Hessisches Vielerlei
Um Schotten
Womöglich bemerkt man auf dem Weg
ins Herz des Vogelsberges überwuchernde Tribünen am Straßenrand; dabei
handelt es sich um Überreste der einstigen Rennstrecke
"Schottenring" (teilweise B276). Bahngeschichte ist ebenso
vorzufinden: neben der Stichstrecke Nidda-Schotten ist bekannter die
Vogelsbergquerung Oberwaldbahn Stockheim - Gedern - Lauterbach (heute
großteils reizvoller Vulkanradweg) mit Abzweig der Vogelsberger Südbahn
über Birstein; im Nordosten bei Alsfeld / Schlitz könnten alte Strecken im
Jossa-, Fulda- und Schlitztal von Interesse sein, während im Westen Laubach
(ex KBS 193e Hungen-Mücke sowie kurze Güterstichstrecke nach Ruppertsburg) und
Lich (Butzbach-Licher Eisenbahn nach
Grünberg) Zielgebiete sein sollten:
Wetterau
Die flache Landschaft ist von
Landwirtschaft und geringen Braunkohlevorkommen geprägt. Der Abbau ist
bereits Geschichte, die früher so beliebten Feldbahnen von Wölfersheim sind
samt Dämmen restlos zurückgebaut worden. Zwischen Gießen und dem
Rhein-Main-Raum gelegen, ist eigentlich Durchgangsverkehr vorherrschend,
dennoch war ein ganzes Netz von Erschließungsbahnen vorhanden, was
schrittweise in die Historie übergeht; wir nutzen die höhepunktlose
Landschaft um uns dem reizvollen Vogelsberg zu nähern, riskieren aber doch an
der einen oder anderen Stelle einen Blick:
Butzbach - Licher Eisenbahn.
Neben der Verbindung genannter Städte existierten noch die Strecken nach
Oberkleen (Taunusrand, i.V.) und Bad Nauheim. Die einst stolze und
erfolgreiche Privatbahn ist ebenso Opfer der Massenmotorisierung der 1960er
geworden, sind Streckenteile vollständig abgegangen. Zwischen 1993 und
2004 sind folgende Relikte vorgefunden worden:
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| Pohl-Göns: links
nach Oberkleen, rechts Agl USArmy |
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Gambach: EG BLE,
vorne Agl Steinwerk unterbrochen |
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| Trais-Münzenberg:
Einschnitt schafsgerodet? Je 2004 |
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Die Staatsbahnstrecke
Lich - Grünberg, die über Bessingen und Queckborn ziemlich
geschwungen verlief (hier ebenso ein alter Wehrmachtsflugplatz
Geschichte), ist großteils Radweg, sieht aber stellenweise auch
Relikte und typische Wüstungsstücke, so die Betonbrücke Lich (Bild
von 1993), die die Strecke über die Gießen - Stockheimer Strecke
überführt und so zusammen mit der BLE eine niveaufreie Kreuzung
ermöglichte (Tanklager Butzbach - Flugplatz).
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Ex KBS 193e Friedberg - Mücke
Diese Wetterau-Diagonale ist eine
Gießen-Umgehung und setzt sich aus den Teilstrecken Beienheim - Hungen und
Hungen - Laubach - Mücke zusammen.
Erstere Strecke musste nach langem Kampf schließlich teilweise aufgeben;
zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen ist vier Tage nach Entstehung des
Fotos nahe der überbrückenden A45 die Trasse rechtlich stillgelegt
worden. Bei Berstadt entpuppt sich eine massive Betonbrücke als
Braunkohlenbahnrelikt:
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| 2004: schade um
die gute Trasse... |
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...statt
Kohlenbahn nun Kohlabfuhr-Traktoren ? |
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| Hungen: auch Agl
Geschichte |
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Einschnitt der ex
KBS (je 2004) |
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| Widerlager und
altes EG von Ruppertsburg (1993) |
Vogelsberg
Lauterbach - Stockheim
(ex KBS 193d bis Vilbel durchgebunden)
Beschreibung entgegen der Kilometrierung, in West-Ost-Richtung:
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In
Ortenberg findet sich die Brücke über die Nidder vollständig
überbaut (Bild links !!!), wobei weniger Assoziationen an Florenz
oder Erfurt aufkommen, als vielmehr an mittelamerikanische
Armenviertel.
In Lissberg erinnert die dreieckige Flussbrückenform an das hier
einst abzweigende Anschlussgleis an eine kleine Fabrik; wenige Meter
weiter beginnt endlich der Bahntrassenradweg, beweisen kleine
Grabendurchlässe mit ihrer Verstärkung die verbauten (EU-) Gelder:
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| Lissberg:
Nidderbrücke... |
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...mit
dem abzweigenden Agl |
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| Radweg,
feudal gebaut (je 2004) |
In Hirzenhain war noch Mitte der 1990er
Schienen der Anschlussgleise des Buderus-Werkes an und in der Bundesstraße zu
sehen; heute freilich ist auch dieser Ort mit Hinweistafeln zu dem
Vulkanradweg ausgestattet, sind Werksgelände Supermärkte bzw. deren
Parkplätze.
Gedern ist bekanntgeworden mit seinen Höhengewinnungsschrauben; es findet
sich neben dem obligatorischen Supermarkt auch ein kleines Museum auf
Bahngelände, sind Dämme entweder bereits widerlagerlos oder, wie an der
Straße nach Oberseemen mit schöner Bogenbrücke gekrönt. In
Oberseemen ist der Radweg zunächst zu Ende, ist das alte Bahnhofsgelände mit
unzugänglichem, verfallendem Empfangsgebäude in einem Werksgelände:
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2004: bei Gedern:
doch noch eine Radwegbrücke |
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Oberseemen:
Bahnhofsruine in Fabrikgelände |
So allmählich wird der
Scheitelpunkt der Vogelsbergbahn erreicht; zuvor gibt es eine
Waldwegbrücke über dem Bahneinschnitt, 1999 hier noch lange kein
Radweg (links):
In Hartmannshain (privates, nettes Bahnhöfle) mündete von Süden die
Vogelsberger Südbahn ein, die von Wächtersbach (Frankfurt - Fulda)
über Birstein kleinere Orte verbunden hatte. 2008, bei besseren
Wuchsbedingungen, schauten wir nochmals nahe Neudorf (Wächtersbach) nach - im
Gegensatz zum mächtigen Damm (laut TK) fanden sich immerhin die alten
gemauerten Widerlager der Brachtbrücke sowie einer weiteren über einen
Nebengraben:
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| Bracht: nurmehr westl.
Widerlager; |
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von Nebengrabenbrücke beide
erhalten - |
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sehenswert (je 2008) |
Offenbar ist diese
alte Trasse ebenfalls stellenweise Radweg, nicht aber auf der
markanten Dammkurve unmittelbar vor dem Abzweigbahnhof (s.u.l.)
Irgendwie heute doch unvorstellbar, eine Nebenbahn auf diesen
entlegenen, dünn besiedelten Höhen !
Der Radweg nutzt nun Einschnitte bis auf Höhe Oberwald; der
Fabrikkomplex im Wald (bis hierher fand Restgütervekehr bis 1991
statt) erinnert an eine Muna - näheres i.V.
Die
einstige Brücke über die B275 ist bis auf die Widerlager abgetragen, erst
danach fällt der perfekte Vulkanradweg sanft und kurvig Richtung Lauterbach
ab:
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| Hartmannshain: der
Damm der abzweigenden Bahn nach Birstein |
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B275,
ehem.Vogelsbergbahnbrücke, Blick Nord (je 2004) |
Die Strecke ist im Ortsbereich von Lauterbach
bis 2001 im Restgüterverkehr betrieben worden; seitdem sind eine Flussbrücke
sowie der BÜ mit der B275 auch Geschichte. Weiteres zu Lauterbach
demnächst...
Alsfeld - Niederaula
Die alte KBS193q verband die Täler von Schwarm, Jossa und Fulda und die
wunderschönen Fachwerkstädte Alsfeld und Hersfeld. Zwei große
Viadukte und hohe Dämme erinnern an die nicht ganz so einfache
Trassierung. Der Viadukt bei der Hardtmühle war leider vor
Inaugenscheinnahme des Autors abgetragen worden.
Die 1915/16 eröffnete Strecke bot Personenverkehr bis 1974; Güterverkehr
endete großteils 1988. Kleine Umschau:
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| Alsfeld-Niederaula:
Betonbogenviadukt bei Eifa, nicht betretbar |
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(2002) |
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| Waldwegbrücke... |
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...und Trasse
unweit Hp Auerberg (1993) |
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| 2002: Widerlagerrelikt
in Schwarz... |
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...und
Brückenrest bei Niederjossa |
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Bad Salzschlirf - Niederaula
Diese Schlitz- und Fuldatalbahn verband gleichfalls kleinere Flusstäler
und pittoreske Städtchen; die Betriebszeiten waren hier 1898 (Bad Salzschlirf
- Schlitz), 1914 (Rest) bis 1964 (Personenverkehr); Stilllegung 1974
(nördlich Schlitz) und 1989 (alter Südast). Bis heute finden sich alle
Arten von Bahnwüstung:
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| Bad Salzschlirf
Eisengitterviadukt 2004 |
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