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Das Rheinisch-Westfälische
Industrierevier
Tunnel und Viadukte satt
Der Pott mit seinen bekannten Flüssen
Ruhr, Emscher, Lippe und Wupper, hat eine sehr ungleichmäßige
Entwicklungsgeschichte hinter sich; seine Heterogenität lässt sich heute an
jeden Ecken und Enden ablesen: Pferdegehöfte mitsamt unberührter Koppeln
liegen neben Gaskugeln und Hochhäusern, die Nachbarschaft durchzogen von einem
Wust von Verkehrswegen, garniert vielleicht von Industriebrachen, alten Halden
und Reihenhaussiedlungen. In alledem natürlich eine unüberschaubare
Vielfalt an Eisenbahnstrecken, deren aktuelles Gesamtausmaß keine Institution
überblicken dürfte da neben den großen DB und EH kleinere Werks- und
Grubenbahnen sowie kleine und riesige Regionalverkehrsbetriebe munter in die
Landschaft bauen mussten.
Nachdem mit der Route der Industriekultur ein starker Beginn der musealen
Industriegeschichtserinnerung gelang, möchte vielleicht mancher Ruhrtourist
daneben unbekanntere eisenbahnliche Relikte aufsuchen; angesichts der Fülle
können folgende Beispiele nicht mehr als einen subjektiven kleinen Anstoß
geben:
Ein guter ergiebiger Beginn kann in
Wuppertal gelingen - dieser Städtebund liegt innerhalb steiler Berge (die auch
einen seltenen O-Bus-Betrieb zweckmäßig machten) und hat eine stillgelegte
Linie (Mettmann - W-Wichlingshausen) zu bieten, die von Tunneln über Viadukte
verlassene Bahnhöfe zu bieten hat; am Ostportal des Tesch-Tunnel kann
sehr gut oben beschriebene Landschaftsvielfalt studiert werden.
Wenig östlich können um Schwelm / Gevelsberg sehr sehenswerte Tunnelportale
besucht werden; aufbereitete Bahngeschichte lässt sich um Dahlhausen,
Hattingen, demnächst an der Essener Zeche Zollverein erleben.
Querbahn (...-) Mettmann
- Wuppertal-Wichlinghausen - Gevelsberg West (-...) (ex KBS
434)
Der interessante Zwischenabschnitt,
ohne Personenplanverkehr seit 1991 und stillgelegt 1999, ist auch unter den
Namen Rheinische Strecke oder Wuppertaler Nordbahn bekannt; tatsächlich
schlängelt sich die einst zweigleisige "Konkurrenzbahn" durch die
nördlichen Stadtteile der früher selbständigen Wupperorte; ihr
Eröffnungsjahr 1879 beschert uns bis heute ästhetisch wertvolle Architektur,
voran die mächtigen, abwechslungsreich gestalteten Tunnelportale:
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| Tesch-Tunnel, Ostportal 1994 |
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Dorp-Tunnel, ebenfalls von Osten,
2002 |
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| Dorrenberg-Tunnel, von Westen... |
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...und von Osten 2002 |
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| Engelnberg-Tunnel Westportal
sowie... |
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...auch hier von Osten, 2002 |
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| Rott-Tunnel, Ostportal 2002 |
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Fatloh-Tunnel, auch von Osten, 2002 |
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Fast parallel zur rege befahrenen S-Bahn-Linie
(...Schwelm-Gevelsberg...) und deren Linderhauser Tunnel ist der Schwelmer
Tunnel von ausgesuchter Schönheit - man übersehe gnädig ihre jeweilige
größere Nähe zum anderen Ortsnamenspaten:
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| Schwelmer Tunnel Südportal 1993 |
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Auf dem Weg nach Norden begegnet uns die alte
Strecke Gevelsberg - Hattingen (ex KBS
228c), auf der Personenverkehr bis 1979 stattfand und die 1983 stillgelegt
worden war - sie ist seit Jahrzehnten als Radweg vorgesehen, dennoch waren über
diese Zeiten ständige Wüstungsfotos möglich; Krönung einmal mehr zwei
sehenswerte Tunnel:
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| Klosterholz-Tunnel, Südportal
1993... |
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...und Silscheder, von Süden,
zeitgleich |
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Zugabe Wuppertal
Im Stadtteil Oberbarmen gibt es den berühmten
Dreitunnelblick; es streben die Strecken nach Remscheid und Radevormwald (nurmehr
teilweise Museumsverkehr) nach Süden, und es gab eine Streckenverknüpfung
Süd-Nord (Rauenthal - Wichlinghausen / Bw / Containerbf); der Langenfelder
Tunnel als östlichster und ermöglichender letztgenannter ist stillgelegt, was
dem mittleren trotz beklagenswertem Zustand (und zeitweiser Sperrung) erspart
blieb:
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| Rauenthaler und Langenfelder Tunnel
2007 |
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Eine Verbindungsstrecke windet sich zum Bhf
Wichlinghausen, nicht ohne ebenfalls einen Tunnel benötigt zu haben; 2007 in
fortschreitender Verwucherung:
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| Trasse kurz vor dem... |
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...Westportal Wichlinghauser Tunnel
2007 |
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Vom einst wichtigen Bahnhof
Wuppertal-Wichlinghausen (Nordbahn Richtung Schwelm Nord / Schwelmer Tunnel /
Gevelsberg West, s.o.) ging zwischen 1884 und 1979 Personenverkehr nach
Hattingen (KBS 230b); diese eingleisige Bahn, lange Zeit für den Güterverkehr
wichtig, ist nördlich Schee (Trennungsbahnhof) seit 1984 stillgelegt und heute
Radweg; der südliche Ast bis Schee verlor seinen letzten Güterverkehr 1992. Da
von Schee eine Stichstrecke nach Hiddinghausen abging (Pv 1889-1951), die Gruben
anschloss, war der Trennungsbahnhof Schee kontinuierlich vergrößert worden,
musste sogar ein zweiter Tunnel parallel "nachgebaut" werden - beide
unterfahren u.a. die A46. Fotoeindrücke über die Jahre:
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| SCHEE-TUNNEL (Inschrift), noch mit
Gleis SP 1993 |
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beide (1902 1884) von Norden |
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Trennung in Schee
Nördlich des oben vorgestellten, berühmten und
seltenen Doppeltunnel, kam es am eher einsam gelegenen Bahnhof Schee zur
Abtrennung der Grubenbahn Richtung Haßlinghausen / Rennebaum (sowie sogar
weiter zu Zechen bei Silschede, Überquerung der Nord-Süd-Bahn über dem
Silscheder Tunnel -s.o.- ) - heute ist das einstige Bahnhofsgelände idealer
Einstieg zu den hier beginnenden Radwegen, welche am Weiler Quellenburg die
Höhentrennung beispielhaft nacherleben lässt:
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| Schee, einst
geschäftiger Abzweigbahnhof... |
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...nurmehr
"Eisenbahnstraße" und breite Brücke... |
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...und
Radwegtrennung ! |
Einschub: Relikt der abgehenden Kleinbahn
Bossel-Blankenstein: Tunnel an der Kleinen Windmühle
Tunnel
ist weltweit bekanntgeworden durch eine mysteriöse Wanderung mit
Todesfolge ("Zuhause ist es am wenigsten schön") in einer Wochenendbeilage einer großen süddeutschen
Zeitung...
Ankunft in Hattingen - heute ist die Trasse
fast komplett mit dem Rad zu erkunden (viele Brückchen und Durchlässe); der
Schulenburgtunnel dagegen beherbergte 1993 nur eine Gasleitung:
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| Unter der Schulenburg, Südportal |
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Fast identisches Nordportal, mehr
Beton |
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Tour de Ruhr melancholisch
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Dies ist:
Deutschland
dies ist: eine Großstadt
hier fährt: kein Zug mehr |
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ebenso,
kaum 10km südlicher |
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Zugegeben, ein R230 im mild-goldenen
Morgenlicht vor dem Zechenturm gibt ein besseres Bild ab, wir aber bleiben
prosaischer:
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| Zeche Zollverein
Essen, mit Pionierbäumen Typ Birke |
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Waggon- und
Stellwerksruine, ein Top-Drehort (2002) |
Tour de Ruhr romantisch
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| Köf-Mahnmal, Relikt hinten alte
Rheinhausener Brücke |
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Lok-Denkmal, Hohenlimburger
Kleinbahn |
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Diese Kleinbahn, Schienenreste
(2004) |
Berühmt die kleine Museumsbahn im Hespertal
(tatsächlich am Ruhrstausee entlangführend), Rest der früher bedeutenden
Grubenabfuhrbahn(en). Unweit Haus Scheppen (Yachthafen in
teilversunkenem Schloss!) erinnert ein mächtiger Grabendurchlass an die
ansonsten nahezu vollständig eingeebnete Trasse gen Süden ins Hespertal;
hier noch winzige Spuren eines Tunnel bei Oberhesper, ähnlicher an der
Hefel leider verschwunden:
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| Nach dem Museumsbahn-Endpunkt... |
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...und bei Oberhesper winziger
Tunnelrest |
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Werkskanaltrasse, ebenfalls ein
Relikt im Tal |
Bochum - nunmehr mittels Monographie
gewürdigte Bergbau-Bahnstadt, reizvoll im Ortsteil Hohwege: neben
typischen Bergbauarbeiterhäusern offensichtlich unberührte Natur
(tatsächlich vielfach wieder bewachsene Industriegelände) mit netten
Pferdekoppeln und im Laubwald eine "Radwegtrennung", aber nur
fast, geradeaus gehts nach Osten (alter Strecke Dahlhausen - Wiemelhausen),
rechts gings zu den Zechen Friedlicher Nachbar über die Baaker Mulde; der
erforderliche eher unbekannte Anschlussbahntunnel ist am Nordportal
überschüttet ("Ponyschutz") während am Südportal eine wirklich
romantische Bahnwüstung vorgefunden werden kann (je 2007):
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| Links nach BO-Weitmar /
Wiemelhausen, rechts... |
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...einst durch diesen Berg zu den
Zechen... |
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...u.a. "Baaker Mulde",
Inschrift "1894" |
Tour de Ruhr methodisch
Will man das Ruhrgebiet reliktisch auch nur
ansatzweise erfassen, so muss man sich einer Methodik bedienen; diese
könnte in der Eisenbahngesellschaft, dem zu betrachtenden (Stadt-)Kreis,
einer Bauwerkart (Grubenbahn, Verbindungskurven) oder anderem zu finden
sein. Wie fast nirgendwo anders ist hier ein "Eingeborener",
mindestens ein lange Einheimischer der Richtige, diesen ergiebigen und
faszinierenden Raum zu "sichern"; das Verkehrsrelikte-Team
versucht zumindest einmal jährlich diese auch mit anderen Zielen (Kultur,
Messe, Sport) gesegnete "Landschaft" (viel attraktiver als
gemeinhin angenommen) aufzusuchen.
Auffälligste Bahnrelikte heute sind
natürlich große Brücken / Viadukte; vier Beispiele seien zunächst
herausgestellt:
6°55'52" O
51°20'50" N - Heiligenhaus-Laupendahl - Rinderbachtalbrücke
- Ex KBS 228e Kettwig - Wülfrath
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| Ein wunderschöner Viadukt nahe
Schloß Hugenpoet |
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Hier (noch?) kein Weg (2007) |
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7° 4' 28" O
51°23'32" N - Essen-Kupferdreh / -Heisingen - Baldeneyseebrücke
- Ex KBS 230a Werden - Kupferdreh
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| Unten Megaverkehr mit
Sport-Ruderbooten |
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Oben Radler,Skater,Flaneure und
Vesperer |
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7° 7' 27" O
51°25'50" N - E-Burgaltendorf / BO-Dahlhausen
- Ruhrbrücke - Ex KBS 232e
Heißen - Dahlhausen
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| An der Ruhr - Picnicwiesen nahe des
Eisenbahnmuseum |
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7°20'18" O
51°24' 2" N - Wetter-Wengern - Elbscheviadukt
- Ex KBS 228m Schwelm - Bommern-Höhe
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| Wunderschöner klassischer
Talviadukt |
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Verbrettert, leicht verwachsen,
polizeibewacht (2008) |
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7°24'22" O
51°18' 1" N - Hagen - Plessenviadukt
- Ehem.Hasperbachtalbahn Haspe - Voerde
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| Der Viadukt in einer U-Kurve |
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km-Stein 8 noch an Wanderweg
vorhanden |
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Geographische Koordinaten GPS / WGS84.
Dank für Bilder an Peter Schöler und Ansgar Rahmacher.
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