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Prignitz. Elbe-/Havelland. Jerichower Land.
Das norddeutsche Tiefland zwischen
Prignitz, Altmark und Havelland war trotz seiner dünnen Einwohnerdichte mit
Eisenbahnen recht ordentlich erschlossen. Die vielen Klein- und
Schmalspurbahnen sind zwar schon mitunter fünfzig Jahre Geschichte - wobei
eine überraschend große Remanenz festzustellen ist, wie Martin
Wollmann dokumentiert - der letzte Normalspurrest ist in den (erweiterten)
Nachwendejahren vom bescheidensten Verkehr "befreit" worden.
Angesichts der Größe des Gebietes und der Vielzahl betroffener Strecken
würde sich eine Dokumentation aus der Luft anbieten.
Nähern wir uns doch einfach von
Norden, nehmen wir an, wir seien auf dem (unendlich langem landstraßenliebenden)
Rückweg von der Ostsee ins Gebirge und wir hätten uns -wissend, was uns zB
noch im Harz und Thüringer Wald erwarten wird- nicht vorbereitet, wissen also
nichts über die plötzlich in der MovingMap "auftauchenden"
Trassenteile lange verschwundener Kreis- oder Kleinbahnen; also werden Fotoschüsse
"ins Nichts" abgegeben und erst Monate später gesellen sich
minimale Begleittexte dazu:
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Südlich Dannenwalde (Großes
Luch) ein Feldweg
als Alttrassenrelikt (Pfeil zeigt: rückgestoßen für
Foto, Blick südwärts) |
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Bärensprung: alte Straße,
es kreuzte Bahn... |
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...hier der Blick Süd |
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Gumtow, ein größerer Ort, die
Bahn kam auch
hier von Norden... |
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...nach Süden weniger
zu sehen, aber... |
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...das alte Bushaltestellenschild
weist "Gumtow
Bahnhof" aus, Gebäude sicher die alte
Bahnhofsgaststätte (je 2008) |
Recherche: es handelt sich hier um
die Überreste der 750mm-Kleinbahn des Kreises Ostprignitz (Pollo), die in
diesem Abschnitt Rehfeld Abzw - Vettin Abzw (kurz
vor Lindenberg) zwischen 1897 und 1967 existierte - viel mehr bei
stillgelegt.de.
Die nur 9km lange Stichstrecke
Glöwen - Havelberg ist insofern bemerkenswert, als sie normalspurig
seit 1890 bis zu ihrem Reparations-Abbau 1947 bestand sowie 1948 als
750mm-Schmalspurbahn wiederauferstand. Vielleicht erlebt der mondäne
Staatsbahnhof Glöwen (an der Hauptbahn Hamburg-Berlin; li.) noch eine würdige
Restaurierung; der ehemalige Endbahnhof Havelberg (u., Fotos von 2002) war noch von Abriss
oder Überbauung verschont geblieben; im Wald bei Glöwen sind beileibe nicht
allein eine klassische Altttrassenschneise dieser Bahn zurückgeblieben;
das einstige alte Militärgelände besaß offensichtlich einige Anschluss- und
Übungsgleise, ebenso lässt sich eine an die Glöwener Hauptbahn neu Richtung
Westen gelegte Kurve in Karten ausmachen...
Verfallende Bahnhofsgebäude, wie
aus den 1970ern aus der alten Bundesrepublik berichtet worden war, lassen sich
besonders an der ehemaligen Kleinbahn Genthin, Strecken Güsen
- Jerichow und Schönhausen - Sandau
studieren; heute unvorstellbar die Zeiten als um 3.26 ab Sandau gereist werden
konnte (Winter 1972). Letztere ist wohl die einzige Strecke mit
mathematisch "perfektem" Eröffnungsdatum 19.09.1909; im August 1993
stillgelegt wegen Querungshindernis für SFS Hannover-Berlin.
Strecke Schönhausen - Sandau (Elbe)
(ex KBS 208d, DR KBS 706, DB AG KBS 267) Betrieb 1909 - 1993
Diese Strecke überquerte in einem weiten Bogen
auf hohem Damm die Hauptstrecke und jetzige Schnellfahrstrecke Hannover -
Stendal - Berlin. Letzterer (Aus-) Bau hatte zur Demontage der Brücke
und damit zur Kappung der Nebenbahn geführt. Da eine strategische Kurve
aus Richtung Berlin in Richtung Sandau nachgerüstet worden war, wäre
theoretisch eine Wiederbefahrung möglich; natürlich illusorisch, denn weder
eine Weichenverbindung an der West-Ost-Magistrale noch eine niveugleiche
Querung der Hauptgleise oder ein Zubau eines Haltegleises mit Bahnsteig
nördlich des Bahnhofs Schönhausen oder gar ein Neubau einer Kurve von Westen
hatten/haben Realisierungschancen.... So bleiben Erinnerungen und
Erinnerungsfotos:
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Vorne Nebenbahn aus Güsen,
dahinter Damm
ansteigend zur ehem.Hauptbahnüberbrückung |
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Keine alte Hauptbahn (diese
hinten mit ICE),
sondern die Schönhausener Nebenbahnen |
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Hier trennen sich die Sandauer (li)
und die von
Güsen "kommende" Bahn. je 2008 |
Auf der Sandauer Bahn waren ein Jahr zuvor nördlich
der SFS diese Eindrücke zu gewinnen:
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Blick Richtung Einfahrtsbogen
Schönhausen
Brücke verschwunden, unten SFS plus Einzelgl. |
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Blick zur strateg.Kurve Ri.Berlin |
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Links von/nach Berlin, geradeaus
einst über
die Hauptbahn |
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Nahe Lübars: links gings per
strategischer
Strecke Richtung Elbe |
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Diese DDR-Militärbahn in
besserem
Zustand als die (ältere) Nebenbahn |
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Schnurgerade
Richtung Elbe (je 2007) |
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2009 dagegen sind Neben- und
NVA-Bahn
ihrer Schienen beraubt; links Ri. Elbe |
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Südlich dieses
"Abzweigs" lagen lange
zwei Gleise parallel, vll. bis Hohengöhren |
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"Feudaler" BÜ eines
Wirtschaftsweges
(Lübars - Hohengöhren) |
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| Verlauf nahe Lübars... |
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...Brückchen über alten
Landgraben |
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Wieder ein BÜ: Weg zur alten
Ziegelei |
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Wenige 100m östlich der Elbe
nochmals eine
Verzweigung (siehe Text) |
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Nördliches "hohes"
Gleis vor der Elbe |
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Hier auch Befestigungen für die
aufzustellenden
Militärfzg (Pionier-Brückengerät) |
Die wenig östlich der Elbe gelegene
Verzweigung wird wohl den Hintergrund gehabt haben, mit unterschiedlich
nivellierten Dämmen sich auf unterschiedliche Flusspegelstände einstellen zu
können. Ob das hier liegende Wäldchen indes auch für Tarnungszwecke
bestand ? Auf die strategische Elbquerung (westliche Flussseite)
werden wir weiter unten zurückkommen, jetzt erstmal weiter Richtung Norden:
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Klietz
alle Aufnahmen September 2002 |
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Schönfeld (Elbe)
eine Weiche, welch Sensation |
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| Sandau (Elbe):
Ende eines
Endbahnhofes |
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...auch den alten Lokschuppen
gab es noch |
Springen wir zurück nach
Neuermark-Lübars: wir sahen die Reste der militärstrategischen Elbquerungsbahn,
welche die Elbbrücke Hämerten ersetzen hätte müssen. Mehr Relikte
und mehr Hintergründe finden wir westlich der Elbe. Die pittoreske alte
Burgstadt Arneburg hatte 1899 von Stendal aus eine 12km lange meterspurige
Kleinbahn erhalten, die 1914 auf Regelspur umgebaut worden war (mit geringen
Trassenverbesserungen bei Sanne und Bürs, Endbahnhof stadtnäher); ihre
Stilllegung war 1972. Zu diesem Zeitpunkt schon beschlossen war die
Errichtung des KKW Elbe nördlich der Stadt, wodurch der Weiler Niedergörne
dem Abriss anheimfiel. Für den aufwändigen Bau und die spätere
Brennelementeanlieferung wurde eine neue 22km lange "Schnellbahn"
errichtet (1976), die teils das Trassee der Arneburger Bahn verwenden
konnte. Zusätzlich entstand eine Abzweigung und Strecke Richtung Elbe
(s.o.), sogar mit kleinen Militärzufahrtsrampen per einmündendem
Gleisstummel. Das unvollendete KKW fiel der Wende zum Opfer; sein Abriss
zieht sich bis heute hin. Das große Industrieareal ist noch immer auf
die Bahn angewiesen (Holztransport, Papierindustrie), dass sich der
Personenverkehr (1977-1996) so lange halten konnte, verwundert etwas.
Ebenfalls ungewöhnlich: der brandneue Militärbahnhof mitten auf der alten
Elbquerungstrasse (an Elbe StOÜbPl / Pioniere / Wasserübungen?).
Stendal - Arneburg [210s]
12km lange, 1000mm-Strecke, 1899 bis 1972 (1914 auf Regelspur umgebaut);
danach teilweise Neubau einer 22km langen regelspurigen
"Schnellbahn" zum Kernkraftwerk Niedergörne: Gv ab 1976, Pv 1977
bis 1996.
Die alte Arneburger Strecke
Blickt man nahe der Domäne Bürs gen Südwesten, fällt der große Damm
der alten Arneburger Regelspurbahn auf; rechts die lange Zeit einzige Chaussee
Stendal - Sanne - Arneburg (heute Wirtschaftsweg, neue L16 westlicher), an
deren südlichem Rand die Kleinbahn gelegen war.
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| Links alter Bahndamm, rechts
Wirtschaftsweg |
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Alter Endbahnhof Arneburg, je
2008 |
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Die Kleinbahntrasse hatte nahe
Chausseehaus Hassel (Hp) ein Brückchen; an nahezu gleicher Stelle, aber
mindestens aus Regelspurzeiten, diente die massive (Wirtschaftsweg)brücke
militärischen Zwecken, als Zufahrt zur Aufstellungsanlage ( militärische
Ausweichanschlussstelle Jarchau) mit Gleisstummel (es lagerten
Pionier-Brückenteile für die Elbquerung); auch 2008 noch ansatzweise als solches erkennbar, Zaunreste
Zeugnisse des Verbotenem.
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| Alte Trasse, alte Militärzufahrt |
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Vor einstigem Zaun; im Brachland
Betonreste... |
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...des
"NVA-Zugangspunktes" |
Die Niedergörne-Schnellbahn
Eine stabile 100km/h-Rennstrecke, für Holztransporte in starker Nutzung, doch
rund um die KKW-Ruine (und DDR-Verwaltungsgebäude-Ruinen) finden sich (teils
abgesteckt) alte Anschlussgleisreste, Schwellenberge....
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| Anschlussgleisreste vor den
Ruinen des... |
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...fast-KKW; vorne war laut TK
auch ein Gleis !? |
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Das schnurgerade Elbgleis
schließlich liegt mitsamt allen Schienen idyllisch inmitten weiter Felder
dar; sein Prellbock vor Steilhang deutet die im Ernstfall noch zu bauenden
Rampen / Brückenteile an - Natur pur:
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Im Rücken der brandneue
NATO-Militäranschluss-
bahn-Rbf Billberge - auf alter WP-Bahn... |
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Strategisches Gleis hier im
Einschnitt; dann... |
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...auf deutlichem Damm; dieser
bis vor... |
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| ...Elbprallhang (?) mit Gleis
und... |
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...romantischem Prellbock. Schwer
vorstellbar... |
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.die hier anzuschließenden
Militärbrückenteile ('08) |
Auch hier ein Abzweig um
mindestens zwei unterschiedliche Wasserstandshöhen "abfangen" zu können;
also zwei tote Gleisstümpfe (wie der Autor beim ersten Besuch übersah); auch
die km-Tafel nahe des Prellbocks nochmals besser:
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| Abzweig des "anderen"
Elbzuführgleises... |
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...dieses tot endend; das
andere... |
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...nach dem Prellbock noch mit
km-Tafel 5,4 ('10) |
Strecke (Genthin
- ) Jerichow - Schönhausen (ex KBS 207k, DR KBS 706, DB AG KBS 263)
Diese Nebenbahn war von der
Genthiner Kleinbahn 1899 eröffnet worden und hundert Jahre später im
Personenverkehr stillgelegt worden (der Güterverkehr war weitenteils Mitte
der 1990er mangels Gütern entfallen). Zu DR-Zeiten als KBS 706 mit der
Sandauer Strecke (s.o.) vereint, gab es wenige ganz durchgehende Züge
(Beispiel Winter 1972: Genthin 22.15 - Sandau 0.08), aber mehrere die zwischen
Jerichow und Sandau verkehrten.
Die Strecke von Güsen nach Jerichow (ex KBS 207p, DR KBS 708, DBAG KBS
264 -bis 1999-, erst 1924 eröffnet) sieht bis zum
nahen Zerben (Fabriken) noch Güterverkehr, der weitere Verlauf zeigt aber
alle typischen Verfallserscheinungen. Und tatsächlich ist hier gefühlt
"Provinz", Stefan Petzolds berühmter Film "Jerichow"
spielt nicht umsonst hier:
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| Brücke über den Pareyer
Verbindunskanal |
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Derben
- etwas ortsferner Bahnhof im Verfall (2002) - selbst die Kleingärten des Dorfes haben den alten Bahnhof
noch nicht erreicht
Fern die Zeiten als u.a. um 0.36, 3.36, 4.49 Züge ihre Aufwartung
machten; selbst im Mai 99 gab es noch 7 Zugpaare täglich ! |
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Nahe Jerichow:
zwischen Landstraße und
Nebenbahn befindet sich ein Umspannwerk.
Zusätzlich ein extrem hundegesichertes Privatgrundstück; privat ist
auch sicher der Hintergrund für dieses ICE-Hausgemälde in
Nachbarschaft zu verfallenden Schwellen... |
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Südlich Jerichow, etwa auf Höhe der
kreuzenden B107, schmiegt sich die aus Güsen herkommende Strecke an jene
(netznamensgebende) Nebenbahn aus Genthin an, die 2008 ebenfalls in Agonie
darlag und die seltene Fotochance zweier verwuchernder, paralleler aber höhendivergierender
Trassen bot; die höhere Güsener bietet hier den km-Stein 20,0 auf, während
es von Genthin "nur" 15,6km sind...
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| Links nach Genthin, rechts 20km
von Güsen |
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Hier am Genthiner Stein |
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Mondlicht über der Güsen-Ziesarer
Strecke (je 08) |
Das letzte Bild weist schon die nächste
Richtung: statten wir den Resten der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I einen
Besuch ab; die 750mm-Strecken lagen beidseits der Magistrale A2 und sind
unterschiedlich lange Geschichte.
Doch zunächst noch kreuzen wir mit der Genthiner Kreisbahn, Strecke Güsen -
Ziesar wenig westlich letztgenannten Ortes die alte Trasse der Jerichower
Strecke Burg - Ziesar. Erstere (ursprünglich von der Ziesarer Kleinbahn
1917 eröffnete) normalspurige Strecke wurde im Personenverkehr (KBS 262) noch
bis 1999 betrieben, während die schmalspurige Kreisbahn 1965 ihre Stilllegung
erduldete.
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| Ziesar, Blick Güsen; Feldweg ist
ex-Kleinbahn... |
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...nach Magdeburgerforth
(Blickrichtung) |
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| Ziesar, verwucherndes (Hbf-) Gelände |
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Das Neubau-Empfangsgebäude |
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Strecke Richtung Rogäsen |
Nördlich Ziesar endete ein Restgüterverkehr
bis etwa Bücknitz erst in jüngerer Zeit, ebenso wollte ein Anschluss an der
Herrenmühle (Papierfabrik?) noch bis nach der Wende angeschlossen sein.
Bei Rogäsen jedoch ist folgerichtig der Damm gen Ziesar kaum mehr sichtbar,
die alte Stichstrecke nach Karow existierte zwischen 1912 und 1951 und lebt
als Fußweg weiter:
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| Das Agl Herrenmühle |
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Rogäsen, Damm Blick Ziesar |
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Dito Blick Karow |
In Rogäsen ist sowohl das alte
Bahnhofsgebäude wie das einstige -schmale- Gleisareal von einer (bis heute
verführerisch duftenden) Keksfabrik vereinnahmt; die Trasse schon sehr
verwachsen:
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| Rogäsen, der Keksfabrikbahnhof |
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Nahe Rogäsen, Bahndamm Blick Süd... |
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...und Blick Wusterwitz (je 2008) |
Bevor die Strecke Wusterwitz erreichte (1901),
kreuzte sie den Gollwitzer Weg: dieser einst sauschlechte Weg ist nun
Ortsverbindungsstraße und hat an ebenjener einstigen BÜ-Stelle eine Brücke
über der neuen L96 (einer in dieser Region eminent wichtigen
Nord-Süd-Straße); die alte Genthiner Kreiskleinbahntrasse war 1971
"abgewickelt" worden und sieht 37 Jahre später entsprechend aus (vgl
o.), im Wald wie oft immerhin noch Schwellenreste morsch und ahnbar:
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| L96 schneidet Altbahn |
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Im Wald nahe Rosenthaler Weg |
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Rücksprung an die Havel: die
Reste der Strecke Genthin - Milow (eröffnet
1899, Personenverkehr bis 1967, Güterverkehr auch schon 1971 endend) sind spärlich;
da die Havelquerung ins nahe Premnitz (dort Bahnverkehr bis heute) unterblieb,
fehlen einfach spektakuläre Bauwerke; die DDR-LPG-Großflächen zerstörten
Eisenbahndämme:
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| Altes Bahnhöfle Zabakuck |
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Die Brücke bei Schlagenthin
(2010) |
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In Premnitz fällt sofort
die "Doppelspur" auf; hier war die Urtrasse der Brandenburgischen Städtebahn
wegen Errichtung großer Pulverfabriken nach Süden, stadtzentraler verlegt
worden (wo sie bis heute den Autoverkehr behindert ;-) - die Alttrasse wurde
großteils Anschlussbahn für die Chemiefabriken. Großes, schön
saniertes Brückenrelikt (über besagte Neubahn und Straßen) erinnert an die
einst bedeutende Hafenbahn, die von den umfangreichen Werksgleisen im Norden
zum alten bzw. neuen Hafen an der Havel strebte (Brücke erbaut 196-1918;
saniert 2004):
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| Links Neutrasse, oben einst
Hafenbahn; jetzt... |
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...im Widerlager sanierter Fußweg;
der Damm... |
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...gen Hafen abgetragen, überbaut
(2010) |
In Rathenow, einem bemerkenswerten
Bahnknoten, wo die ICE Berlin-Hannover durchrasen (mitunter mal ein TGV am
Bahnsteig parkt), ließ sich 2010 ein "Bahnrelikt-Doppelpunkt"
aufsuchen: die Strecke nach Neustadt (Dosse) -Brandenburgische Städtebahn- umgeht die Stadt auf einem Damm
im Nordosten, wobei die 750mm-Kreisbahn Rathenow - Senzke - Nauen
(1900/01 eröffnet, 1961 stillgelegt) überbrückt wird; dieses (offenkundig
nicht mehr ganz originale) Bauwerk mag das augenfälligste Relikt jener
kurzlebigen Erschließungsbahn sein. Die Städtebahn indes (deren südlicher
Ast um Belzig gesonderten Betrachtungen vorbehalten bleibt, Stichwort
stillgelegte Kanonenbahn) ist in diesem Abschnitt von 1904 bis 2003 in Betrieb
gewesen; der Schienenoberbau sieht dementsprechend noch passabel aus:
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| Städtebahn überquerte Kreisbahn |
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Städtebahn Richtung Neustadt (Dosse)
2010 |
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Auch unweit nördlich Rathenow gab
es eine strategische Umfahrungsmöglichkeit
aus DDR-Zeiten; unter Mitbenutzung der Städtebahn und Querung von Stremme und
Havel, mit Passieren von Göttlin und Steckelsdorf wäre die Umgehung des
Bahnhofes Rathenow und der Havelbrücke möglich geworden. Die Trasse war auch
2010 noch mit Schienen zu begutachten:
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| Zwei unterschiedlich nivellierte
Gleise... |
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...der Havelquerung, hier schon
vor der... |
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...Stremme endend (2010) |
Weil wir jetzt und hier diese
Unterseite nicht Richtung Brandenburg (Havel) / Potsdam oder gar Schorfheide verlassen wollen ( ;-) kehren wir um und folgen ab Ziesar -war ja einst eine
richtige Kleinbahn-Hauptstadt- erneut der Jerichower Kreisbahn; und nahe
Magdeburgerforth wird es spannend, schließlich ist eine Abzweigung
aufzusuchen, neben dem "Hauptast" ist eine Strecke nach Altengrabow
zu "bearbeiten" (beide sind 1896 eröffnet worden, beide wurden 1965
stillgelegt):
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| Magdeburgerforth, der
Museumsbahnhof... |
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...mit Lokschuppen |
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Trasse hier Fußweg (Gloinebach) |
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| Abzweig links Altengrabow,
rechts... |
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...hier im Vordergrund Richtung
Burg |
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Schienenreste nahe Altengrabow |
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| Der alte Kleinbahnhof |
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Der Staatsbahnhof in sichtlich
ruinösem Zustand; |
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hier war umfangreicher Militärverkehr
(TrÜbPl) |
Während wir in Magdeburgerforth
die Erfolge des rührigen Kleinbahnvereins sahen (es wird ein kleiner
Feldbahnbetrieb und umfangreiche museale Aktivitäten geboten), treffen wir in
Altengrabow, am Rande des riesigen Truppenübungsplatzes auf ein recht gut
restauriertes Kleinbahnhofsgebäude, die Anlagen der Staatsbahn (die von
Loburg aus hierher auf dem extra gebotenen Dreischienengleis fand) verfallen
(Personenverkehr endete 1999), werden aber für einen Loburger Dampfverein
vorgehalten.
2006 hatte sich die Normalspurstrecke Loburg - Altengrabow so gezeigt:
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| Loburg: altes Stellwerk,... |
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...abgestellte (Museumsbahn-)
Wagen |
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Trasse bei Bomsdorf, je 2006 |
Verkehrsknoten Magdeburg
In und an der Landeshauptstadt
Magdeburg treffen sich eine Vielzahl unterschiedlichster Verkehrswege:
neben der alten Fernverkehrschaussee und heutigen B1, der auch schon alten RAB
/ BAB 2 treffen Elbe, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal aufeinander; nicht
weniger als acht Eisenbahnlinien streben in alle Himmelsrichtungen. Obwohl
A2-Ausbau, A14-Neubau nach Halle, demnächst Altmarkautobahnentstehung sowie Fertigstellung des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr.17 Ingenieure
und Baustellentouristen am meisten lock(t)en, gab und gibt es für
Verkehrsreliktforscher einiges zu bestaunen: bereits in den 1930er
Jahren war begonnen worden, Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal mittels
großer Elbüberbrückung sowie Schleusenanlage Hohenwarthe miteinander zu
verknüpfen um Schiffen den zeitraubenden Umweg über das berühmte
Schiffshebewerk Rothensee (noch immer Touristenmagnet) sowie die Schleuse
Niegripp zu ersparen; der Krieg hatte zur Baueinstellung geführt und bis in
die 1990er Jahre markante Beton-Bauruinen hinterlassen. Heute steht besagtes
Verkehrsprojekt auf gleicher Trassenführung mit hochmoderner Doppelschleuse
Hohenwarthe kurz vor der Vollendung. Weniger bekannt ist der alte
Bahndamm der Eisenbahnlinie Magdeburg - Burg - Berlin, der zwischen Gerwisch -
Lostau - Hohenwarthe - Niegripp und Burg einen viel nördlicheren
Verlauf genommen hatte (eröffnet 1846); erst 1871 durchstieß man den
"Höhenrücken" des Hohen Fläming bei Möser und erhielt eine weit
weniger hochwassergefährdete Bahnstrecke, eine der ersten aufgegebenen
Bahn-Überlandtrassen hinterlassend.
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Blick von Kreuzung
Alter Bahndamm / Alter Kanaleinschnitt nach SO
Widerlager der proj. Straßenbrücke Hohenwarthe - Niegripp (1997) |
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Standort Alter
Bahndamm, Blick Nordost
Elbe-Havel-Kanal vor Fertigstellung; Widerlager beseitigt (2002) |
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Der Kanal 2008,
Standort Alter Berliner Damm:
noch immer ist der Dammrest der alten Straße zu erkennen |
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Der Alte Berliner
Damm ist hier eine Datschen-
Anlagen-Zufahrt |
Siehe auch Wasserwege/Elbehavel
(mit Relikten der Straßenquerung und Niegripper Alt-Kanal)
Zurück zum Alten Berliner
Eisenbahndamm; 2008 konnte der Autor diese Reliktzustände festhalten:
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| Heyrothsberg: große Ehle-Brücke... |
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...schon gesperrt; man sieht... |
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...ihre einstige
Hauptbahn-Zweigleisigkeit |
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| Gerwisch: der Bullengraben; jetzt
Wegdamm |
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Köf erinnert an Gerwischer
Güterbahn, die hier
den uralten Bahn"damm" kreuzte (Schneise im Ort) |
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Nördlich Gerwisch dient Bahndamm
einem
Ortsverbindungsweg |
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| Nördlich Hohenwarthe ist Damm
Landmarke... |
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..und nimmt einem Waldpfad auf (NSG
in Kiesabbau-Elbauen) |
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Für die Relikte im Magdeburger
Stadtgebiet (Elbebrücken!) siehe unter Verlegt/Stadt
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