Stuttgart.  Auf dem Weg ins Zentrum.

Stuttgart - das ist Champions League in jeder Hinsicht.  Die Landeshauptstadt ist Sitz der profitabelsten (Porsche) oder ältesten (Daimler) Automobilhersteller und mit deren Museen und Werken Pilgerort vieler Fans.  Eisenbahnlich lassen sich Ortsbezeichnungen wie Kornwestheim, Cannstatt und Rosenstein auch auf der Zunge zergehen lassen - heute stehen mit dem Projekt Stuttgart21 und der Schnellstrecke nach Ulm Mega-Bauvorhaben auf der Agenda, die in den kommenden Jahrzehnten für Schlagzeilen und Baustellentourismus sorgen werden.
Die sich in Windungen im Westen der City hinaufschraubende Gäubahn Richtung Böblingen - Zürich könnte somit eines Tages entbehrlich werden (Anbindung über Rohrer Kurve in NBS) - die Art der Nachfolgenutzung ist völlig offen.

Schon seit 1991 erlaubt die Schnellstrecke nach Mannheim gewaltige Fahrzeitverkürzungen gen Westen/Norden; die Anbindung der Altstrecke (und damit Pforzheim) wurde mit dem neuen Bahnhof Vaihingen (Enz) bewerkstelligt, wobei eine kleine Trassenverlegung notwendig wurde.
Die alte stark genutzte Linie Illingen - Ensingen - Kleinglattbach ( = Vaihingen Nord) stellt somit ein in Deutschland recht seltenes Beispiel einer aufgegebenen zweigleisigen elektrifizierten Bahntrasse dar.  Teilbereiche sahen bald Wüstung (unten), der alte Bf Vaihingen (Enz) Nord sinkenden Güterverkehr (links).
     
Kleinglattbach - mitten durch neuen "Park" Hier war mal IC-Verkehr (!) Brünnlesbach-Durchlass, je 2007
Alttrasse bei Ensingen 1996 und 2004 (weiter westlich)
Blick auf alten Bhf Ensingen 2004

Die rührige Privatbahn um Vaihingen / Enzweihingen (Verbindung zum einst weit entfernten Staatsbahnhof) mit zwei straßenbegleitenden Kunstbauten (Tunnel unter SFS-Bahnhof mit L1125 und Enzbrücke mit B10) ist erst jüngst in die Kaste "Exbahn" übergegangen:

Kleinglattbach 2007: Sehr nah im Wohngebiet
Unter dem NBS-Bhf Vaihingen Alter Kleinbahn-Hp Trasse im Stadtgebiet  (je 2005)
Vaihingen, Schlossblick - Brücke schon gesperrt Der Stadtbahnhof - je 2007
Mit B10: gemeinsame Enzbrücke  (je 2005) Enzweihingen: alter Lokschuppen
Enzweihingen, Endbahnhof 2005

Bietigheim-Bissingen (S-Bahn-Endpunkt) wird wegen des sehenswerten Enzviaduktes von Bahnfotografen angesteuert - die selteneren Bahnarchäologen erinnern sich an eine einst günstige West-Ost-Verbindung, mit der der überlastete Knoten Stuttgart weiträumig umfahren werden konnte.  Als KBS 312d Bietigheim - Marbach - Backnang recht kurz verzeichnet, erlaubte die Strecke zwischen Bietigheim und Heutingsheim (heute Freiberg a N) ab 1879 niveaufreies Kreuzen der Nord-Süd-Strecke Stuttgart - Würzburg und stellte somit die direkte Verknüpfung der West- mit der Murrbahn (Karlsruhe - Pforzheim - Backnang - Crailsheim - Nürnberg) her.  Nach Kriegsschäden nicht wiederaufgebaut, zeigten alte Generalkarten noch lange die große Brücke über die L1113 und A81, heutige Wanderkarten Einschnitte beim Fißler- und Wilhelmshof (seinerzeit mit 12m Tiefe Rekordhalter im Königreich) - entlang der alten Bahn verläuft in Heutingsheim nun teilweise die Straße "Alte Bahnlinie".

Der Einschnitt am Fißlerhof ist im Gegensatz zu anderen Trassenstellen noch wenig eingewachsen; am Wilhelmshof fand sich 2005 eine Wegbrücke über dem "Tiefe" verlierenden Bahneinschnitt (Bilder oben); ähnliche Straßenbrücken (zB K1671, alte B27) sind in jüngerer Zeit zugunsten von Aufschüttungen abgetragen worden.

Heutingsheim: Widerlager mit großen Sandsteinzierquadern in Treppenform (1997) Alte Straßenbrücke über Straße "Alte Bahnlinie"  (2004)

 

Klassische Stichstrecke, jüngst eingestellt:  Ludwigsburg - Markgröningen
Die erst 1916 eröffnete, nur gut 8km lange eingleisige Nebenbahn verlor ihren Personenverkehr 1975 (was ihre Abwesenheit in der Buchreihe "Abschied von der Schiene" erklärt); ein reger Güterverkehr zu einem Kleidungsketten-Logistikzentrum fand noch bis 2002 statt; 2005 wurde die Strecke (bis auf einen kleinen Anschluss am Streckenbeginn) stillgelegt.  Die auch hier überbordende Pendel-, Landsiedel- und Gewerbeausbausituation -wir befinden uns in einer der wirtschaftsstärksten deutschen Regionen- führte natürlich seit Regionalisierungszeiten zu Regio-Shuttle- bzw. gar S-Ausbau-Plänen; eine Realisierung lässt auf sich warten.  Die neue südliche Umgehungsstraße Markgröningens wurde immerhin so tief gelegt, dass eine Brücke der kreuzenden Bahn vergleichsweise einfach nachzurüsten wäre. Leider mit Kostentragungsdiskussionen, je ferner dieser Bau rückt...  Das Team schaute in den letzten Monaten mal wieder vorbei und errang die folgenden Fotoeindrücke:

Möglingen, ein Straßendurchlass Der alte Bahnhof Möglingen Gleis Richtung Markgröningen
Blick über Umgehungsstraße... ...zurücjk Richtung Möglingen Ende Rangierbereich Markgröningen
Markgröningen, Bhf... ...und letzter Kilometerstein, je 2009

 

Die Metropole

Im Königreich Württemberg ging der Eisenbahnbau von Cannstatt (heute Stuttgarter Stadtteil) 1845 (nach Untertürkheim - Esslingen) aus. Schon im Jahr darauf wurde Stuttgart selbst erreicht; dafür war bereits eine aufwändige Neckarbrücke (neun Holzbögen à 20m Spannweite) sowie der Rosenstein-Tunnel erforderlich.  Dieser wurde zwecks ästhetischer Sichtbeziehungen unter die Mittelachse des gleichnamigen Schlosses gelegt; der Bahnhof wurde in der damaligen Schloßstraße, der heutigen Bolzstraße 8 platziert.  Stetig wachsende Platznot führten zwar ab 1868 zu einem Neubau an gleicher Stelle sowie 30 Jahre später zur Verlegung von Sekundärfunktionen (Lokbehandlung, Güterumschlag) an andere Stellen - erst zwischen 1911 und 1922 wurde der heutige, weiter östlich gelegene Hauptbahnhof errichtet.  Dabei entstanden ebenso der neue Rosenstein-Tunnel und die neue Neckarbrücke (Spannbetonbogen).  Von dieser Anfangszeit der Eisenbahn in Stuttgart haben sich bis heute erhalten:  ein Fassadenteil des alten Bahnhofes (in Kinocenter integriert), das Ostportal des Rosenstein-Tunnel (zugewachsen) sowie ein kleines Bahntrassenstück westlich des Bhf Cannstatt, der die ausholendere Neckarquerungskurve nachempfinden lässt.  Bemerkenswert: ein Torbogen des alten Bahnhofes lebt seit 1926 als "Antoniustor" im unweit gelegenen Weil der Stadt weiter:

Bahnhofsportalrest Rosensteintunnel 2004
"Antonius-Tor" zu Weil der Stadt Detail - 1988 offenbar restauriert

 

Ehemalige Urtrassen im Stadtgebiet stellen sich im neuen Jahrtausend so dar:

- Centralbf bzw. Güterbhf - Gäubahn:  Kurve an Form des Pragfriedhofs erkennbar, ebenso Schrebergärten auf Trassee, vielfach Überbauung (Mönchstr.)

Blick von der Brücke der Heilbronner Straße über die Gäubahn.  Rechts war die Urkurve Richtung Central- bzw. Güterbahnhof, später ein Anschlussgleis Richtung Wagenhallen (im Bild zentral).  Reste von Installationen der monumenta05 überdauern noch im November.
Nebenbei:  die einstige Straße Stuttgart - Ludwigsburg (heutige Heilbronner Straße B27) war hier durch die Gäubahn zunächst unterbrochen (hieß um 1910 Bahnhofstraße) und durch das Brückchen des Eckarthaldenwegs verbunden.
Fläche Stuttgart21 C1 Nordbahnhofviertel:  Wohn- und Sondernutzung vorgesehen.

- Centralbf bzw. Güterbhf - Centralbahn:  Gleisreste im ehem. "inneren Nordbhf", auch von Wohnhäusern überbaut

Rangiergleise Gbf Innerer Nordbahnhof (einstige Centralbahn Stuttgart - Bietigheim) 2005:
von hier verschleppte das NS-Regime 1941-1945 über 2200 Menschen jüdischer Herkunft Richtung Konzentrations- und Vernichtungslagern - nur die wenigsten überlebten.
Schild ist der Anfang des geplanten Zeichens der Erinnerung - www.geissstrasse.de 

- Centralbf bzw. Güterbhf - Cannstatt:  zweigleisige Strecke von 1864 mit Galgensteigtunnel (Anfang der 1920er abgetragen) - bis etwa 1925 auch im Nahverkehr betriebene Trasse später vom Wagengut-/Zollbhf vereinnahmt, Gleise und Gebäude jüngst beräumt  (Rahmenplan Stuttgart21)

Stuttgart21 - Fläche A1
Im Jahr 2005 faszinierende Ödnis mit amerikanischen Aussichten (Blick Richtung Rosenstein).
Hier befand sich der Wagengutbahnhof, weiter links das Zollamt bzw. früher die Urtrasse, die in Blickrichtung mit Galgensteigtunnel die Bergnase sowie die rechts liegenden neueren Bahngleise unterfuhr.
Budapester und Mailänder Platz sind Begriffe und Orte der Zukunft sowie Urbanität.  Selbige wird gestützt nicht zuletzt durch unterirdische Erschließungsstraßen (ähnlich Potsi Berlin) und könnten Verkehrsrelikte der weiten Zukunft werden....
Dieser Bauabschnitt begann zuerst und hat mit sehenswerter Architektur (Landesbank) neue Freunde gefun

Ebenfalls erwähnenswert die Gäubahntrasse als extrem attraktive Halbhöhenlage (Stuttgart21 Teilgebiet D, nicht vor 2014) und das bereits in Umwandlung befindliche Areal E "Gewerbegebiet Westbahnhof": 

Gäubahn - Westbahnhof (wieviel Zukunft?) Stellwerk Swf... ...und älteres, beide erhaltungswürdig !!

 

Das Besondere an Stuttgart, seine ausgeprägte Kessellage sowie die Verteilung von Fabriken über das gesamte Stadtgebiet, hatten spektakuläre, steile und kurvige Anschlussgleise erfordert, deren letzte im Straßenplanum gelegene (so Zuffenhausen) allmählich stillgelegt werden.  Heutige Autofahrer rechnen einfach nicht damit, dass ihnen mächtige Dieselrangierloks entgegenkommen, zumal die Straßenbahngeschichte ebenfalls zugunsten der normalspurigen separat trassierten Stadtbahn endet.  Beim Kraftwerk Münster Cannstatt, entlang der Haldenstraße gelangen 2004/05 Schnappschüsse des einst verzweigten Anschlussgleisnetzes, sogar ein Lokschuppen ist noch als solcher zu erkennen:

Links hoch zur Hauptbahn, rechts unten zum Kraftwerk Gleisrest... ...und Blick Richtung Kraftwerk

Interessant ferner eine alte Güter-/Werksbahntrasse:  das stetig wachsende Daimler-Stammwerk Untertürkheim (1904 aus Cannstatt übergesiedelt) konnte in den 1940er Jahren am anderen Neckarufer das sogenannte "Flaschenhals-Gelände" erwerben welches mittels Neckar-Betonbogenbrücke, Werksbahndämmen mit dem Rangierbahnhof Untertürkheim angebunden war.  Die Straße Cannstatt - Untertürkheim - Esslingen (Reichsstraße 10) führte als Mercedesstraße (früher: Fabrikstraße) mitten durch das Werk (von der Werksbahn überquert) und konnte erst 1957 mit Ausbau der nördlich um das Werk führenden Benzstraße für den allgemeinen Verkehr geschlossen werden. Im Gegenzug erhielt die Stadt das Flaschenhalsgelände für ihren neuen Großmarkt.  Das gleichgebliebene Anschlussgleis unterfuhr unverändert im Tunnel ein Rangiergleis und die (kontinuierlich verbreiterte) Benzstraße (damalige B10), führte mitten durch das Allerheiligste (u.a. Entwicklung, Fertigung von Pkw-Aggregaten und Lokomotiven-Großmotoren) auf Dämmen und Brückchen, querte sodann auf der Daimlerbrücke den Neckar und fädelte sich in die Werksgleise des Großmarktes ein.  Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Großmarkt nurmehr von Süden (neuere Neckar-Bahnbrücke am Ölhafen) mit der Schiene erreichbar; die (seit den 1950ern neue) Stahlfachwerk-Neckarbrücke dient nun Fußgängern, während die heute vierspurige B10 am südlichen Neckarufer (Uferstraße) samt Anschlussstelle den Bereich der Großmarktrampe völlig verändert hat (Umbauten seit 1990).  Im Mercedes-Benz-Werk ist die langjährige "Spionagebahn" samt Dämmen und Brücken zugunsten weiterer Neubauten erst in jüngster Zeit verschwunden; die Neckarbrücke dient bisweilen Film-Dreharbeiten.

Der Tunnel unter Bahngleisen und paralleler ex-B10.
Vom Gütergleis Werk Untertürkheim hat sich auch ein Rest an der Parkhauszufahrt erhalten.
Foto von 2005.
     
1930: Güterbahnlinie markiert damalige Firmengrenze
Noch heute hier Stadtbezirksgrenze Cannstatt/Untertürkheim
Mercedesstraße nach Esslingen seit 1932 R10 - heute Werksstraße
Shed-Bau 131 links oben noch heute vorhanden (ohne Kamin);
rechte Gebäude im Krieg teilzerstört, ähnlich wiederaufgebaut
Äcker im Vordergrund nun dicht mit Daimler-Verwaltung bebaut
Brücke und Bahndamm seit 1990ern abgetragen
   
Die Neckarbrücke, Blick Daimler
Links der Fußweg, Rohrhalter auf Schienenkrampen Brücke über die Neckarwiesenstraße, Blick Ost
Links einst Dammkurve zur Neckarbrücke

 

Literatur:
150 Jahre Eisenbahn in Württemberg, München 1994
Das Werk Untertürkheim - Ein historischer Überblick, Daimler-Benz AG 1983
Luftbild: Stadtarchiv

Straßenrelikte

B10
Superwichtige Fernstraße Richtung Vaihingen - Bretten, auf wenigen Abschnitten schnellstraßig ausgebaut. Mitunter Ortsdurchfahrten, aber die gefürchtete enge Schwieberdinger seit 1962 mit Umgehung verlegt (hier berühmte Glemstal-Betonbogenbrücke).  Die alte R/B10 kann -seit Verlegung alter Zufahrtsrampen- nun auch reliktisch vorgefunden werden:

Schwieberdingen: Gute..., ...,ahnbare und... ...kaum sichtbare Erinnerung an R/B10 (je 2009)

 

B27
Die hier vielleicht bedeutendste Fernstraße ist auf großen Abschnitten zu einer Schnellstraße ausgebaut worden; an manchen Stellen ist die unmittelbar parallele Alttrasse ein teilrenaturierter Rad- und Wirtschaftsweg, so zwischen Bietigheim (Fißlerhof) und Tamm (Bild li.) - die Brücke über den so tiefen Einschnitt der oben vorgestellten "Querbahn" indes war 2005 längst verschwunden.
Zwischen Degerloch und Echterdingen konnte die Doppelkurve der Körschschlucht umgangen werden; hier dienen Straßenteile vielfach Zufahrten zu Gärtnereien o.ä (Bild re.).  Kaum zu glauben dass keine 1000m entfernt die berüchtigte Daimler-Konzernzentrale "thront"...

B14
Als Verlängerung der A81 die Südwesteinfallstraße des Kessels; nach Ausbau um Heslach samt aufwändiger Tunnel konnten die Serpentinen nahe des Rudolf-Sophien-Stifts gesperrt werden, zugleich entfiel das Nadelöhr Gäubahnbrücke:

Gesperrte ehem. Bundesstraße am Schattenring Abstieg zur Gäubahnbrücke - - diese einst ein Nadelöhr  (2005)
Einen Winterreifentest verhindert die Schranke... ...diese östliche Kurve jetzt Zu-/Abfahrt B14n (2009)

 

Landstraßen

S-Möhringen, Hechinger Straße
Verkehrsströme seit Anfang der 1990er über die Nord-Süd-Straße Richtung Vaihingen gelenkt, damit auch alter BÜ entbehrlich:

Nordbeginn der Altstraße, rechts Freibad Möhringen
Kurve vor dem... ...ehem. Bahnübergang (damals Tramlinie 6, heute U5)

 

Fildern,  Echterdingen - Bernhausen
Die alte Landstraße musste dem Flughafen weichen; im Westen als Spazierweg mit Metropolenpanorama verwendet:

Im Hintergrund der Flughafen mit startendem Jet (2005)

Alte Rennstrecke Solitude
Auf den Waldhöhen südwestlich der Stadt befindet sich seit 1769 das Jagdschloss Solitude des Herzogs von Württemberg.  In der rennsportbegeisterten vorletzten Jahrhundertwende etablierte man hier eine Rennstrecke, die 1925 schließlich spektakulär teils über staubige Waldwege, mit dutzenden Kurven und nicht unerheblichen Steigungswechseln erstmals zu einem 22km langen Rundkurs ausgebaut wird.  Bugatti, Mercedes, Manfred von Brauchitsch, Paul Pietsch, sind berühmte "Eckwerte" einer heute fast vergessenen Rennstrecke, die zB in den 1950ern fast eine halbe Million Zuschauer kannte und die zwischen 1961 und 1965 Formel 1-Rennen sah !  Sicherheitsprobleme führten zur Einstellung 1966; heute freilich sind Seifenkisten- und Oldtimer-"Rennen" gerne gesehene Gäste auf Streckenteilen, die auch jederzeit und jedermann unter seine Räder nehmen kann:
Breite an Start/Ziel ahnbar Der 1954 gebaute berühmte Zeitnahme-Turm Boxenstopp  (heute K9505)

 

Alte Engelbergtunnel, alter Aichelberg und altes Stück A81 Mundelsheim siehe unter Straßenrelikten / Autobahnverlegungen

 

Ermittlungsziel Fildern:

Diese fruchtbare Hochfläche südöstlich der Landeshauptstadt ist in den 1930ern mit Reichsautobahn Karlsruhe - München und Verkehrsflughafen Echterdingen bereichert worden, war aber in der Eisenbahnhauptbauzeit rechts (Obere Neckarbahn nach Reutlingen - Horb 1857) oder links (Gäubahn 1879) liegen gelassen worden.  Doch noch vor der Jahrhundertwende begann das Schienenzeitalter auf den Fildern; diese Geschichte ist bis heute eine sehr spannende und von vielen Wendungen begleitet.

Kleine chronologische Übersicht, reliktbezogen [Fotos unten]:

Strecke Jahr Ereignis
A, B 1888 Eröffnung meterspuriger Bahn Degerloch - Möhringen - Hohenheim
C, D, E 1897 Eröffnung meterspuriger Bahn Möhringen - Unteraichen - Echterdingen - Neuhausen
C, D, E
A
1902 Umspurung auf Normalspur Möhringen - Unteraichen - Echterdingen - Neuhausen
Elektrifizierung Degerloch - Möhringen und dritte Schiene für Normalspurgüterverkehr
B > F 1906 neue eigene Trasse Möhringen - Hohenheim und 3.Schiene (bis 1964); Relikte in ehem.Straßenlage keine
Alter BÜ mit alter R / B 27 (= Kurt-Schumacher-Str.)  am Hp Landhaus; neue B27 wird überbrückt ab 1964, seitdem Straßenbahnlinie 31
G, H, E 1920 Eröffnung der normalspurigen DRG-Strecke Vaihingen - Oberaichen - Leinfelden, weiter auf Filderbahn gen Neuhausen (E)
später wegen kleinerer Trassenverschiebungen um Rohr und Oberaichen Baumreihenrelikte
D 1920 Stilllegung der nordöstlicher verlaufenden Urtrasse Unteraichen - Echterdingen; Relikte: Wirtschaftsweg, stellenw.Wüstung [1]
neue Verknüpfung Unteraichen - Leinfelden (Anschluss an neue DRG-Filderbahn)
C 1925 Stilllegung der Filderbahn Möhringen - Unteraichen - Leinfelden
C
J
1927
1928
Wiedereröffnung als meterspurige elektrifizierte Überlandtram  Möhringen - Unteraichen - Leinfelden
und weiter über neue Trasse nach Echterdingen ("elektr.Filderbahn", später Straßenbahnlinie 6)
Alter (meter-, normal-, meterspuriger) BÜ mit Landstraße Möhringen - Unteraichen seit Umgehungsstraßenerrichtung 1980er beseitigt.
E > K 1937 Trassenverlegung Reichsbahnstrecke zwischen Echterdingen und Bernhausen wegen Flughafenbaus
Relikte:  teilweise Trassenwüstung
G, H, K 1955 Einstellung Personenverkehr DB-KBS 327n Vaihingen - Leinfelden - Echterdingen - Neuhausen
F 1967 Stilllegung Teilstück Hohenheim (600m, Straßenbahnlinie 31); seither Wendeschleife Garbe "Plieningen" (Straßenbahnlinie 3).
Relikte keine (Garbenstraße).
G, H, K 1983 Einstellung Güterverkehr und Stilllegung  Leinfelden - Echterdingen - Neuhausen.
K 1984

Abbau Teilstrecke Echterdingen - Neuhausen.
Relikte: Radweg / wüst, Trassenrestealte Agl Flugplatz Süd, umgenutzte Bahnhöfe  [3-8].

F 1985

Umspurung und Eröffnung der ersten Stadtbahnstrecke (Normalspur) als Straßenbahnersatz (...-) Möhringen - "Plieningen" als U 3.

H 1980er 

Abbau Teilstrecke Leinfelden - Echterdingen.  Relikte: zeitweise Trassenwüstung später als S-Bahn wiederaufgebaut, s.u.

G 1989 Eröffnung S2 (...-) Rohr - Oberaichen  auf alter DB-Filderbahntrasse mit neuer Zweigleisigkeit.
A, C 1990 Eröffnung normalspuriger Stadtbahnstrecke (...-) Degerloch - Möhringen - Unteraichen - Leinfelden als U 5  (dritte "Umspurung").
J 1990 Stilllegung der alten Straßenbahnlinie 6 (...-) Möhringen - Leinfelden - Echterdingen
Relikte: Trasse nun Max-Lang-Straße; teilweise Wiese oder Radweg  [2].
G, H, L 1993 Eröffnung S2 / S3 (...-) Oberaichen - Echterdingen - Flughafen), tw. Neubaustrecke zum Flughafen als Tunnel.
M 2001 Eröffnung Neubaustrecke nach Bernhausen als S2 (...-) Flughafen - "Filderstadt", verlängerter Tunnel unter Flugfeld.

Meterspurige Dampfstraßenbahn als Verlängerung der legendären Zahnradstrecke "Zacke", zeitweise Dreischienenbetrieb (Güterwagen lösen Rollböcke ab), Umbau auf Normal-, später wieder Meterspur, bald Elektrotriebwagen, ersetzt mit DRG-Staatsbahnstrecke samt Neubauabschnitten (Betrieb mit DB-Dieselloks bzw. SSB-MaK-Lok) - wechselnde Betriebsführer bzw. Gesellschaften, später zweites Gleis und Straßenbahnbetrieb (auch Ellok-Güterzüge), noch später zu normalspuriger Stadtbahn "U-Bahn" umgebaut, andere Teile klassisch stillgelegt, bald als S-Bahn wiederaufgebaut, verlängert,  Trassenbegradigungen und -verlegungen, Bahnhofsneubauten, brandneue S-Tunnel, Radwege auf Alttrasse - ein thematisch wunderbar reiches Gebiet.
Möhringen, heute Stuttgarter Stadtteil ist bekanntgeworden mit der neuen Daimler-Konzernzentrale, mehr noch mit seinem verlegten Bahnhof (Bahn-Kreuzung in vier Richtungen) - nahebei fanden sich lange Zeit Widerlager einer Brücke als Relikt einer nie gebauten Umgehungsstraße...

Zukunft der Fildern: mittelfristig die Neue Messe Stuttgart, langfristig die Schnellstrecke nach Ulm über den Flughafen...

Kleine Fotoumschau (2004):

[1] bei Unteraichen wüst, dann Weg [2] Hier war mal die Tram-Linie 6 (Echterdingen)
[3] Trassenrelikt... ...unter der L1208 bei Echterdingen..., [5] wüst neben Radweg...,
[6] Radweg auf alter Filderbahntrasse
Signalfundament [8] Bahnhof Bernhausen, heute S-Bahn tief.

 

Überlandstraßenbahn Esslingen-Nellingen-Denkendorf (END)

Erst 1926, nach jahrelangen zeitbedingten Verzögerungen, ging eine Überlandstraßenbahn in Betrieb, um östliche Fildergemeinden an "ihre" Oberamtsstadt Esslingen anzubinden. Idee und Betriebsmittel stammten vom örtlichen traditionsreichen Lok- und Wagenhersteller Maschinenfabrik Esslingen. Die wunderschöne gebirgsartig gewundene Trassenführung bediente Pliensau, Zollberg, Nellingen und Denkendorf; ab 1929 gab es den zusätzlichen Ast über Scharnhausen nach Neuhausen.  Oberbaumängel und mangelndes Gespür für zukünftiges Tourismuspotential führten schließlich auch hier zum Siegeszug des Omnibus - die meterspurige Strecke wurde 1982 stillgelegt.
Neuhausen auf den Fildern verlor somit nach der Filderbahn (1955 Ende Pv) ihren zweiten Bahnanschluss - die Gemeinde liegt ideal an einer Autobahnauffahrt - diese freilich ist nach Esslingen benannt...
Ach ja: die Maschinenfabrik Esslingen gehört seit ihrem Produktionsende in den 1960ern dem benachbarten Verkehrskonzern Daimler und ist seit dieser Zeit ohnehin nur Grundstücksgeber für den expandierenden Automobilbauer... 
Heute finden sich noch manche Relikte der Überlandtram, jüngst mit Erinnerungstafeln gekrönt:

Gleisrest bei Nellingen   Oberleitungsmast   Gleisrest in Scharnhausen
Körschbrücke vor Scharnhausen, rechts war Trasse   Radweg vor Neuhausen   Haltestellenwartehäuschen Neuhausen

 

Radweg auf alter Bahntrasse - dieser Klassiker ist (als "Bundeswanderweg") besonders reizvoll im Siebenmühlental zu genießen:  die alte KBS 318a, 327d Leinfelden - Waldenbuch kann dabei große Viadukte (wenn auch aus Beton) aufbieten und bestand zwischen 1928 und 1955.

Altes Bahnhöfle Musberg Bundeswanderweg bei Musberg
Viadukte bei der Mäulesmühle..., ...einem Bachtal..., ...bei der Seebruckenmühle

 

Dank für viele Bilder an Stefan Kurz, Michael Mögle, Volkmar Scheffel und Peter Schöler; viele weitere Fotos in Vorbereitung.

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