfahrer Blicke erhaschen. Da
dankenswerterweise der Vorsperrendamm für Fußgänger zugänglich ist, gelingen
mit Teleobjektiv (unten: 360mm äquiv.) ordentliche Eindrücke des obersten
Teils des alten Nordportals des Tunnel:
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| Als im Mai 1999 der Wasserstand stark abgesenkt war, gelang Sven Brückner diese
einmalige Aufnahme des Südportals des Tunnel von Schönheiderhammer |
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| Normal sind Süd- (2003) und... |
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...Nordportal nahezu versunken;
die... |
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...Mauerkronen aus Beton überdauern
(2009) |
Bei kleineren Stauseeprojekten genügte oftmals
eine kurze Trassenverlegung (Talsperre Malter im östlichen Erzgebirge,
Innerstestausee im Harz sowie im weiteren Verlauf der Erzgebirgsquerbahn beim
Muldenberger See); das umfangreiche Schmalspurnetz um Oschatz / Mügeln
wurde durch die Talsperre Döllnitzer See erst nach der Stillegung der
betroffenen Strecke "erwischt".
Erwähnenswert zudem die kleinen
Anschlussbahnen, die nur zum Bau von Staumauern benötigt wurden und in die
Kategorie Werksanschlussbahnen eingeordnet werden können - angesichts der
kurzen Betriebszeit haben seltenst Relikte überdauert; dagegen kann die
(sogar zeitweise elektrifizierte) Stichstrecke Gräfenwarth - Staumauer an der
Bleilochtalsperre (Thüringer Schiefergebirge) noch heute ausgemacht werden,
ihre Stammstrecke Schleiz-Saalburg ist erst in jüngster Zeit eingestellt
worden.
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| Ehem.Damm Talsperrenbaubahn
Klingenberg... |
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...und die Streichholzbrücke
(anfangs Holz) 2008 |
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Trasse Staumauerbaubahn Gräfenwarth
2009 |
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