Ostseeregion.

Das flache, dennoch überraschend abwechslungsreiche Land zwischen Trave- und Swinemünde zeichnet sich durch eine Abwesenheit größerer Industrie aus;  die insgesamt für Deutschland extrem dünne Besiedlung erübrigte in den letzten Jahren eine Reihe von Bahnstrecken, die für lange Zeit Betätigungsfeld der Standarddieselloks 110 und 112 (seit 1992 BR202 bzw. 204) gewesen sind:  Velgast - Tribsees (bis 1995), Teterow - Gnoien, Malchin - Dargun (je 1996) oder Güstrow - Karow - Meyenburg (1999/2000) sind solche Beispiele, über die vielen ehemaligen Klein- und Schmalspurbahnen müssen schon keine Worte mehr verloren werden.  Das Ende mag zwar bedauert werden, volkswirtschaftlich gesehen macht aber eine Autobahn A20 weit mehr Sinn.
Umso schöner dass es auch anders geht:  nach Binz auf Rügen findet immerhin ein Intercity, die Usedomer Bäderbahn mit ihrer neuen Wolgaster Gemeinschaftsbrücke fährt von Erfolg zu Erfolg und auch der Molli, dieses Schmalspurbähnle um Bad Doberan vermag mit Dampf-Stundentakt Dienst für Pendler zu verrichten;  bemerkenswert die aufgekommenen Diskussionen um einen eventuellen Wiederaufbau der Darssbahn (Barth - Prerow).

 

Kleiner Streifzug:

Ob Rostock (Gelände Friedrich-Franz-Bahnhof) oder Sassnitz (Rügen / alter Fährbahnhof) - Begrasung in ähnlichem Stil (je 1999)

Rechts oben die Steilstrecke Bhf - Fährhafen
Meiningenbrücke (Tage gezählt?!) - einst Darssbahn mitaufnehmend;  Beginn des Bahndammradwegs Richtung Prerow
unrealistisches Signalbild bei Bresewitz Ri. Prerow...  ..."Kunst auf Schienen" - der alte Bahnhof  (je 2002)

 

Erste Details folgender ehemaliger Strecken:
Länge  [KBS 1944]  (KBS 1972)  letzte KBS  Gründungsgesellschaft  Eröffnung - Ende Pv (Einstellung Gv bzw Stilllegung)
Reliktlage aufgrund Karteneintragungen 1975/78; noch zu verifizieren, Hinweise willkommen.

Zufahrt Rostock Stadthafen
Der alte Rostocker Stadthafen liegt nördlich des Zentrums an der Unterwarnow. Yachthafen und Umbau der Speicher zu modischen Büros ist die Situation um die Jahrtausendwende. Der Gleisanschluss erfolgte über den Friedrich-Franz-Bahnhof (den ersten Bahnhof der Hansestadt von 1850), der nach Errichtung des Central-, heute Hauptbahnhofs noch jahrzehntelang als Güterbahnhof fungierte (Personenverkehrsbetrieb nur bis 1905), seit 1997 sukzessive stillgelegt und beräumt wird.  1994 hatte für wenige Tage S-Bahn-Probeverkehr (Warnemünde - Hbf - Gbf) stattgefunden; der alte Gbf liegt etwas zentraler als der abseitige Hbf.
Anstelle von Güterstraßengleisen sieht die Grubenstraße nun einen rührenden, aber ansehnlichen Versuch mittels Straßenwasserkunst die Bächlestadt Freiburg im Breisgau zu übertrumpfen...  Immerhin erinnert so der Mittelgraben etwas an das früher hier halbtief liegende Gleis, welches Querstraßen mittels Klappbrücken kreuzen mussten !

2004: Rest der Ostkurve mit Oberleitungsmasten

"Bahnanlage" des alten Güterbahnhofs

Gleisende Hafenzufahrt Grubenstraße

Fast verpasst hat der Autor die letzten Relikte der "Strandbahn", einer westlichen Hafenzufahrt, die zusammen mit oben gezeigter einen Ringverkehr erlaubt hatte.  Der Neubau eines Straßenringschlusses samt Stadtbahn um das Kröpeliner Tor vernichtete hier das einstige Bahnensemble, wenn auch diese Verkehrszeiten lange lange vorbei sind.  Die Unterführungen am Schröderplatz erlauben mit den eingravierten Zeitdaten eine Ermittlung einzelner Umbauschritte (je 2007):

Alte Strandbahntrasse, Unterf. Vögenteichstraße weg Erbaut 1888, saniert 2003: Unterf. Schröderstraße

 

Rövershagen - Graal-Müritz
10,1km  [121f]  (951)  166  Mecklenburgische Bäderbahn  1925 - 2000

Rövershagen: Weichenrest und grasloser Pfad Ehem. Hp Georg-Schneise
Hp Schwanenberg Endbahnhof Graal-Müritz: privat

Die überaus reizvoll durch die wunderbaren Wälder der Rostocker Heide führende Stichstrecke zum Ostseeheilbad Graal mit seinem makellosen Ostseestrand wurde 2000 letztmals planmäßig befahren und wucherte gemächlich vor sich hin.  In Rövershagen deuten große beräumte Betonflächen auf frühere militärische Ladebereiche hin.  Nach der im Herbst 2004 stattgefundenen umfangreichen Aufarbeitung der Strecke findet seit Dezember 2004 wieder Regionalbahnverkehr innerhalb des Warnow-Verkehrsverbundes statt.

 

Teterow - Gnoien
26,5km  [118f]  (932)  176  Teterow-Gnoiener Eisenbahn  1884 - 1996  (1997)

Gebäuderuine Alter Lokschuppen Empfangsgebäude

Große landwirtschftliche Geschäftigkeit am Endbahnhof (einst mit großer Feldbahn) verhinderte nicht das Ende der früheren Secundärbahn.  Das moderne Empfangsgebäude ist ein Bau von 1884, wesentlich umgebaut und erweitert 1936.  Weitere Gebäude, wie der Lokschuppen verfallen zusehends.
Ab HSt Dölitz gab es eine Anschlussbahn nach Grammow:  Damm bei Groß Nieköhr, Wegeinschnitt Samow.
Ebenso Dammreste eines Astes der Werkbahn Tessin um Stechow - Dalwitz - Stierow (750mm 1895-1963) sowie Recknitzbrücke bei Tessin.


 

Malchin - Dargun
24,7km  [119m]  (931)  177  M.F.F.E.  1907 - 1996  (2002)

Draisinengleise neben Empfangsgebäude Dargun

Die touristisch bedeutsame Schlossanlage Dargun (Halbruine, einst Kloster) konnte die Stilllegung nicht verhindern.  Fahrraddraisinenbetrieb und ein privat hervorragend renoviertes Endbahnhofsgebäude lohnen jeden Besuch.
Aktuell: 
im Bahnhof Neukalen befindet sich seit 3 Jahren das Eisenbahnmuseum-Neukalen. Eintritt frei - betrieben vom gemeinnützigen Verein "Eisenbahnmuseum-Neukalen e.V. .www.bahnhof-neukalen.de

Alte Waggons aus den 20iger und 30iger Jahren werden gerade restauriert und als Waggon-Hotel/Pension ausgebaut.

R: mehrere Brücken um Gorschendorf; Peenebrücke Neukalen.

 

Demmin - Tutow
13,7km  [-]  (-)  Werksbahn Flugpl Tutow  1935 - 1998

Zuwachsendes Gleis... ...und verfallender Lokschupppen Tutow

Der Siedlung Tutow sieht man ihren einstigen militärischen Hintergrund gut an.  Große tote Gleisanlagen und Waldstücke, die die Sicht auf den einstigen Militärflugplatz einschränken ergeben ein typisches ostdeutsches Nachwendeensemble.
R: Agl Siedenbrünzow Umspannwerk (ex BÜ B110), Durchlass Kuckucksgraben.

 

Greifswald - Jarmen
28,9km  [125b]  (-)  Greifswald-Jarmener Kleinbahn (750mm)  1897 - 1945

Widerlagerfundament Bahndamm nun Fahrstraße

Von der einstigen Drehbrücke über die Peene stehen nurmehr geringe Fundamentreste.  Dämme lassen sich gut verfolgen, sind teilweise von Plattenwegen "gekrönt".  Die nahe Peenetalquerung im Zuge der Ostseeautobahn verdeutlicht die Verkehrsverlagerung.

 

Ducherow - Swinemünde
37,7km  [122e]  (-)  1876 - 1945

Nahe Busow: Einleitung mit Damm und Widerlagern Brückenrest über Rosenhäger Beck
Berliner Damm neben Torfmoor... ...mit Baumruinen
Vorbrücke mit Ziegelmauerwerk Fundamentreste am Südufer des Großen Stroms
Die Hubbrückenruine Karnin

Die Bedeutung der einstigen Direktverbindung Berlin - Usedom - Swinemünde (zweigleisige Hauptbahn) wird an einigen Stellen deutlich:  bei Ducherow-Busow erfolgte eine kreuzungsfreie Ausfädelung aus der Stralsunder Hauptbahn (Damm und Brückenwiderlager vorhanden); Widerlager der Überbrückung des Rosenhäger Becks sind ebenso Zeitzeugen wie der großartige lange Damm entlang des städtischen Torfmoores. Das neue NSG mitsamt Betretungsverbot macht den mit original Schotter versehenem Damm zum letzten Kamp-Zuweg aus Richtung Süden (offiziell Radweg, bisweilen Anwohnerverkehr).

 

Hornstorf - Blankenberg (Meckl) - Karow (Meckl)
71,6km  [119d]  (784)  156  Wismar-Karower Eisenbahn  1887 - 1996/1998  (1999)

Die lange Diagonal-Sekundärbahn zum früheren Nebenbahnknoten Karow ist in Etappen stillgelegt worden. Ganz im Norden, nahe Neukloster, ist die neue Ostseeautobahn A20 schuld am Ende (Einsparung eines Kreuzungsbauwerks)

Neukloster - Bhf privat, BÜ noch original DDR Das vermauerte Befehlsstellwerk B1
Warin - Bahnhof mit Gleiswiese

Am früheren Hp Neumühler Forst im gleichnamigen reizvollen Mischwald gibt es Reste eines im Wald verschwindenden Anschlussgleises mit Ruine einer Betonweichenstellhütte; zugehörige Gebäude oder evtl Militärinfrastruktur sind gänzlich verschwunden.  Waldlichtungen erlauben erholsame Spaziergänge.

Die Strecke bei km 14 im Neumühler Forst Gleichnamiger Hp im Wald
mit Resten des geheimen Anschlussgleises

In Blankenberg (an der Hauptbahn Berlin - Rostock KBS100) wird diese überbrückt und in einen eigenen Bahnhofsteil (mit weiterem Empfangsgebäude) eingefahren.  2004 zeugten blanke Nebenbahngleise und leuchtende Signale von einem Restgüterverkehr Richtung Sternberg.

Blankenberg: hinten Nebenbahnbrücke und Wasserturm Vorne Nebenbahn-EG; hinten neuer Hp-Point

Alle Fotos von August 2004.

Schönberg (Meckl) - Dassow
8,4km  [118a]  (-)  M.F.F.E  1905 - 1951

Die Stichstrecke hatte zunächst lokale Bedeutung für die Abfuhr landwirtschaftlicher Güter, erreichte mit Bau eines Militärobjektes am Pötenitzer Wiek (Luftwaffen-Zeugamt) sowie der dadurch bedingten Verlängerung der Strecke bis 1938 einen kurzzeitigen Höhenflug.  Von diesem 1947 von den Sowjets gesprengten Objekt künden umfangreiche von Wald überwucherte Betonbunkertrümmer; auch die (zeitweise auch zivil mitgenutzte) Anschlussgleistrasse ist gut in der Landschaft auszumachen.  Nach Errichtung eines Rad/Wanderweges lassen sich überraschend viele Bahnrelikte bequem erreichen, da die sumpfige Stepenitzniederung zuvor nur erschwerten Zugang bot.  Klassische Wüstungen gibt es ebenso - während der Beginn der Trasse um Schönberg nun von der betriebenen KBS 150 Lübeck - Bad Kleinen belegt ist (einen Kilometer einstige Parallellage) ist der ältere Hauptbahndamm nurmehr Restgleis, teils von Baracken überbaut, teils völlig zugewuchert.  Toprelikt hier die uralte Brücke über die Maurine (1870!), direkt daneben nun auf alter Dassowbahnbrücke die verschwenkte heutige Bahn - der folgende Einschnitt durch neugebaute Umgehungsstraße vernichtet:

Uralte Maurinebrücke, mit Extra-Wegunterführung Jetzt drei Brücken (hinten KBS und neue B104) Unten Trasse, oben gesperrter Weg
B105-Umgehung Dassow, noch immer überquert Agl Pötenitz, gequert von Landstraße (je 2007)

R: Neue Stepenitzbrücke auf alten Widerlagern für Radweg, teils alte Empfangsgebäude.

 

Steckbriefe einstiger Normalspurbahnen
(Wie immer gilt: Schmalspurbahnen vollständig dokumentiert bei stillgelegt.de)
Reliktlage aufgrund Karteneintragungen 1975/78; noch zu verifizieren, Hinweise willkommen.

Parchim - Suckow (Kr Parchim)
19,4km  [120g]  (-)  M.F.F.E.  1912 - 1945
In Suckow Anschluss an normalspurige Kleinbahn von Putlitz von 1912. Dieser Ast wegen Autobahnbaus Berlin-Hamburg stillgelegt 1980.

Waren (Müritz) - Malchin und Basedow - Faulenrost
27,6km  [119m]  (907)  178  1879 - 1996  (1998)
R: Durchlass Lupenbach; Dämme um Hinrichshagen; Anschluss Faulenrost: Ostpeenebrücke

Sanitz - Tribsees
27,9km  [119e]  (-)  M.F.F.E.  1895 - 1945
R: Brückchen w Redderstorf; Brücke über Trebelnebenarm; Straßenbrücke Tribsees.

Velgast - Tribsees und Neu Seehagen - Franzburg
30,3km  [125e]  (953)  168  1895 - 1995  (1996)
R: Barthebrücke bei Hövet, Durchlass Wolfsbach bei Weitenhagen, Trebelbrücke Tribsees.
Am Franzburger Ast (Pv bis 1968, Gv bis 1975): Durchlass Wolfsbach bei Wolfshagen, Damm um Franzburg.

Stralsund - Tribsees
34km  [121s]  (-)  Stralsund-Tribseeser Eisenbahn  1900/1901 - 1945
R: Dämme um Negast (Brücke Borgwallseezufluss), Franzburg, Pöglitz, Siemersdorf (ohne Trebelbrücke?!)

Greifswald - Grimmen - Tribsees
50,4km  [121t]  (-)  Greifswald-Grimmener Eisenbahn  1896 - 1945
R: Brückchen Ibitzgraben; vielfach Wirtschaftswege;  Agl GewGeb Grimmen NO.

Wolgast - Kröslin
7,7km  [125c]  (-)  Kleinbahn Greifswald-Wolgast  1898 - 1939

Toitz-Rustow - Loitz
7,2km  [121c]  (-)  Kleinbahn Loitz - Toitz-Rustow  1906 - 1969  (2002)
R: Brücke Ibitzbach

Kargow - Möllenhagen - Neubrandenburg
41km  [119k]  (-)  Mecklenburgische Südbahn  1885 - 1945
R: Waldeinschnitte Retherberg, Br. Mühlenbach, Feldwegbrückchen um Neuendorf; Widerlager Tollensebrücke?

Thurow (Meckl) - Blankensee Ost - Groß Daberkow - Strasburg (Uckerm)
43,4km  [120]  (-)  Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbah  1893/1907 - 1945
Zunächst Bahn ab Blankensee (Strecke Neustrelitz - Neubrandenburg) ausgeleitet;
ab 1907 unabhängige Strecke Neustrelitz - Thurow - Blankensee Ost (-Strasburg)
R: Straße bei Warbende, Einschnitte Wald w Bredenfelde; Dämme und Durchlässe um Woldegk.

Neustrelitz Süd - Thurow (Meckl) - Feldberg (Meckl)
26,6km  [120a]  (917)  186  Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn  1910 - 2000
R: Brücke Dolgenbach, Einschnitte entlang Dolgener See

 

Linienverlegungen beim Wiederaufbau (1960/61):

Neustrelitz - Rostock  (KBS 180)

1. Auf etwa 8km zwischen Neustrelitz und Kratzeburg: Dämme
2. Forst Langhagen östlich HSt Klockow (einst nördlichere Ausholung auf etwa 1500m)
3. Lalendorf: ehemals niveaufreie Einführung in Strecke Bützow - Neubrandenburg und Kurve gen Norden w Bhf Lalendorf
4. Östlicherer Bogen westl des Warinsee (Brückchen Lößnitz)
5. Früher bogigere Führung um Plaaz - Liessow:  tw. Straße; Brücke Recknitz, ex Agl
6. Enge Kurve westl Laage (südl Kronskamp): Recknitzbrücke 

 

Literatur:
Lothar Schultz, Eisenbahnen in Mecklenburg, Berlin 1988

Linktipp:  Eisenbahnnetz im Norden (Ralf Piepenhagen) mit vollständigen Statistiken und toller Karte.

 


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