Ulstersack, Kuppenrhön.

Schicksal eines Grenzgebietes

An der ehemaligen innerdeutschen Grenze, südlich Philippsthal / Pferdsdorf ragt ein hessischer Zipfel weit nach Thüringen hinein, seiner Form und Lage im Ulstertal wegen Ulstersack genannt. Das Schicksal wollte es, dass die Bahnstrecke Bad Salzungen (km 0) - Wenigentaft-Mansbach (ca. km 28,5) viermal die Staatsgrenze überschritt und so eine eisenbahn-/grenzhistorische Geschichte ihren Anfang nahm. Wenigentaft selbst (Mansbach liegt schon in Hessen) hatte weitere Bahnanschlüsse: von Hünfeld kam die Tafttalbahn herein (ebenfalls durch die Grenze / Taftbrücke unterbrochen), nach Süden wurde der Anschluss über Motzlar (ebenfalls durch Grenze zerteilt) nach Hilders zur Rhönbahn geschaffen und die private Wenigentaft-Oechsener Bahn diente der Abfuhr der bei Oechsen gelegenen Kalibergwerke.
Da auch die Strecke nördlich Pferdsdorf / Unterbreizbach (siehe dazu weiter unten) das hessische Philippsthal berührte, war 1952 Schluss mit dem Bahnverkehr im Ulstertal; während die DDR natürlich in ihren Bereichen die Schienen entfernte, sind noch heute auf den hessischen Teilstücken (410 bzw. 1000m) die stark überwucherten Gleise vorzufinden.
Sogar Reste eines Signals, einige Weichen sowie ein Prellbock haben dort die Zeiten überdauert.

Wertvolle Begehungsdienste leistet:  Fritsch-Wanderkarte "Westlicher Thüringer Wald"

Blick nach Süden bei km 27,7 - die geraden Hunderter stecken rechts Fast ganz am Ulstersack-Südzipfel
Kleine Brücke - Eisenträger in Mauerung Rest eines Einfahrsignals - links Schiene erkennbar
Bahnhof Wenigentaft, bewohnt (2015) Das Gelände Wenigentaft 1992

 

Die Tafttalbahn Hünfeld - Eiterfeld - Treischfeld - Wenigentaft-Mansbach, gelegen im "70%-Dregger-Land" wurde seit den 1970er Jahren sukzessive stillgelegt und verlor Anfang der 1990er Jahre ihre letzten Schienen; auch erste Brücken (wie hier in Hünfeld über alter B27, September 2002) wurden demontiert.   Mittlerweile ist hier ein bereisenswerter Radweg entstanden.   Natürlich waren wir hier ebenso öfters vor Ort und nahmen eine (unvollendete) Zweigleisigkeit (strategische Planung Umfahrung Knoten Bebra) nebst mächtiger Dämme, aber auch unscheinbarer Bahnsteigkanten wahr:

Hünfeld, unten ist alte B27 (heute K 121) Toprelikt Clausmarbacher Viadukt... ...mit Erinnerungs-Gleisstück
Nahe Betzenrod (1992):  Plan der Zweigleisigkeit, dann... ....Leimbach, mächtiger Damm.... 
...Jahre später Reste eines Bahnsteigs (2003) Leimbach, ein "versinkender" Kilometerstein
Bahnhofsgebäude von Grossentaft 2001... ...hoffentlich erhaltenswert

Spannend, die Grenzlage der berühmten Brücke über den Grüsselbach über die Jahrzehnte verfolgt zu haben:

Die Szenerie im Jahre 1993.... ...wie sie aus den Büchern "Grenze über deutschen... ...Schienen" bekannt wurde
Heute hier Radweg (2015) In Wenigentaft informative Tafel der beiden Bahnen

 

Die Ulster-Brücke der Oechsenbahn (unweit südlich des alten Bahnhofsareals) wurde jüngst restauriert und trägt nun -wie die gesamte Trasse- einen Radweg;  mehrere Hinweistafeln um die vorhandenen Bahnhofsgebäude informieren über die Bahn- und Grenzgeschichte.

Ulsterbrücke 1992... ...und 2001, nun mit Radweg
Vorne der alte Ulsterbahn-Bahnhof (2003)
Bei Bermbach:  1993 ruinös... ...2002 mit Radweg

Besagte Oechsenbahn führte von Wenigentaft-Mansbach nach Oechsen, wo sich Bergwerke befanden.  Betriebszeit war von 1912 bis 1952; bemerkenswert, weil (u.a. durch den Ulstersack !) von 1947 - 1952 ein Korridorverkehr (durch Hessen / Philippsthal Ost) von/ nach Vacha bestand und die Bahn im frühen Sozialismus nicht verstaatlicht wurde.

2002:  nahe Oechsen alte Verladeeinrichtungen; nahe ...Endpunkt der noch knapp erkennbare Lokschuppen

Die Situation bei Unterbreizbach / Philippsthal

Schienenende markiert ehemalige BRD-DDR-Grenze
(Philippsthal - Unterbreizbach)  -  Bild von 1992
Hier findet nun Kaliwerksverkehr statt
(neuer Brückenüberbau auf altem Widerlager, 2001)
1992: links DDR-Umgehungsstrecke Vacha-Unterbreizbach, rechts Ulster-Werksbahnbrücke
1995: links Rest der Brücke der Ulstertalbahn: sie überquerte die an dieser Stelle einst einer engen Doppelkurve 
olgende Straße und unterquerte gleichzeitig das Anschlussgleis zum Kaliwerk "Gewerkschaft Sachsen-Weimar"
2002:  Blick von Werksbahn auf Brückenpfeiler der Ulsterbahn mit Abstellgleisrestnutzung
2002: Widerlagerreste beseitigt; auch Pfeiler der Werksbahnbrücke neu

Nach Grenzöffnung und späterer Kalifirmenvereinigungen sah man die Erschwernis der Steilstrecke und band Unterbreizbach wieder direkt mit Hattorf westlich Philippsthal an, die alte Trasse großteils wiederbenutzend (s.o.) sodass für Bahnenthusiasten diese Region noch immer eine sehr ergiebige darstellt.  

Bereits unter /werra  war die in den 1940ern baubegonnene strategische Umfahrungsbahn erwähnt worden (und in Gerstungen reliktisch erfasst); ergiebiger war jedoch die an Reichsautobahnbrücken erinnernden Bauruinen westlich Philippsthal:

Rest einer in den 1940ern projektierten Verbindungskurve
 in Philippsthal zur Entlastung Bebras
(über Hünfeld-Ulstertal-Werratal-Gerstungen)
Neubaustrecke Unterbreizbach-Hattorf
links weiterer Brückentorso der geplanten Verbindungskurve
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