Harz.
Ohne Zweifel stellt der Harz für
den Eisenbahnfreund eine der lohnendsten Regionen dar. Neben den
Tourismusmagneten Selketal-, Brocken- und Harzquerbahn (mit Dampfbetrieb) lassen
zuvorderst Harzrandstrecken mit ihrem verbliebenen ÖPNV
aufhorchen. Die zusätzlich bereits zahlreich
"vorliegenden" Eisenbahnrelikte werden seit kurzem mit interessanten
Hinweistafeln gewürdigt.
Die Rübelandbahn und Beiwerk
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Bekanntgeworden durch die
Weltpremiere der Zahnstange System Abt sowie später durch die Elektrifizierung
mit "normalem" Industriestrom. Die Region westlich Blankenburgs
mit ihren Erzgruben und Kalksteinbrüchen benötigte schon früh
leistungsfähige Abfuhrtransportmittel; bereits 1872 nahm die Erzstufenbahn
(normalspurig, aber mit Grubenbahnprofil) ihren Betrieb auf - ihre drei kurzen
Tunnel sind heute verfüllt und unsichtbar, wohingegen ihre Trasse teilweise als
Waldweg nebst schöner gemauerter Überführung (s.l.) überdauert; der über
400m lange Bielsteintunnel wurde anlässlich der Eröffnung der
"großen" Rübelandbahn 1885 auf Normalprofil erweitert. Diese
Bahn führt von Blankenburg über die Spitzkehre Bast Michaelstein und Rübeland
- Elbingerode nach Königshütte - spätere Verbindungs- und Anschlussbahnen
sind auch schon teils längere Zeit Bahngeschichte (Die Weiterführung im Tal
der Warmen Bode gen Sorge wurde 2002 mit EU-Mitteln zu einem Radweg
umgearbeitet).
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| Königshütte -
toter Bahnhof mit Oberleitung ! Personenverkehr endete 1999. |
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| Radschnellbahnbau
im Tal der Warmen Bode |
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Der verbliebene Personenverkehr
bis Elbingerode endete 2005; Pläne für einen Museumsverkehr (auch mit den
legendären 171er-Elloks) scheinen machbar zu sein.
Eine Neutrassierung in den 1930er Jahren um Rübeland führte zur Aufgabe des
Bismarcktunnel (lohnendes Relikt, siehe Bild); die Elektrifizierung Mitte der
1960er Jahre zu einer Umfahrung des alten Bielsteintunnel, von dem das Ostportal überdauert
hat sowie der westliche Eingang nach Überschüttung immerhin mit einem
kellerartigen vergitterten Schräggang zugänglich ist.
Die Neuwerker Anschlussbahn zu den Diabas-Brüchen Pfaffenköpfe mit ihrem
Kreuztaler Tunnel ist seit 1961 Geschichte.
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| Bismarcktunnel:
Südportal © Sven
Brückner |
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Nordportal |
| Einer
der am längsten ohne Verkehr überdauernden Tunneldenkmale |
Die Neuwerker Industriebahn
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| Brücke am
Zerfallen |
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Tunnel in sehr
gutem Zustand (Nordportal 2002, 04) |
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| Südportal 2002... |
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...und 2004 |
Die Schmalspurbahnen im Harz
Sie sind auch heute noch umfangreich
und touristisch bedeutend. Das sehr ausgedehnte Netz hat aber ebenso
Federn lassen müssen: so existiert die meterspurige Südharzeisenbahn
Walkenried - Braunlage und Brunnenbachsmühle - Tanne ebenso nur in der
Erinnerung wie mehrere normalspurige Erschließungsstrecken (Innerstetalbahn mit
dem heute privaten Gallenbergtunnel, Elbingerode - Drei Annen Hohne bzw. -
Tanne).
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| Reste eines
Widerlagers der Strecke nach Braunlage über der Harzquerbahn |
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Keine 2km
westlicher: Schienen auf ehemaliger Grenzbrücke über die Warme Bode
(97)
Großes Bild von 2004 |
Erschließungsstrecken
Bad Harzburg - Ilsenburg
Diese Strecke vermittelte ab 1894 einen Verkehr
zwischen Bad Harzburg und Halberstadt, querte bei Eckertal mit dem Bach Ecker
die innerdeutsche Grenze und erleidete somit das typische Schicksal der
Stilllegungen (Grenze 1945, bis Eckertal Pv bis 1955).
In Sachsen-Anhalt wurde immerhin 1995 ein Lückenschluss des bis dato weiter
betriebenen Stückes (Stapelburg) gen Vienenburg eröffnet; lediglich der alte
Bhf Stapelburg musste wegen des nun nordwärts gerichteten Gleisstranges
aufgegeben werden.
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Eckertal:
Widerlager und nahe... |
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...Grenz-Brücke |
Linktipp: Strecke
vollständig dokumentiert bei Philipp Herrlich
Harzranderschließungen
Neben den hinlänglich
bekannten, teils angerissenen Harzquerenden Bahnen, strebten weitere
Stichstrecken an den Fuß des (für norddeutsche Verhältnisse)
Hochgebirges; sie hielten sich meist erstaunlich lange obwohl die kleine
mechanische Industrie nach dem Krieg eher auf dem absteigenden denn
wachsenden Ast saß. So ist von der Stichbahn Berga-Kelbra -
Stolberg (KBS 592) oder der "Wipperliese"
Klostermansfeld - Wippra (KBS 337) trotz zwischenzeitlicher
Befürchtungen noch immer Personenverkehr zu beobachten; eine den
Eisernen Vorhang kreuzende Bahn Ellrich - Zorge (eröffnet 1907) hingegen sah ihre
Stillegung scheibchenweise: der obere BRD-Teil war 1967 abgebaut
worden, der kurze DR-Teil im Ortsgebiet Ellrich war noch bis nach der Wende im
(Güterverkehrs-)Gebrauch. Ein völlig
überwuchernder Bahndamm gab zu einem Foto gen Harzbergkette Anlass
(1997). Pläne zur Reaktivierung der Bahn-Aktiengesellschaft sowie zum
Wiederaufbau zwecks Museumsbetrieb scheiterten jüngst.
2004 waren in Ellrich ein Schienenrest und Brückenwiderlager fotografierbar:
Die unvollendete Helmetalbahn
Die pittoreske Südharzmetropole
Nordhausen ist mit ihren Kalk- und Anhydritbrüchen, aber auch mit dem
nahen KZ-Außenlager Dora bekanntgeworden, in dem Zwangsarbeiter die erste
Mittelstreckenrakete A4 "V2" zusammenbauen mussten. Der
insgesamt sehr umfangreiche Güterverkehr hatte der Stadt eine Reihe von
Bahnlinien beschert - von denen die schmalspurige Harzquerbahn sicher die
meisten anzieht - sowie eine (heute ebenfalls nicht mehr befahrene)
Güterumgehungsstrecke im Stadtgebiet. Zur Umfahrung der westlichen
Industrie- und Bergbaugebiete wurde noch kurz vor Kriegsende eine großräumigere
Strecke begonnen (gebaut von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern), die im Tal der Helme auf direkterem Weg die Altstrecke bei
Osterhagen erreichen sollte. Der Kriegszusammenbruch ließ eine
Vollendung nicht mehr zu -obwohl Einschnitte / Dämme auf fast den gesamten
22km fertiggestellt scheinen- und so künden heute mannigfach Relikte von dieser
Unvollendeten:

Ironischerweise verläuft die
jüngst fertiggestellte Südharzautobahn A38 im Umfahrungsbereich Nordhausen zum
Teil fast
auf der alten Trasse der Helmetalbahn; die fast zwingende Luftlinie wird
möglicherweise langfristig von der B243n als "Helmetalschnellstraße"
und Autobahnverbindung (A7 - A38) gebraucht werden...
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| Hinter der neuen A38 ein Widerlager
und andere... |
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...Baurelikte der Helmetalbahn
(2002). |
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In topographischen Karten
(zumindest der bis jüngst gebräuchlichen Zeichenart!) lässt sich die Trasse
fast vollständig verfolgen; am einstigen geplanten Bahnhof Mackenrode ist die
Realität dann so (2007):
Herzberg (Harz) -
einstiger Bahnknoten
Noch heute führt durch diese
Stadt am südlichen Harzrand die Südharzbahn (Northeim - Nordhausen) und es
beginnt die Strecke nach Seesen (Westharzbahn) wodurch in drei
Himmelsrichtungen vertaktete Reisemöglichkeiten bestehen. Es war jedoch
früher noch besser: am Südrand des Bahnhofs hätte ein Kran oder
zumindest eine Wegbrücke 2004 reizende Fotos ermöglicht, sieht man doch
neben den VT628 auf der Nordhausener Strecke links ein stillgelegtes,
verwucherndes Gleis (kurze Stichstrecke ins Siebertal, nur Güterverkehr bis
1994) und rechts einen brandneuen Bahntrassenweg (Weser-Harz-Heide-Radfernweg
auf der ehem. Nebenbahn Richtung Rhumspringe - Bleicherode). Letztere,
auch ein Zonengrenzopfer (Zwinge) wurde im niedersächsischen Teil zwischen
1961 (Personenverkehr) und 1982 (Restgüterverkehr) eingestellt.
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| Triebwagen kommt aus Nordhausen,
dieses Gleis... |
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...sah Güterverkehr bis
1994; Fotos 2004 |
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Trotz der Täler von Eller und Bode
war im hügeligen Harzvorland ein Tunnel östlich von Lüderode erforderlich,
der schon zu DDR-Zeiten wie auch große Teile der Trasse als Feldweg genutzt
wurde. Bei einer Besichtigung im Jahre 1993 kam es zu einem gefährlichen
Zwischenfall: ein Traktor raste mit für ihn höchster Geschwindigkeit
durch die unbeleuchtete Röhre während sich eine Personengruppe ängstlich an
die Tunnelwand kauerte...

Verbleibende Reststücke im
Kaligebiet von Bischofferode sind um die Jahrtausendwende stillgelegt und
entwidmet worden.
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