Bad Berneck  (Hochfranken)

Regionen im Fokus:  verlegte Autobahn und alte Nebenbahn

Im nördlichen Oberfranken strebt eine der wichtigsten deutschen Fernstraßen, die Autobahn München - Berlin gen Norden.  Zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald hat sie auf Höhe von Himmelkron eine schwere Steigung zu bewältigen, nähert sie sich einer anderen Verkehrsmagistrale, der ehrwürdigen Hauptbahn Bamberg - Hof.  Diese KBS 850 erklimmt die Hochfläche von Marktschorgast mithilfe der berühmten Schiefen Ebene.

Dem überbordenden Verkehrszuwachs seit Einheit und Osterweiterung wurde im Falle der Eisenbahn mit Bau der Schlömener Kurve (Entfall Kopfmachen in Neuenmarkt-Wirsberg, ICT-Route KBS 860 Nürnberg - Hof), im Falle der Straßen mit großzügigen Bundesstraßenausbauten (B299, 303) Rechnung getragen; der Löwenanteil der Verkehrsleistung spielt sich natürlich auf der A9 ab, die durch fertiggestellte Zuläufer (A70 Bamberg, A72 Chemnitz, A93 Ostbayern) zusätzlichen Verkehr auf sich zieht.  Noch im Jahre 2004 ist die A9 nicht durchgängig sechsspurig ausgebaut, zwängst sich der Verkehr teils ohne Seitenstreifen durch die Seenlandschaften des Vogtlandes.  In der Berichtsregion jedoch konnte bis Ende der 1990er mittels gewaltigen Kraft- und Mitteleinsatzes die einstige Reichs- und Transitautobahn zeitgerecht ausgebaut werden.  Um die Anschlussstelle Bad Berneck / Himmelkron war die Trassenführung mitten durch die Orte Lanzendorf und Kremitz derart ungünstig dass ein Ausbau schlicht unmöglich war.  Die Entscheidung für die Verlegung der gesamten Autobahn um mehrere hundert Meter gen Osten war folgerichtig, erforderte aber eine gewaltige Talbrücke und die Anlegung einer neuen Anschlussstelle.  Genannte Ortschaften kamen somit kurz vor der Jahrtausendwende in den überaus seltenen Genuss des Abbaues einer Autobahn.

Interessant daneben die Reste einer kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende eröffneten Nebenbahn:  seit 1896 konnte von Neuenmarkt-Wirsberg die westliche Fichtelgebirgsregion um Bad Berneck und Bischofsgrün erreicht werden.  Die eingleisige Strecke (ehem. KBS-Nrn. 419k, 818)  verlor ihren Personenverkehr schon 1974, Güterverkehr endete in Etappen, Anst.Küfner - Bischofsgrün 1986, zuletzt zwischen Lanzendorf und Anst.Küfner zum Jahresende 1993.
Damit endet für ein reichliches Jahrzehnt eine Strecke in einem Tanklager kurz vor den Lärmschutzwällen der neuen Autobahn.
Dieses Reststück, früher von einer alten Reichsautobahnbrücke überquert (abgetragen) und mit Flussbrücken ausgestattet (Weißer Main bei Himmelkron) durchleidet derzeit einen Stilllegungsversuch "Ausschreibung für Übernahme durch Dritte"...
Siehe auch Eisenbahnrelikte Nordostbayern

 

Selten ist zur Verdeutlichung von örtlichen Gegebenheiten ein Kartenausschnitt hilfreicher:
Aktuell die alte Trasse der A9, hell eingezeichnet die damals in Bau befindliche neue Trasse samt neuer AS.
2004 noch gültig / stimmig:  die knapp westlich der neuen A9 endende Nebenbahn, die einst bis nach Bad Berneck (östlich des Kartenausschnitts) und weiter führte.

Fotostandorte (je Mai 2004):
1:  Alte Abfahrtsrampe aus Richtung Norden
2:  Ehemalige Brücke über die Nebenbahn (abgetragen)
3:  Tanklager als letzter Gleisanschluss kurz vor A9
4:  wüst endender Bahndamm aus Richtung Ost
5:  Alte rechte Fahrspur Süd, Steigung!, Blick zur neuen Talbrücke

 

 

Aus BayernViewer (TK50) 2002, Aktualitätsstand ca. 1998
© Bayer. Landesvermessungsamt

 

Nachdem 2000 die alte Autobahn rekultiviert wurde, die Brücken restlos abgebrochen wurden, sind die wenigen Reste umso dokumentierwürdiger:

Um die alte Ausfahrt Bad Berneck:

1:  alte Abfahrtskurve aus Ri. Nord 1992 war noch alles unter Verkehr
Die Brücke der B303, Blick Süd Alter A9-Einschntit aufgefüllt - hinten B303-Brücke abgetragen
Teleblick von der B303-Brücke Richtung Norden Die alte Brücke im Zuge der B303

 

Die kreuzende alte Himmelkron - Bischofsgrüner Nebenbahn:

Beginn der Nebenbahn... ...mit Kurve und Wegbrücke, Zustand 2007
2:  Hier war die A9, Blick Nord 3:  Gleisende Gleisenhof vor Lärmschutzdamm neue A9 4:  Wüster Damm aus Ost vor neuer A9

 

Die Steigung Richtung ehemaligem Autobahndreieck Kulmbach:

5:  Steigung alte Fahrspur Süd Vorwegweiser zum damaligen (engen) AD Kulmbach (A70)
Blick zur neuen Talbrücke Nord-Blick zum neuen Gewerbegebiet Gleisenhof
Altes AD Kulmbach; links Betriebshaus noch heute vorhanden... ...an Andienungsstraße auf Trasse der alten A9 (Schneise links).
Hier neue sechsspurige A9 unmittelbar östlich.

Apropos Autobahndreieck: der sechsspurige Ausbau der A9 hat auch zu einem großzügigen Umbau des Kulmbacher Abzweigs geführt:  Fahrzeuge aus Süden mit Ziel Bamberg / Kulmbach müssen nun bereits bei der unweit südlich gelegenen, neuen Ausfahrt Bindlacher Berg (ist gleichzeitig eine Anbindung Bad Berneck Süd) die A9 verlassen um auf die A70 zu gelangen; aus Bindlach einfahrende Fzg erreichen über eine Verbindungsspur im Dreieck die A9 Richtung Berlin.  2004 zeigten sich die neuen Einschnitte und Dämme noch recht "jungfräulich", waren Asphaltreste der engen alten Fahrspuren zu erkennen:

Zwei Besuche im Sommer 2001 und Frühjahr 2004 bei jeweils ungewöhnlich klarem Himmel haben durch großartigen Fichtelgebirgsblick, riesiger Lkw-Parkplatz- / Tankstellenkomplexsituationen einen Eindruck wie in Nordamerika vermittelt - unschöne Begleiterscheinungen ausufernder Gewerbegebiete an Highways...

Dank für die historischen Fotos an Markus Barnick.  Auf seiner Webseite (Hommage an Bayreuth) gibt es viele weitere Autobahnbilder, unter anderem vom historischen 10.11.1989 (Trabiinvasion) oder von der 1998/99er Neu-A9-Großbaustelle.  Siehe unter http://www.bayreuthguide.de.vu

 

 

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