Dresden.  Elbsandsteingebirge. Lausitzer Bergland. Sachsen.

Nun also: Dresden.  Einst eine der schönsten Städte der Welt und auch heute ein echtes und absolutes Reiseziel.  Nimmt man die landschaftliche Einbettung oder die Summe an Kultur, Architektur, Natur, so kann eigentlich keine andere deutsche Stadt ihr das Wasser reichen.
Wegen ebendieser Vorzüge sowie der vor Ort anzutreffenden lukullischen Elemente tut man sich schwer, irgendwelchen verrückten Hobbies nachzugehen und im Gestrüpp nach rostenden Schienen zu suchen.  Tatsächlich waren also viele Jahre, eigentlich sind es schon Jahrzehnte, nötig, um immer wieder mal kurz sich "davonzustehlen" oder bei Durchquerungen kurz Halt zu machen, um eben die folgenden Fotoergebnisse erzielen zu können.

Kommen wir also von Westen, "Mittelsachsen", dem Großraum Rochlitz und bewegen uns in aller gebotenen Gemütlichkeit und Gründlichkeit ostwärts:

Rochlitz - Waldheim
Diese gut 20km lange Nebenbahn bestand zwischen 1898 und 1998.  Unter der KBS 433 bot die DR z.B. 1973 ganze 5 Zugpaare an.  Der werktägliche Kurs Rochlitz ab 4.40 endete im (mittig gelegenen) Geringswalde (an 5.27), wo um 11.54 Uhr die Rückfahrt begann. 

Kurz nach Ausfahrt Rochlitz:  die Muldebrücke (2010) Kleines Brückchen (Aubach) bei Döhlen Geringswalde, schon schön bewachsen
Hier gab es einen kleinen (Rangier-) Lokschuppen Bahnsteige Straßenseite des Bahnhofs (je 2008)

Kurz vor Waldheim war die neue Umgehung (S 36) noch mittels Brücke über die Bahn geführt worden, dann wieder Bahnwüstung pur:

Waldheim, oben die brandneue S 36 Brücke über eine kleine Schlucht... ....Lokschuppen Waldheim (je 2008)

Waldheim liegt an der Hauptbahn Chemnitz - Riesa und könnte von uns (nordwärts) genutzt werden, um einen ganz kurzen Halt (en passant - würdig, da nahe der AS Döbeln A14) an einem der wenigen Relikte der Wilsdruffer Schmalspurbahn zu machen - sie war einst über die Hauptbahn geführt worden (Widerlager verschwunden), um an der Westseite den Bahnhof Gärtitz zu erreichen:  stillgelegt 1969 wegen Baus ebenjener A14...

Der "vollwertige" Damm nahe der Hauptbahn (je 2018) Eine nicht "schmale" Brücke über Feldweg bei Gärtitz Wilsdruff Hp aber am Ast nach Meißen (2001)

Wir zögerns nochmal raus und wenden uns nordöstlich Richtung Heide, um an einem alten BÜ (mit B 6) auf den morbiden Bhf Prausitz (einst vier Gleise) zu stoßen. Zugehörige Strecke Riesa - Nossen sah bis 1998 Personenverkehr, Güterverkehr noch mehrere Monate länger. Wiederinbetriebnahme angedacht.
Weiter Nordost, schon jenseits der Elbe, nördlich Radeburg stößt der Kenner auf die unvollendete sächsische Nordostbahn; sie sollte eine Verbindung von Riesa und Löbau schaffen (knapp entlang der damaligen preußischen Grenze) und war in den 1920ern nicht über Dämme und Brückenwiderlager, insbesondere im Rödertal, hinausgekommen:

Prausitz 2017.  Ein Zufallshalt. Im Großen Rödertal, der Bahndamm Ein Waserdurchlass
Im Wäldchen nur Widerlager, ebenso an... ..einem Feldweg;  bei... ..Niederrödern inmitten Weiden (je 2008)

"Mehr geboten" bekommt man in Königsbrück (bis heute Endpunkt einer Nebenbahn), denn der große Viadukt liegt schon im (seit 2000) stillgelegten Abschnitt der einstigen Verbindung nach Straßgräbchen.  In Schwepnitz an jener Nebenbahn schließlich Hinweise auf den hier gelegenen einstigen riesigen Truppenübungsplatz Königsbrück; hier gab es Anschlüsse zu Glaswerken, sowj.Anschlüsse und auch ein Gleis zur "strategischen Reserve" - schon 2008 alles ferne Historie:

 
Königsbrück, Viadukt Pulsnitztal 2008. .
Schwepnitz, die Straßenseite... ...die Gleisseite, bzw... ...die Nichtgleiswüste

Nun aber zackig zurück, wir wollen ja irgendwann Dresden erreichen.   Lange Zeit hätte sich auch die Nebenbahn Kamenz - Bischofswerda (um die Görlitzer Hauptbahn zu erreichen) hierfür angeboten; als Person jedoch nur bis 1967, als Gut in der südlichen Hälfte auch nur bis 1969, im Norden (etwa bis zum Steinbruch Kindisch) wäre noch bis 1990 eine Beförderung gelungen.

Prietitz, Brücke über Hauptstraße entfernt Rauschwitz, hinter dem Bahnhaus war der Abzweig
zum Steinbruch Kindisch (nach links), Blick Nord
Rauschwitz, hier in etwa Standort alter Bhf (je 2008)
Schon kurz vor Bischofswerda wird der Amselweg überbrückt Recht mächtig; auch andere Brücken überdauern (je 2018)

Ähem, Räusper, wo wir doch schonmal da sind, nutzen wir die südwärts strebende "Sächsische Semmeringbahn", um über das Elbsandsteingebirge "würdig" Dresden anzusteuern. Von Bischofswerda kann heute (auf einer eingleisigen Hauptbahn !) immerhin Neukirch West (und damit die "Semmeringbahn" Bautzen - Sebnitz) erreicht werden (überregional: Dresden - Liberec; regional mit Desiro), ab da geht es nur noch als Kies-/ Splittfuhre bis zum Bruch Oberottendorf (Pv endete 2004):  ab hier kann die Trasse (mit dem langen Viadukt) - bzw. deren Verfall - von der neuen parallelen Fernstraße S 156 sehr gut verfolgt werden, gekrönt durch die nicht vorhandene Brücke der Bahn am Straßeneinschnitt:

Viadukt Oberottendorf 2018 Links ein Viadukt, rechts die neue S 156 (2008)

Die Straße war gerade brandneu und die Streckensperrung offensichtlich ebenso:

Blick nordwärts Blick Süd, Einfahr-Vs Sh0 aus Neustadt

Wir reis(t)en weiter und stießen in Sebnitz auf den gerade begonnenen Wiederaufbau der grenzüberschreitenden Strecke nach Rumburk - der Verkehr hatte hier seit 1945 geruht und sieht seit 2014 wieder einen "überregionalen [EU-] Binnenverkehr" 

Rechts Einfahrt Sebnitz Vorne der alte Ast nach Rumburk Schienenreste im schon 2008 völlig freien Grenzgebiet

Ab Sebnitz geht es richtig gebirgig abwärts Richtung Elbtal.  Eine Führerstandsmitfahrt hatte das schöne "Tor" als Reiseziel nahegelegt - es handelt sich um die Ruine einer Waldwegbrücke nahe Hainersdorf.  In Goßdorf-Kohlmühle schließlich muss man einfach länger "pausieren" und eine reizvolle Wanderung ins Schwarzbachtal unternehmen, am besten auf der alten Trasse der Schmalspurbahgn nach Hohnstein.  1897 eröffnet war sie 1951 stillgelegt und abgebaut worden, sah jedoch schon zu DDR-Zeiten Trassenfans und -wanderer.  Die erste Begehung 2001 litt darunter, dass am Vorabend in einer Bar in der Dresdner Neustadt der legendäre Single Malt Lagavulin für nur 6,50 DM ausgeschenkt wurde - so entstanden dann 16 Jahre später (hochnüchtern und mit besserem Equipment) folgende Fotos:  

Der Torbogen über der Semmeringbahn (2008) Brückenwiderlager der Schwarzbachtalbahn Große Sebnitz-Bogenbrücke, für Wanderer (1Geländer)
Annäherung zum... ...1.Tunnel (Südportal) und... ...Nordportal
Vergewisserung des Ortes, evtl. ein Holzabfuhr-Hp ? Schon sind wir am 2. Tunnel,... ...ebenfalls das Süd- 
...und Nordportal (je 2017) Brückle über den Schwarzbach und... ....deutlicher Einschnitt nahe....
...Lohsdorf, Baubeginn Museumsbetrieb (je 2008)  ...2017 bereits fortgeschritten und mit... ...einer Gleisstrecke

Auch die Reste um den Endpunkt Hohnstein werden wir noch mal besuchen, wollen aber als allerletzten Zwischenhalt vor Dresden die alte zweigleisige Hauptbahn Kamenz - Pirna "mitnehmen" (1875 eröffnet), welche im Abschnitt Arnsdorf - Dürrröhrsdorf   seit 2007 stillgelegt ist, netterweise hier mit dem Viadukt Dittersbach aber ein Top-Relikt zu bieten hat: 

Viadukt über die Wesenitz 2014 natürlich nur ein Gleis - hier ist seit 1924 "Nebenbahn" Blick ins Tal
Ein Feldweg schon ohne Geländer unten kein Zug mehr ...aber die Trasse noch erhalten (je 2014)


Klingeling, Gong, endlich: Dresden
.  Bestückt mit einer renommierten Technischen Universität (groß also im Verkehrswesen), sowie einem bemerkenswerten Verkehrsmuseum, sind so manche Relikte den Weg alles Irdischen gegangen:  die Jahrhundertflut 2002 etwa führte zum Abriss der berühmten langen Flutrinnenbogenbrücke (Industriebahn Kadisch - Übigau) - hier waren wir zu spät. 
Wir begnügen uns mit einem Rest alte Reichs- / Fernstraße 6, die bei Briesnitz noch "alte Zeiten" erschnuppern lässt:

Kopfsteinpflaster, es fehlt nur ein Trabant  Teils schon renaturiert, Blick Nord (je 2017)

Ein Höhepunkt ganz sicher:  die Windbergbahn.  Aus einer Kohlebahn hervorgegangen, als eine der ersten europäischen Gebirgsbahnen gerühmt, nach Niedergang der Gruben als Panoramabahn für die nahen Städter in beliebter Verwendung, zu DDR-Zeiten noch "hälftig" als Industrieanschluss genutzt, jedoch schon seit den 1970ern als Technikdenkmal erkannt, gewürdigt und nunmehr museal erschlossen.
Kurz:  Freital-Potschappel - Possendorf, 1857 bis Hänichen eröffnet, 1908 bis Possendorf verlängert, stillgelegt oberhalb Kleinnaundorf 1951; Restgüterverkehr bis Gittersee bis 1993.   Erster Besuch des Autors 2001.  Museumsbetrieb auf Abschnitten seit 2012.  

Hänichen Goldene Höhe Hier eine alte Brücke
"Am alten Bahnhof" Trasse war schmal, bot Aussicht
Am berühmten Myriameterstein Myriade = 10.000m Dresden-Gittersee, man kann museales vorahnen (je 2001)

Jetzt sind wir schon südlich Dredens und bleiben auch gleich "im Respektabstand" zum Erzgebirge (sonst würden wir ja Relikte dorthin "schieben"), erreichen also (über die A4) Hainichen.  Hier wurde 2008 gleich zweimal ein Päuschen eingelegt, um die Bahn im Striegistal aufzusuchen.  Als Nebenbahn im Zuge Roßwein - Niederwiesa hier 1874 eröffnet, war Ende im Pv 1998, Stillegung 2001.

Hainichen, Güterabfertigung Streckenende 2008.

Im Striegistal gab es 2008 die mächtige Ruine der Lohmühle zu sehen, dazu die alte Trasse.  2015 war um Berbersdorf (neben alten Anschlussgleisen zu Steinbrüchen) auch "musealer Aufbau" zu verzeichnen; Schienen waren demontiert, lagen aber noch im Bereich besagten Anschlusses:

Trasse bei der Lohmühle Ein Durchlass und... ...eine der vielen Striegis-Brücken (je 2008)
Kurz vor... ...Berbersdorf.  Hier ein kleines... ....Bahnmuseum
Nördlich gleich zwei große Brücken über... ...die Striegis, besser... ...nicht betreten (je 2015)

 

Springen wir mal ganz weit gen Osten, Richtung Lausitzer Bergland.  Gut erreichbar über die A4 (die uns diesmal ganz schnell an Dresden vorbeiführt - sie erlaubt ohnehin (abseits der Pendlerzeiten) unfassbare Durchschnittsgeschwindigkeiten):

Löbau - Radibor,  ex KBS 160d, DR 243
Die gut 40km lange Nebenbahn, 1906 eröffnet und seit 1972 sukzessive stillgelegt, hat bis heute großartige Relikte vorzuweisen:  am markantesten sicher der große Viadukt bei der Wuischker Mühle (Halbruine), daneben mächtige Dämme und eine Vielzahl verschiedenster Brücken und Unterführungen.  Kleiner Appetithappen um Weißenberg (2004):

Zugang zu Bahntrassenpfad Damm und Viadukt Wuischke
Gut begehbar, unten ruinöse Mühlengebäude
Am Ortsrand von Wuischke eine Straßenunterführung... ...nur ein Holzbohlenpfad, aber mit Zusatzgeländer

 

Görlitzer Kreisbahn  (ex KBS 157m, DR 242, 223)
Diese scheinbar provinzielle Nebenbahn, die das Königshainer Gebirge an die Stadt Görlitz band, hier erst 1993 ihren Personenverkehr verlor, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als hochinteressante Bahn:  zwischen 1905 und 1913 eröffnet, bis 1936 mit 1700m Zahnradstrecke versehen, dazu Verknüpfung der Staaten Preußen (Lausitz) und Sachsen!  Die zahlreichen Steinbrüche und die rege Landwirtschaft sicherten der von Lenz erbauten und betriebenen Privatbahn gute Einnahmen, obwohl eine Reihe bemerkenswerter Bauwerke (Fluss- und Straßenbrücken, Einschnitte) geschaffen werden mussten.  Nach der Verstaatlichung 1948 ging auch diese Strecke den Gang vieler anderer; der Niedergang gipfelte in der Einstellung des Personenverkehrs auf dem Westast Weißenberg - Königshain 1972 und dem Gleisabbau 1974.  Der Ostast, der eine Vielzahl von Anschlussgleisen aufwies, verlor große Teile des Güterverkehrs als immer mehr Steinbrüche stillgelegt wurden; zuletzt gab es sporadischen Übergabeverkehr bis Ebersbach, offizielle Stilllegung Ende 1997.
Im Bahnhofsbereich Königshain-Hochstein erfreut heute eine Freiluftmodellbahn, die instruktiven Zeugnisse der Steinbruch- und Abfuhrgeschichte, etwas Rollmaterial (ebenso in Ebersbach) - vielleicht gelingt ja eine kleine Museumsbahn...

Freistaatliches Wetter westlich Ebersbach Königshain-Hochstein:  Steinladerampe mit Gleisresten

Die umfangreichen Steinbrüche im Königshainer Gebirge / Hochstein sind zwar stillgelegt, können aber mit hochinteressantem Freilichtmuseum samt informativer Tafeln z.B. zu den Bremsbahnen (Schienen noch im Waldboden!) aufwarten;  die scheinbaren Kraterseen mit Felswandumrahmung sind hier - ganz im Gegensatz zu vergleichbaren Orten im Siebengebirge - noch Badeseen und nicht Naturschutzgebiet.
Es ist ohnehin Legende, dass der Mensch grundsätzlich und immer die Natur stört...

2004: Steinbruchmuseum:  Loren- und Schuppendenkmäler Gleisrest in See...
Königshain-Hochstein, der Bahnhof 2014 Informative Tafeln Eine Grubenbahnlok

Westlich der langjährigen Endhaltestelle Königshain-Hochstein ist die alte Trasse teils in Wiesen unsichtbar aufgegangen, teils ein birkengesäumter Wirtschaftsweg; nahe Maltitz wünschte man sich eine deutlichere Spurenlage zu den sich einst hier vereinigenden Strecken von Görlitz bzw. Löbau:

Naturstein-Widerlager der Brücke Hilbersdorf
Trasse teils Wirtschaftsweg, teils abgegangen
Maltitz: links kam die Strecke von Löbau heran (Einschnitt)
hier ex-BÜ der Görlitzer Strecke, diese hier kleiner Damm
Bahnhofsgebäude Weißenberg (Gleisseite Löbauer Bahn)
Uhr und verbleichende Schriften

Die Situation im einstigen Eisenbahnknoten Weißenberg (im Rücken des Fotos gab es einst sechs Gleise; die Görlitzer Strecke endete jenseits der Bahnhofsstraße im eigenen Bahnsteig) ist trostlos zu nennen:  freie Flächen sind nun überdimensionaler Stadtbauhof oder Garagenkomplex...

 

Literatur:
W.Rettig "Die Görlitzer Kreisbahn" in Streckenarchiv Deutsche Eisenbahnen EK-Verlag
Matthias Hengst "Die früheren sächsischen Schmalspurbahnen nördlich der Elbe", Egglham 1996
Jürgen Schubert "Die Windbergbahn", Ostberlin 1982

Besuche:  2001, 2004, 2008, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018...

 

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