Prignitz.  Elbe-/Havelland.  Jerichower Land.

Das norddeutsche Tiefland zwischen Prignitz, Altmark und Havelland war trotz seiner dünnen Einwohnerdichte mit Eisenbahnen recht ordentlich erschlossen.  Die vielen Klein- und Schmalspurbahnen sind zwar schon mitunter fünfzig Jahre Geschichte - wobei eine überraschend große Remanenz festzustellen ist, wie Martin Wollmann dokumentiert - der letzte Normalspurrest ist in den (erweiterten) Nachwendejahren vom bescheidensten Verkehr "befreit" worden.  Angesichts der Größe des Gebietes und der Vielzahl betroffener Strecken würde sich eine Dokumentation aus der Luft anbieten.

Nähern wir uns doch einfach von Norden, nehmen wir an, wir seien auf dem (unendlich langem landstraßenliebenden) Rückweg von der Ostsee ins Gebirge und wir hätten uns -wissend, was uns zB noch im Harz und Thüringer Wald erwarten wird- nicht vorbereitet, wissen also nichts über die plötzlich in der MovingMap "auftauchenden" Trassenteile lange verschwundener Kreis- oder Kleinbahnen; also werden Fotoschüsse "ins Nichts" abgegeben und erst Monate später gesellen sich minimale Begleittexte dazu:

Südlich Dannenwalde (Großes Luch) ein Feldweg
als Alttrassenrelikt (Pfeil zeigt: rückgestoßen für
Foto, Blick südwärts)
Bärensprung: alte Straße,
es kreuzte Bahn...
...hier der Blick Süd
Gumtow, ein größerer Ort, die Bahn kam auch
hier von Norden...
...nach Süden weniger
zu sehen, aber...
...das alte Bushaltestellenschild weist "Gumtow
Bahnhof" aus, Gebäude sicher die alte
Bahnhofsgaststätte (je 2008)

Recherche: es handelt sich hier um die Überreste der 750mm-Kleinbahn des Kreises Ostprignitz (Pollo), die in diesem Abschnitt Rehfeld Abzw - Vettin Abzw (kurz vor Lindenberg) zwischen 1897 und 1967 existierte - viel mehr bei stillgelegt.de.

Die nur 9km lange Stichstrecke Glöwen - Havelberg ist insofern bemerkenswert, als sie normalspurig seit 1890 bis zu ihrem Reparations-Abbau 1947 bestand sowie 1948 als 750mm-Schmalspurbahn wiederauferstand.  Vielleicht erlebt der mondäne Staatsbahnhof Glöwen (an der Hauptbahn Hamburg-Berlin; li.) noch eine würdige Restaurierung; der ehemalige Endbahnhof Havelberg (u., Fotos von 2002) war noch von Abriss oder Überbauung verschont geblieben; im Wald bei Glöwen sind beileibe nicht allein eine klassische Altttrassenschneise dieser Bahn zurückgeblieben; das einstige alte Militärgelände besaß offensichtlich einige Anschluss- und Übungsgleise, ebenso lässt sich eine an die Glöwener Hauptbahn neu Richtung Westen gelegte Kurve in Karten ausmachen...

 

 

Verfallende Bahnhofsgebäude, wie aus den 1970ern aus der alten Bundesrepublik berichtet worden war, lassen sich besonders an der ehemaligen Kleinbahn Genthin, Strecken Güsen - Jerichow und Schönhausen - Sandau studieren; heute unvorstellbar die Zeiten als um 3.26 ab Sandau gereist werden konnte (Winter 1972).  Letztere ist wohl die einzige Strecke mit mathematisch "perfektem" Eröffnungsdatum 19.09.1909;  im August 1993 stillgelegt wegen Querungshindernis für SFS Hannover-Berlin.

 

Strecke Schönhausen - Sandau (Elbe)  (ex KBS 208d, DR KBS 706, DB AG KBS 267)  Betrieb 1909 - 1993

Diese Strecke überquerte in einem weiten Bogen auf hohem Damm die Hauptstrecke und jetzige Schnellfahrstrecke Hannover - Stendal - Berlin.  Letzterer (Aus-) Bau hatte zur Demontage der Brücke und damit zur Kappung der Nebenbahn geführt.  Da eine strategische Kurve aus Richtung Berlin in Richtung Sandau nachgerüstet worden war, wäre theoretisch eine Wiederbefahrung möglich; natürlich illusorisch, denn weder eine Weichenverbindung an der West-Ost-Magistrale noch eine niveugleiche Querung der Hauptgleise oder ein Zubau eines Haltegleises mit Bahnsteig nördlich des Bahnhofs Schönhausen oder gar ein Neubau einer Kurve von Westen hatten/haben Realisierungschancen....  So bleiben Erinnerungen und Erinnerungsfotos:

Vorne Nebenbahn aus Güsen, dahinter Damm
ansteigend zur ehem.Hauptbahnüberbrückung 
Keine alte Hauptbahn (diese hinten mit ICE),
sondern die Schönhausener Nebenbahnen
Hier trennen sich die Sandauer (li) und die von
Güsen "kommende" Bahn. je 2008

Auf der Sandauer Bahn waren ein Jahr zuvor nördlich der SFS diese Eindrücke zu gewinnen:

Blick Richtung Einfahrtsbogen Schönhausen
Brücke verschwunden, unten SFS plus Einzelgl. 
Blick zur strateg.Kurve Ri.Berlin Links von/nach Berlin, geradeaus einst über
die Hauptbahn
Nahe Lübars: links gings per strategischer
Strecke Richtung Elbe
Diese DDR-Militärbahn in besserem
Zustand als die (ältere) Nebenbahn
Schnurgerade
Richtung Elbe (je 2007)
2009 dagegen sind Neben- und NVA-Bahn
ihrer Schienen beraubt; links Ri. Elbe
Südlich dieses "Abzweigs" lagen lange
zwei Gleise parallel, vll. bis Hohengöhren
"Feudaler" BÜ eines Wirtschaftsweges
(Lübars - Hohengöhren)
Verlauf nahe Lübars... ...Brückchen über alten Landgraben Wieder ein BÜ: Weg zur alten Ziegelei
Wenige 100m östlich der Elbe nochmals eine
Verzweigung (siehe Text)
Nördliches "hohes" Gleis vor der Elbe Hier auch Befestigungen für die aufzustellenden
Militärfzg (Pionier-Brückengerät)

Die wenig östlich der Elbe gelegene Verzweigung wird wohl den Hintergrund gehabt haben, mit unterschiedlich nivellierten Dämmen sich auf unterschiedliche Flusspegelstände einstellen zu können.  Ob das hier liegende Wäldchen indes auch für Tarnungszwecke bestand ?   Auf die strategische Elbquerung (westliche Flussseite) werden wir weiter unten zurückkommen, jetzt erstmal weiter Richtung Norden:

Klietz
alle Aufnahmen September 2002
Schönfeld (Elbe)
eine Weiche, welch Sensation
Sandau (Elbe):  Ende eines Endbahnhofes ...auch den alten Lokschuppen gab es noch

Springen wir zurück nach Neuermark-Lübars: wir sahen die Reste der militärstrategischen Elbquerungsbahn, welche die Elbbrücke Hämerten ersetzen hätte müssen.  Mehr Relikte und mehr Hintergründe finden wir westlich der Elbe.  Die pittoreske alte Burgstadt Arneburg hatte 1899 von Stendal aus eine 12km lange meterspurige Kleinbahn erhalten, die 1914 auf Regelspur umgebaut worden war (mit geringen Trassenverbesserungen bei Sanne und Bürs, Endbahnhof stadtnäher); ihre Stilllegung war 1972.  Zu diesem Zeitpunkt schon beschlossen war die Errichtung des KKW Elbe nördlich der Stadt, wodurch der Weiler Niedergörne dem Abriss anheimfiel.  Für den aufwändigen Bau und die spätere Brennelementeanlieferung wurde eine neue 22km lange "Schnellbahn" errichtet (1976), die teils das Trassee der Arneburger Bahn verwenden konnte.  Zusätzlich entstand eine Abzweigung und Strecke Richtung Elbe (s.o.), sogar mit kleinen Militärzufahrtsrampen per einmündendem Gleisstummel.  Das unvollendete KKW fiel der Wende zum Opfer; sein Abriss zieht sich bis heute hin.  Das große Industrieareal ist noch immer auf die Bahn angewiesen (Holztransport, Papierindustrie), dass sich der Personenverkehr (1977-1996) so lange halten konnte, verwundert etwas.  Ebenfalls ungewöhnlich: der brandneue Militärbahnhof mitten auf der alten Elbquerungstrasse (an Elbe StOÜbPl / Pioniere / Wasserübungen?).

 

Stendal - Arneburg  [210s]
12km lange, 1000mm-Strecke, 1899 bis 1972 (1914 auf Regelspur umgebaut); danach teilweise Neubau einer 22km langen regelspurigen "Schnellbahn" zum Kernkraftwerk Niedergörne: Gv ab 1976, Pv 1977 bis 1996.
Die alte Arneburger Strecke
Blickt man nahe der Domäne Bürs gen Südwesten, fällt der große Damm der alten Arneburger Regelspurbahn auf; rechts die lange Zeit einzige Chaussee Stendal - Sanne - Arneburg (heute Wirtschaftsweg, neue L16 westlicher), an deren südlichem Rand die Kleinbahn gelegen war.

Links alter Bahndamm, rechts Wirtschaftsweg Alter Endbahnhof Arneburg, je 2008

Die Kleinbahntrasse hatte nahe Chausseehaus Hassel (Hp) ein Brückchen; an nahezu gleicher Stelle, aber mindestens aus Regelspurzeiten, diente die massive (Wirtschaftsweg)brücke militärischen Zwecken, als Zufahrt zur Aufstellungsanlage ( militärische Ausweichanschlussstelle Jarchau) mit Gleisstummel (es lagerten Pionier-Brückenteile für die Elbquerung); auch 2008 noch ansatzweise als solches erkennbar, Zaunreste Zeugnisse des Verbotenem.

Alte Trasse, alte Militärzufahrt Vor einstigem Zaun; im Brachland Betonreste... ...des "NVA-Zugangspunktes"

Die Niedergörne-Schnellbahn
Eine stabile 100km/h-Rennstrecke, für Holztransporte in starker Nutzung, doch rund um die KKW-Ruine (und DDR-Verwaltungsgebäude-Ruinen) finden sich (teils abgesteckt) alte Anschlussgleisreste, Schwellenberge....

Anschlussgleisreste vor den Ruinen des... ...fast-KKW; vorne war laut TK auch ein Gleis !?

 

Das schnurgerade Elbgleis schließlich liegt mitsamt allen Schienen idyllisch inmitten weiter Felder dar; sein Prellbock vor Steilhang deutet die im Ernstfall noch zu bauenden Rampen / Brückenteile an - Natur pur:

Im Rücken der brandneue NATO-Militäranschluss-
bahn-Rbf Billberge - auf alter WP-Bahn...
Strategisches Gleis hier im Einschnitt; dann... ...auf deutlichem Damm; dieser bis vor...
...Elbprallhang (?) mit Gleis und... ...romantischem Prellbock. Schwer vorstellbar... .die hier anzuschließenden Militärbrückenteile ('08)

Auch hier ein Abzweig um mindestens zwei unterschiedliche Wasserstandshöhen "abfangen" zu können; also zwei tote Gleisstümpfe (wie der Autor beim ersten Besuch übersah); auch die km-Tafel nahe des Prellbocks nochmals besser:

Abzweig des "anderen" Elbzuführgleises... ...dieses tot endend; das andere... ...nach dem Prellbock noch mit km-Tafel 5,4 ('10)

 

Strecke (Genthin - ) Jerichow - Schönhausen  (ex KBS 207k,  DR KBS 706,  DB AG KBS 263)  

Diese Nebenbahn war von der Genthiner Kleinbahn 1899 eröffnet worden und hundert Jahre später im Personenverkehr stillgelegt worden (der Güterverkehr war weitenteils Mitte der 1990er mangels Gütern entfallen).  Zu DR-Zeiten als KBS 706 mit der Sandauer Strecke (s.o.) vereint, gab es wenige ganz durchgehende Züge (Beispiel Winter 1972: Genthin 22.15 - Sandau 0.08), aber mehrere die zwischen Jerichow und Sandau verkehrten.
Die Strecke von Güsen nach Jerichow (ex KBS 207p, DR KBS 708, DBAG KBS 264 -bis 1999-, erst 1924 eröffnet) sieht bis zum nahen Zerben (Fabriken) noch Güterverkehr, der weitere Verlauf zeigt aber alle typischen Verfallserscheinungen.  Und tatsächlich ist hier gefühlt "Provinz", Stefan Petzolds berühmter Film "Jerichow" spielt nicht umsonst hier:

Brücke über den Pareyer Verbindunskanal
Derben  -  etwas ortsferner Bahnhof im Verfall (2002) - selbst die Kleingärten des Dorfes haben den alten Bahnhof noch nicht erreicht
Fern die Zeiten als u.a. um 0.36, 3.36, 4.49 Züge ihre Aufwartung machten; selbst im Mai 99 gab es noch 7 Zugpaare täglich !
Nahe Jerichow:
zwischen Landstraße und Nebenbahn befindet sich ein Umspannwerk.
Zusätzlich ein extrem hundegesichertes Privatgrundstück; privat ist auch sicher der Hintergrund für dieses ICE-Hausgemälde in Nachbarschaft zu verfallenden Schwellen...

Südlich Jerichow, etwa auf Höhe der kreuzenden B107, schmiegt sich die aus Güsen herkommende Strecke an jene (netznamensgebende) Nebenbahn aus Genthin an, die 2008 ebenfalls in Agonie darlag und die seltene Fotochance zweier verwuchernder, paralleler aber höhendivergierender Trassen bot; die höhere Güsener bietet hier den km-Stein 20,0 auf, während es von Genthin "nur" 15,6km sind...

Links nach Genthin, rechts 20km von Güsen Hier am Genthiner Stein Mondlicht über der Güsen-Ziesarer Strecke (je 08)

Das letzte Bild weist schon die nächste Richtung: statten wir den Resten der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I einen Besuch ab; die 750mm-Strecken lagen beidseits der Magistrale A2 und sind unterschiedlich lange Geschichte.
Doch zunächst noch kreuzen wir mit der Genthiner Kreisbahn, Strecke Güsen - Ziesar wenig westlich letztgenannten Ortes die alte Trasse der Jerichower Strecke Burg - Ziesar.  Erstere (ursprünglich von der Ziesarer Kleinbahn 1917 eröffnete) normalspurige Strecke wurde im Personenverkehr (KBS 262) noch bis 1999 betrieben, während die schmalspurige Kreisbahn 1965 ihre Stilllegung erduldete.

Ziesar, Blick Güsen; Feldweg ist ex-Kleinbahn... ...nach Magdeburgerforth (Blickrichtung)
Ziesar, verwucherndes (Hbf-) Gelände Das Neubau-Empfangsgebäude Strecke Richtung Rogäsen

Nördlich Ziesar endete ein Restgüterverkehr bis etwa Bücknitz erst in jüngerer Zeit, ebenso wollte ein Anschluss an der Herrenmühle (Papierfabrik?) noch bis nach der Wende angeschlossen sein.  Bei Rogäsen jedoch ist folgerichtig der Damm gen Ziesar kaum mehr sichtbar, die alte Stichstrecke nach Karow existierte zwischen 1912 und 1951 und lebt als Fußweg weiter:

Das Agl Herrenmühle Rogäsen, Damm Blick Ziesar Dito Blick Karow

In Rogäsen ist sowohl das alte Bahnhofsgebäude wie das einstige -schmale- Gleisareal von einer (bis heute verführerisch duftenden) Keksfabrik vereinnahmt; die Trasse schon sehr verwachsen:

Rogäsen, der Keksfabrikbahnhof Nahe Rogäsen, Bahndamm Blick Süd... ...und Blick Wusterwitz (je 2008)

Bevor die Strecke Wusterwitz erreichte (1901), kreuzte sie den Gollwitzer Weg: dieser einst sauschlechte Weg ist nun Ortsverbindungsstraße und hat an ebenjener einstigen BÜ-Stelle eine Brücke über der neuen L96 (einer in dieser Region eminent wichtigen Nord-Süd-Straße); die alte Genthiner Kreiskleinbahntrasse war 1971 "abgewickelt" worden und sieht 37 Jahre später entsprechend aus (vgl o.), im Wald wie oft immerhin noch Schwellenreste morsch und ahnbar: 

L96 schneidet Altbahn Im Wald nahe Rosenthaler Weg

Rücksprung an die Havel: die Reste der Strecke Genthin - Milow  (eröffnet 1899, Personenverkehr bis 1967, Güterverkehr auch schon 1971 endend) sind spärlich; da die Havelquerung ins nahe Premnitz (dort Bahnverkehr bis heute) unterblieb, fehlen einfach spektakuläre Bauwerke; die DDR-LPG-Großflächen zerstörten Eisenbahndämme:

Altes Bahnhöfle Zabakuck Die Brücke bei Schlagenthin (2010)

In Premnitz fällt sofort die "Doppelspur" auf; hier war die Urtrasse der Brandenburgischen Städtebahn wegen Errichtung großer Pulverfabriken nach Süden, stadtzentraler verlegt worden (wo sie bis heute den Autoverkehr behindert ;-) - die Alttrasse wurde großteils Anschlussbahn für die Chemiefabriken.  Großes, schön saniertes Brückenrelikt (über besagte Neubahn und Straßen) erinnert an die einst bedeutende Hafenbahn, die von den umfangreichen Werksgleisen im Norden zum alten bzw. neuen Hafen an der Havel strebte (Brücke erbaut 196-1918; saniert 2004): 

Links Neutrasse, oben einst Hafenbahn; jetzt... ...im Widerlager sanierter Fußweg; der Damm... ...gen Hafen abgetragen, überbaut (2010)

In Rathenow, einem bemerkenswerten Bahnknoten, wo die ICE Berlin-Hannover durchrasen (mitunter mal ein TGV am Bahnsteig parkt), ließ sich 2010 ein "Bahnrelikt-Doppelpunkt" aufsuchen: die Strecke nach Neustadt (Dosse) -Brandenburgische Städtebahn- umgeht die Stadt auf einem Damm im Nordosten, wobei die 750mm-Kreisbahn Rathenow - Senzke - Nauen (1900/01 eröffnet, 1961 stillgelegt) überbrückt wird; dieses (offenkundig nicht mehr ganz originale) Bauwerk mag das augenfälligste Relikt jener kurzlebigen Erschließungsbahn sein. Die Städtebahn indes (deren südlicher Ast um Belzig gesonderten Betrachtungen vorbehalten bleibt, Stichwort stillgelegte Kanonenbahn) ist in diesem Abschnitt von 1904 bis 2003 in Betrieb gewesen; der Schienenoberbau sieht dementsprechend noch passabel aus:

Städtebahn überquerte Kreisbahn Städtebahn Richtung Neustadt (Dosse) 2010

Auch unweit nördlich Rathenow gab es eine strategische Umfahrungsmöglichkeit aus DDR-Zeiten; unter Mitbenutzung der Städtebahn und Querung von Stremme und Havel, mit Passieren von Göttlin und Steckelsdorf wäre die Umgehung des Bahnhofes Rathenow und der Havelbrücke möglich geworden. Die Trasse war auch 2010 noch mit Schienen zu begutachten:

Zwei unterschiedlich nivellierte Gleise... ...der Havelquerung, hier schon vor der... ...Stremme endend (2010)

 

Weil wir jetzt und hier diese Unterseite nicht Richtung Brandenburg (Havel) / Potsdam oder gar Schorfheide verlassen wollen ( ;-) kehren wir um und folgen ab Ziesar -war ja einst eine richtige Kleinbahn-Hauptstadt- erneut der Jerichower Kreisbahn; und nahe Magdeburgerforth wird es spannend, schließlich ist eine Abzweigung aufzusuchen, neben dem "Hauptast" ist eine Strecke nach Altengrabow zu "bearbeiten" (beide sind 1896 eröffnet worden, beide wurden 1965 stillgelegt):

Magdeburgerforth, der Museumsbahnhof... ...mit Lokschuppen Trasse hier Fußweg (Gloinebach)
Abzweig links Altengrabow, rechts... ...hier im Vordergrund Richtung Burg Schienenreste nahe Altengrabow
Der alte Kleinbahnhof Der Staatsbahnhof in sichtlich ruinösem Zustand; hier war umfangreicher Militärverkehr (TrÜbPl)

Während wir in Magdeburgerforth die Erfolge des rührigen Kleinbahnvereins sahen (es wird ein kleiner Feldbahnbetrieb und umfangreiche museale Aktivitäten geboten), treffen wir in Altengrabow, am Rande des riesigen Truppenübungsplatzes auf ein recht gut restauriertes Kleinbahnhofsgebäude, die Anlagen der Staatsbahn (die von Loburg aus hierher auf dem extra gebotenen Dreischienengleis fand) verfallen (Personenverkehr endete 1999), werden aber für einen Loburger Dampfverein vorgehalten.
2006 hatte sich die Normalspurstrecke Loburg - Altengrabow so gezeigt:

Loburg: altes Stellwerk,... ...abgestellte (Museumsbahn-) Wagen Trasse bei Bomsdorf, je 2006

 

 

 

Verkehrsknoten Magdeburg

In und an der Landeshauptstadt Magdeburg treffen sich eine Vielzahl unterschiedlichster Verkehrswege:  neben der alten Fernverkehrschaussee und heutigen B1, der auch schon alten RAB / BAB 2 treffen Elbe, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal aufeinander; nicht weniger als acht Eisenbahnlinien streben in alle Himmelsrichtungen.  Obwohl A2-Ausbau, A14-Neubau nach Halle, demnächst Altmarkautobahnentstehung sowie Fertigstellung des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr.17 Ingenieure und Baustellentouristen am meisten lock(t)en, gab und gibt es für Verkehrsreliktforscher einiges zu bestaunen:  bereits in den 1930er Jahren war begonnen worden, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal mittels großer Elbüberbrückung sowie Schleusenanlage Hohenwarthe miteinander zu verknüpfen um Schiffen den zeitraubenden Umweg über das berühmte Schiffshebewerk Rothensee (noch immer Touristenmagnet) sowie die Schleuse Niegripp zu ersparen; der Krieg hatte zur Baueinstellung geführt und bis in die 1990er Jahre markante Beton-Bauruinen hinterlassen. Heute steht besagtes Verkehrsprojekt auf gleicher Trassenführung mit hochmoderner Doppelschleuse Hohenwarthe kurz vor der Vollendung.  Weniger bekannt ist der alte Bahndamm der Eisenbahnlinie Magdeburg - Burg - Berlin, der zwischen Gerwisch - Lostau - Hohenwarthe -  Niegripp und Burg einen viel nördlicheren Verlauf genommen hatte (eröffnet 1846); erst 1871 durchstieß man den "Höhenrücken" des Hohen Fläming bei Möser und erhielt eine weit weniger hochwassergefährdete Bahnstrecke, eine der ersten aufgegebenen Bahn-Überlandtrassen hinterlassend.

Blick von Kreuzung Alter Bahndamm / Alter Kanaleinschnitt nach SO
Widerlager der proj. Straßenbrücke Hohenwarthe - Niegripp (1997)
Standort Alter Bahndamm, Blick Nordost
Elbe-Havel-Kanal vor Fertigstellung; Widerlager beseitigt  (2002)
Der Kanal 2008, Standort Alter Berliner Damm:
noch immer ist der Dammrest der alten Straße zu erkennen
Der Alte Berliner Damm ist hier eine Datschen-
Anlagen-Zufahrt

Siehe auch Wasserwege/Elbehavel (mit Relikten der Straßenquerung und Niegripper Alt-Kanal)

Zurück zum Alten Berliner Eisenbahndamm; 2008 konnte der Autor diese Reliktzustände festhalten:

Heyrothsberg: große Ehle-Brücke... ...schon gesperrt; man sieht... ...ihre einstige Hauptbahn-Zweigleisigkeit
Gerwisch: der Bullengraben; jetzt Wegdamm Köf erinnert an Gerwischer Güterbahn, die hier
den uralten Bahn"damm" kreuzte (Schneise im Ort) 
Nördlich Gerwisch dient Bahndamm einem
Ortsverbindungsweg
Nördlich Hohenwarthe ist Damm Landmarke... ..und nimmt einem Waldpfad auf (NSG in Kiesabbau-Elbauen)

 

Für die Relikte im Magdeburger Stadtgebiet (Elbebrücken!) siehe unter Verlegt/Stadt

 

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