Das Bergische Land.


Vor den Toren der pulsierenden Ballungsräume RheinRuhr und KölnLeverkusen liegt ein größeres Mittelgebirge, dessen räumliche Abgrenzung außer im Westen zur Kölner Bucht nicht einfach ist: so gehört offenbar Wuppertal, ja Velbert dazu während im Osten und Südosten ein fließender Übergang zum Ebbegebirge (Sauerland) und Rothaargebirge erfolgt.  Im Süden lässt sich das Tal der Sieg nehmen wo bereits erste Ausläufer des Westerwaldes grüßen.  Willkürlich aber günstig vereinfachend soll hier ein Gebiet angerissen werden welches von den Autobahnen A3, A1 und A45 begrenzt wird;  die zweifellos bergischen Städte Solingen und Wuppertal (mit ihrer großen Straßenbahnhistorie) wurden bereits in der Kategorie "Ruhrgebiet" angesprochen.

Trotzdem verbleiben genügend "Eisenbahnerorte" wie Bergisch Born, Dieringhausen und Marienheide, von der Vielzahl hier interessierender aufgegebener Strecken ganz zu schweigen.  Bei der Betrachtung des Bergischen Landes fällt einerseits dessen sanft-hügelige, nicht zu dunkel-waldige Mittelgebirgsvielfalt (Laubwälder, Trinkwassertalsperren) auf aber auch die vergleichsweise sehr dichte Besiedlung mit mittelgroßen Orten (und kuriosen Verwaltungseinheiten "Reichshof" - das Wort Gemeinde passt hier ganz sicher nicht) samt der in den letzten Jahrzehnten dadurch nötigen großen Straßendichte, die gekrönt wird mit der Transitachse BAB4 Köln-Olpe.

Während die Täler von Wupper, Volme, Agger und Sieg frühzeitig teilweise Hauptbahnen bekamen, kämpften auf dem "Lande" die Städte und Gemeiden -wie eigentlich überall in Deutschland- lange Zeit um ihren Bahnanschluss.  Exemplarisch im Gebiet der ehemaligen Direktion Wuppertal dann die 1970er und 1980er Jahre:  Einstellung des Personenverkehrs, Rückgang des Güterverkehrs, Vernachlässigung der Anlagen, Stillegung... - doch halt, eine Strecke wurde Ende der 1980er eine Art Pilotstrecke:  Köln - Gummersbach wurde zum Muster der Produktneuheit CityBahn, mit Cafétéria an Bord und Taktfahrplan, wofür Silberlinge und 218-Dieselloks in orange/grau modernisiert wurden.  Heute steht hier die Verlängerung sprich Wiederaufnahme des Personenverkehrs nach Marienheide bevor - nach der zwischenzeitlichen türkis/grauen Nahverkehrsfarbzeit in DB-Ganzrot...

Ein genauer Blick in die topographischen Karten zeigt eine durchaus "eisenbahnreliktdurchsetzte" Region, die, wie es sich für ein ordentliches deutsches Mittelgebirge gehört, eine Reihe stillgelegter Tunnel zu bieten hat; Brücken dagegen, die besonders in den Talstrecken neben den kilometerlangen Dämmen die Karten zieren, werden häufig der Straßenverbreiterung zuliebe peu-à-peu abgetragen.  Noch ist die Umarbeitung der Trassen zu Radwegen hier nicht so recht in Schwung gekommen; im Südosten Richtung Wildenburgisches Ländchen / Siegerland ist aber das Gebiet um Klein Tirol (Hohenhainer Tunnel, alte Strecke Freudenberg-Olpe) mit dem gutausgestatteten Asdorftalbahnradweg um diese Attraktion reicher.

Karte zu Kursbuch 1944 - Streckenhistorie:

(Teil-) Strecke Eröffnung Pv bis Stillgelegt Relikte / Besonderheiten
Hagen - Brügge 1874 KBS434 - Volmetalbahn: 2.Gleis stillgel.
Brügge - Oberbrügge 1891 1986 Gv  
Oberbrügge - Meinerzhagen 1893 1986 Gv Planung Reaktivierung
Meinerzhagen - Marienheide 1893 1986 (Gv bis 1996) Planung Reaktivierung, in Bau
Wuppertal - Kräwinklerbrücke 1886/88/90 1979 (1990) bis Beyenburg Museumsbetr.
Kräwinklerbrücke - Krebsöge 1886 1979 1990  
Krebsöge - Radevormwald 1889 1975 1980  
Radevormwald - Anschlag 1910 1964 1968  
Oberbrügge - Halver 1910 1964 1995 In teilw.Reaktivierung !
Halver - Anschlag 1910 1964 1968  
Anschlag - Wipperfürth 1910 1960 1960  
Lennep - Krebsöge 1886 1954 1956  
Wuppertal - Lennep 1868 KBS458    
Lennep - Berg.Born 1876 1986 1997  
Berg.Born - Wermelskirchen 1876 1983 1997  
Berg.Born - Wipperfürth 1876/77 1986 1997  
Wipperfürth - Marienheide 1902 1985 1985  

Kleiner Streifzug:

ex KBS 228n (Wuppertal-) Krebsöge - Oberbrügge

Die einst günstige Verbindung zwischen Wuppertal und Lüdenscheid erleidet verschiedenste Schicksale:

der untere Bereich im Wuppertal um Beyenburg (mit kleinem schönen Tunnel) als Museumsbahn
sowie endend beim alten Bahnhof Wilhelmsthal mit verlassenen Güterwaggons:

Der Beyenburger Tunnel (60m), hier das Ostportal 2007, ist einer der wenigen
mit Namensschild und Museumsbahnbetrieb.

der weitere Bereich um Kräwinklerbrücke / Krebsöge in der Wuppertalsperre untergegangen - nicht ohne Remanenz:

Im Rekordsommer 2003 leergetrockneter
alter Bahneinschnitt nahe Krebsöge
Diese Trassenwüstung am Westhang der Wuppertalsperre wird nie überflutet
(Bilder: Björn Goessler)

die "bergische Höhenrückenüberwindung" zwischen Radevormwald und Halver als klassische stillgelegte Trasse mit Dämmen (um den Hischberg) Einschnitten (Wald bei Dornbach) und Brücken (Altendorf, Anschlag), letztere nun häufig beseitigt; bei Anschlag gab es einst sogar die aus Wipperfürth einmündende Nebenstrecke:

Markanter Damm bei Hohenplanken - links von
Radevormwald, rechts nach Anschlag
Abzweig Anschlag: links nach Wipperfürth,
rechter Weg ist Trasse von Radevormwald
Der bereits deutlich umgebaute Bahnhof von
Anschlag (je 2007)

sowie im östlichen Ende Halver-Oberbrügge als gering genutzte Güterzugstrecke mit dem Tunnel bei Sticht:

Weites, wüstes Gelände Bhf Halver 2007

Sticht-Tunnel 1993


ex KBS 240m Bergisch Born - Marienheide

Typische Nebenbahn mit einigen Besonderheiten: 

Bergisch Born, hier bis vor kurzem die L80 !! Unglaublich, diese zwei engen Unterführungen -  oben ex Hilgen - Berg.Born (km 17,8), daneben...
...etwas tiefer Berg.Born - Wipperfürth (je 2007) Winterhagen B237, nun beseitigt... Wiehagen, klassisch wüst, Waldwegbrückle (je 03)
Höhsieper Tunnel vor Stillegung Detail 2003 und... ...2007, anderes Portal fast völlig verschüttet
Richtung Wiehagen guter Trassenzustand (2007) Gogarten, teilweise gleislos (2003)
Krommenohler Tunnel vor Vergitterung... ...gelegen direkt neben der Landstraße (1993)

Bilder (7): Björn Goessler 2003

ex KBS 240 (Köln-) Dieringhausen - Olpe

Die kürzeste Verbindung zwischen Köln und Olpe (siehe A4!) ist nun unterbrochen: während der westliche Abschnitt bis Dieringhausen als Aggertalbahn und Nahverkehrsmusterstrecke Köln-Gummersbach gedeiht wie nie, findet sich im landschaftlich reizvollen östlichen Bereich an der Wasserscheide bei Wegeringhausen ein größerer Tunnel:

West- und Ostportal Wegeringhäuser Tunnel 1993


ex KBS 240d (Köln-Mülheim-) Bergisch Gladbach - Rösrath - Hoffnungsthal - Lindlar

Diese Köln-Umgehungsstrecke kreuzte die A4 bei Bensberg; der weitere geschwungene Trassenverlauf durch den Königsforst ist als Wald- und Wanderweg gut erhalten.  Nach kurzer gemeinsamer Führung mit der Aggertalbahn (Köln-Gummersbach) bei Rösrath / Vierkotten folgte die Bahnlinie dem Tal der Sülz, wobei die topographischen Wanderkarten von 1983 und 1998 nicht nur offenbar mächtige Dämme sondern auch eine Reihe alter Bahnbrücken (Immekeppel, Mittelsteeg, Welzen, Hommerich, Linde) und Wegüberführungen zeigen.
Neben vielen Kunstbauten (manche nur teilweise erhalten) finden sich an einigen Stellen sogar noch Schienen; am nun privaten Bahnhof Linde sind mit einem Dampfross und einem Einfahrsignal nette Erinnerungsstücke bewahrt.  Man vergesse nicht, dass hier, zwischen Bensberg und Lindlar, bereits im Oktober 1960 der letzte Personenzug verkehrt war!

Großer Viadukt bei Bruch Halbe Brückenruine bei Bilstein
Linde: Unterführung, Lokdenkmal Signal  (!)

Bilder (5):  Stefan Pinner

 

Im Oberbergischen Land wurde die Wiehltalbahn (Osberghausen - Waldbröl, ex KBS 240c) Anfang 2003 unter Denkmalschutz gestellt (Ziel der Wiederinbetriebnahme; Gemeinden hatten eigenmächtig und rechtswidrig mit dem Teilabbau begonnen!); über das Schicksal der einstigen Verbindung zum Siegtal über Morsbach (Spitzkehre, ex KBS 240n) ist außer der typischen Verwilderung (Zielenbacher Bachtal), Beseitigung (Tunnel bei Niederstenhof) und idyllischen Bachbrückchen (Wisserbachtal) nichts näheres bekannt.  Die in Karten noch verzeichneten Pfeiler in der Sieg in Wissen sind verschwunden, nur ein Dammrest zeugt hier von Eisenbahnzeiten.  Eine Straßenbrücke über dem Einschitt der Trasse Richtung Norden ist zu einer Werkszufahrtunterführung umgebaut worden.  Man beachte hier ebenso die Reste der einstigen Industriebahn Brückhöfe oder die alte Siegbrücke der Landstraße.

Kömpeler Tunnel 1993 km 2,8 bei Kömpel, Ladestelle im Wald Niederstenhof, Stelle alter Tunnel
Alte massive Stahlbrücke nun Waldwegzufahrt Ehemaliger Einschnitt nun Umspannwerkzufahrt
Industriebahnbrückenwiderlager Wissen

Die Reliktlage der Schmalspurbahnen um das Homburger Ländchen
- Kleinbahn Bielstein - Waldbröl (1000mm): Einschnitte bei Elsenroth / Haarmann-Viadukt Nümbrecht abgetragen oder
- Bröltalbahn Hennef - Waldbröl RSE (785mm)
scheint nicht zuletzt aufgrund der häufigen Trassenlage im Straßenplanum eher bescheiden zu sein.

 

Linktipp:
Die Eisenbahnstrecken des Bergischen Landes im Nordwesten / Zentralteil behandelt Uli Schuberts Homepage.

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