Vogtland.
Welch Landschaft
möchte man rufen angesichts einer
Region die zur Erholung sehr taugt und auch dem Eisenbahnarchäologen hold
ist. Gemeint ist der Süden des Ostens, das an Tschechien grenzende
Mittelgebirge Erzgebirge und sein sanft gen Westen abfallender Rand, das
Vogtland. "Normale" Eisenbahnfans kommen mit der
Göltzschtalbrücke ("Monstrum aus Ziegelstein") und den dampfigen
Schmalspurbahnen im Pressnitztal und um Oberwiesenthal gut auf ihre
Kosten; die einst hohe Bahndichte im Zusammenspiel mit
Nach-Wende-Verkehrsumlagerungen in vergleichsweise dünn besiedelten Tälern und
Hochflächen führte zu den auf dieser Webseite besonders interessierenden
Trassenwüstungen. Auch im Vogtland sind
eindrucksvolle Relikte vorzufinden, wie eine kleine Rundreise zeigen soll, doch nähern wir uns dem Gebiet zunächst von Norden auf der
Autobahn A9 Berlin - Leipzig - Hof.
Der Autofahrer, der südlich des
Hermsdorfer Kreuzes eine noch originale Reichs- und DDR-Transitautobahn mit
ihrer Seitenstreifenlosigkeit und "Plattentektonik" unter seine Räder
nimmt, bemerkt vielleicht die alten und engen Brücken, die einem zeitgemäßen
Ausbau im Wege sind. Kurz nach Erreichen der Seenlandschaft von Auma und
Plothen wird die alte eiserne Oberlandbahnbrücke bei Moßbach passiert;
die Strecke die Triptis (das Oberland) mit Lobenstein (im Schiefergebirge,
mehr zu dieser Strecke dort)
verbindet ist seit 1998 ohne regelmäßigen Verkehr und wird keinesfalls den
baldigen sechsstreifigen Ausbau überstehen können.
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| Brücke bei Moßbach... |
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...über alter RAB |
Dieser Ausbau ist einige Kilometer
weiter südlich jüngst abgeschlossen worden und tatsächlich ist die zweite
kreuzende Nebenbahn dabei ihrer Brücke beraubt worden: von der alten KBS
173f Schleiz - Saalburg künden auf Höhe der Ortschaft Oschitz nurmehr traurige
Bahndammstümpfe - die nun nicht mehr "passende" Höhendifferenz der
so unterschiedlichen Verkehrswege macht einen Wiederaufbau der Nebenbahn
(wirtschaftlich) unmöglich:
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| Seltene Statik bei
Oschitz... |
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...nach
Autobahnausbau verschwunden |
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..naher Hp mit
merkwürdigem Signal (1997) |
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| Möschlitz -
verlassen schon 1997 |
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Hp Burgk
- einsam im Wald |
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| Vor Saalburg (2003) |
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Diese Nebenbahn nimmt ihren Anfang
in Schönberg (an der Hauptbahn Hof-Plauen) ebenso wie die andere alte Nebenbahn
(Schönberg - Hirschberg, ex KBS
173c); der einstige Knotenbahnhof lässt sich
zwar noch als solcher erkennen, da aber nunmehr beide abzweigenden Äste im
"Stilllegungslauf" sind, wird dies wohl nicht ewig so weiter sein
können. Umso wichtiger, nochmals vorbeigeschaut zu haben:
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| Schönberg: links
Hirschberg, rechts Schleiz |
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Blick zurück am BÜ
Höhe Kornbach |
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Tanna, einst sogar
zusätzlich Feldbahnbetrieb |
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| Unterkoskau:
minimaler Hp |
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Göttengrün-Gfell |
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Signale gerade noch
über dem Bewuchs (je 2006) |
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Hirschberg, alter
Bahnhofsbereich 2004 |
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Eine kleine Stadt am Rande des
Vogtlandes ist Zeulenroda. Für uns
interessant, denn die "Stadt auf der Höhe" war mit einer knapp 4km
langen "Stadtbahn" an den "Unteren Bahnhof" (Strecke
Mehltheuer - Gera) angeschlossen, wozu ein großer sehenswerter Viadukt nötig
war (eröffnet 1914, Personenverkehr endete 1974). Diese Strecke ist eine
der wenigen wiedereröffneten (1991 wieder ÖPNV) Bahnlinien, die ein zweites
Mal scheiterten (Stilllegung 1996).
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| Zeulenroda u.Bf - rechts war "Stadtbahn"-Gleis |
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Links bald die Kurve zum großen... |
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...Viadukt, 2006 schon sehr bewachsen |
Das
nächste Ziel ist die Hauptstadt des Vogtlandes, Plauen. Sie ist -neben
ihrer bekannten Tram- mit ihren "Oben-Unten"-Bahnhöfen sowie ICE-Halt
bahnlich noch gut erschlossen; der Blick in hiesige Wanderkarten zeigt aber
unweit südlich/östlich eine sich in interessanten Windungen von Oelsnitz i.V.
nach Falkenstein schlängelnde alte Bahntrasse. Am südlichen Rand der
alten Schlösserstadt Oelsnitz ist die alte KBS 172d nicht zu übersehen; lässt
ein eingezäunter Gleisstumpf Besichtigungen zunächst nicht zu, so entschädigt
nahebei die überwuchernde große Bahnbrücke über die Weiße Elster (jetzt
Fußweg). Von hier wird in großzügigen Kurven in zunächst westlicher
(Blick bei Dobeneck zu Durchlass; in der Ferne berühmte Pirk-Autobahnbrücke),
dann nördlicher und östlicher Richtung der kleine Ort Lottengrün
erreicht, der sich als typische Eisenbahnersiedlung entpuppt.
Noch heute dient eine kleine Brücke
über dem stark zugewachsenen Bahnhofseinschnitt als Feldwegszufahrt; das
Empfangsgebäude steht inmitten eines Speditionsparkplatzes.
In
Lottengrün zweigte die spätere KBS 172f Richtung Plauen-Chrieschwitz ab, die
länger als der Ursprungsast nach Oelsnitz Verkehr aufwies. Viele Brücken
überdauern, mit der Krönung des großen Viaduktes in Plauen-Klein
Friesen. Unten kreuzte einst die alte F169 bis zu deren Neuanbindung bei
Neuensalz.
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| Jägerhaus:
Betonbrücke mit Widerlagern für zwei Gleise, |
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oben ein Pfad |
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| Theuma - Stadttor |
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Feld- und Waldwege durch große
Wälder (mit tw. abgetragenen Brücken) prägen den weiteren Verlauf der Bahntrasse
von Lottengrün bis Falkenstein wo das
Erzgebirge richtig beginnt.
Doch das ist eine andere
Geschichte (i.V.) ...
Reichenbach, eine alte
Eisenbahnerstadt (hier endet der Fahrdraht von Zwickau her) überrascht nun
nicht mehr wirklich mit einigen Eisenbahnrelikten: zum einen gab es eine
schmalspurige Anschlussbahn zu einer Lokfabrik (vom unteren Bahnhof), zum
anderen verband eine normalspurige Strecke die Bahnhöfe "oben" und
"unten" sowie den Bf Göltzschtalbrücke (letztere als Spitzkehre
notwendig gewesen) mit Lengenfeld über Mylau:
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| Zwischen RC ob Bf
und RC unt Bf... |
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...Widerlager und
Pfeiler einer Stahlbrücke (2006) |
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Der östliche Ast bis Weißensand sah Güterverkehr bis in die
1990er, sodann eine partielle Umgestaltung zu einem reizvollen Radweg mit kunstvollen
Brückenneubauten; im Ortsbereich Mylau ist Straßennutzung und klassische
ruinengetränkte Wüstung vorzufinden:
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| Kunstneubau
Weißensand (2004) |
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Mylau: Bahnbrücke
gesperrte Fabrikzufahrt... |
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| ...und ruinöse
Göltzschbrücke (je 2006) |
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Selbst eine klassische Besichtigung
des Monuments Göltzschtalbrücke artet damit für den Kenner zu einer Reliktjagd
aus: direkt unter den mächtigen Ziegelsteinpfeilern befand sich früher
der "Bahnhof Göltzschtalbrücke", der das westliche "Eck"
genannter Göltzschtalbahn markierte. Jüngst freigeschnitten, lässt sich die mächtige
Industriebahnbrücke nun wieder gut ins Bild rücken:
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| Gegenüber der
Göltzsch ein Bahnrelikt |
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in Form einer
Brücke... |
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...hier einst eine
Weichenharfe (je 2006) |
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