Bamberg. Frankens Herz und Seele.
Auch wenn im Folgenden Melancholie und
Vergangenheitsliebe um sich greifen mögen - angesichts einer Reihe
stillgelegter Eisenbahnnebenstrecken nur zu verständlich - die Zukunft dieses
Oberzentrums mit seiner UNESCO-gewürdigten Altstadt ist in verkehrlicher
Hinsicht mehr als rosig. Im letzten Jahrzehnt kamen wie aus dem Nichts
zwei Autobahnen (A70 Maintal Schweinfurt - Bayreuth, A73 nach
Erlangen/Nürnberg) samt Kreuz (mitschuld am Aus der Scheßlitzer Bahn), wurde
durch Deutsche Einheit die Frankenwaldrampe über Probstzella der Bahnhof
Bamberg wieder zum IC/EC-Halt (direkt nach Zagreb), sieht die Gegenwart
halbwegs funktionierende ICT nach Berlin / München, wird in Bälde mit der
Autobahn nach Suhl (A73 über Coburg) und der Neubaustrecke durch den Thüringer
Wald nach Erfurt diese kleine Juristenstadt im Zentrum des Geschehens stehen wie
zuletzt unter Kaiser Heinrichs Zeiten.
Der Autor muss bekennen, nur hier Kontakt zu Dampflokomotiven bekommen zu haben,
ihrem Charme aber nicht im Geringsten erlegen zu sein. Umso größer das
Bedauern, die Splitterbaureihe V80 / 280 (nur in der Domstadt beheimatet) nie im
Planeinsatz gesehen oder fotografiert zu haben...
Doch nun zu den Strecken:
Schäätzer Bockäla Bamberg - Scheßlitz (ex KBS 825,
1908-1985, Abbau 1988
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| Steckbrief
Ellertalbahn |
| Datum |
Ereignis |
Triebfahrzeugeinsatz |
| 10.08.1904 |
Gesetz zur Erbauung
div. Localbahnen |
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| 30.09.1908 |
Feierliche
Eröffnung Bamberg - Scheßlitz |
PtL 2/2; D VI |
| Sommer 1951 |
Oberbauerneuerung;
Stahlschwellen |
98.11;
86; ETA180 |
| 18.01.1954 |
Erste
Schienenbuseinsätze |
86, V60, V80, VT95 |
| Sommer 1973 |
Bahnbuslinie Bamberg
- Scheßlitz |
795/798, 280, 260 |
| Frühjahr 1982 |
Entfall von
Schienenbuseinsätzen |
211, 212, 260 |
| 1.06.1985 |
Einstellung des
Reisezugverkehrs |
212, 260/360 |
| 27.05.1988 |
Letzter Güterzug
nach Scheßlitz |
360 |
| 29.05.1988 |
Einstellung für
allen Zugverkehr ab Bruckertshof |
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| Sommer 1988 |
Versuchsfahrten
Gleisbaufahrzeuge |
Skl, 360 |
| November 1988 |
Gleisabbau |
211, 361 |
| Juni 1989 |
Baubeginn AK Bamberg
auf alten Trassenteilen |
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spätestens mit Bau des AK Bamberg "im Weg";
heute vereinzelt Bahnsteine (trotz angeblichen Abbaus) neben alten Bhf
Memmelsdorf (Bild u) - teilweise auch Radweg auf Trasse; mittlerweile
selbst das Reststück bis Bruckertshof (Agl Flugplatz bzw. Postzentrale) im
Verfall:
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| Vorsignal Blick Bamberg |
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Gleis für Werksstraße
unterbrochen! (je 2007) |
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| 2006:
ehem.Flugpl.-/Postanschlussgleis |
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Schild völlig
überflüssig |
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Gleis vor
Baudenkmal Gasthaus Bruckertshof (07) |
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| Echtes Ende |
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Trassenspur vor
Autobahndämmen (je 2006) |
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| Trassenwüstung
nahe Gundelsheim |
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Brücke mit
Wirtschaftsweg, Blick Schloss Seehof (je 07) |
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Memmelsdorf
i.Ofr.: typischer Bahnhofsstil; nettes
Erinnerungsensemble
sogar mit kleinem Gleisrest und Prellbock (1995) |
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Überraschend
vorgefundener Betonstein km 7
1996 hier noch kein Radweg |
Lasst uns in der Biermetropole Scheßlitz
gedanklich - ach was, tatsächlich, den Weg nach Hollfeld nehmen, in
jenes kleine Städtle abseits aller Magistralen, das sich mit seinem
Kleingewerbe immer nach Bamberg orientierte. Hollfeld hatte bereits eine
"Lokalbahnbaugesetzesrunde" vier Jahre zuvor eine Vollbahn von
Bayreuth durch den Hummelgau avisiert bekommen, welche tatsächlich im März
1904 eröffnet werden konnte. Das katholische Bamberg, Sitz des
Erzbischofs und eines OLG und die
gleichgroße evangelische Hauptstadt Oberfrankens Bayreuth
"Wagnerstadt", vielleicht wie Feuer und Wasser (der Autor verwindet
seit Kindheit nicht die BT-Polizeifahrzeuge in BA ;-) sind erst heute
eisenbahntechnisch direkt verbunden (Reise über Nürnberg 96km,
über Neuenmarkt 34km Umweg); Planungen für eine Verbindung seitens der
Kgl.Regierung von Ofr. von 1898 mit der Hoffnung "der besseren
Verschmelzung der beiden geschichtlich und nach den Konfessionen einander
fremden Teile des Regierungsbezirkes, des Bamberger und Bayreuther Gebietes,
daß sie zur Behebung bestehender und Vermeidung künftiger Gegensätze und
Interessenkämpfe wesentlich beizutragen geeignet erscheine" waren
in der Münchner Abgeordnetenkammer kein Erfolg beschieden. So sind
wir zur Überbrückung der 24km langen Lücke auf andere Fahrzeuge angewiesen
und erinnern uns an jahrzehntelange Pläne zur Schließung der Lücke (auch
wegen erwartbaren Erz-Güterverkehrs), die nach unzähligen Trassenvarianten,
Hauptbahnüberlegungen, Eingaben und Entschließungen 1920 in Absteckungs- und
Rodungsarbeiten gegipfelt hatten. Neben der Hintertreibung seitens
Bayreuths war die wirtschaftliche Lage der 1930er sowie topographische
Gegebenheiten Grund für das endgültige Aus einer "Fränkische
Schweiz-Querbahn".
Hollfeld hatte seine knapp 33km lange Hummelgaubahn sogar nur bis 1975; die
unspektakuläre Trasse durch Bachtäler von Mistelbach, Weides, Truppach und
Wiesent hat eine Steinbogenbrücke in Plankenstein zu bieten; neben
Bahntrassenradwegteilen (Bayreuth-Poppenmühle, Steinmühle-Wadendorf und
Stechendorf-Hollfeld) sind Bahndämme im Wüstungszustand bei Steinmühle und
Gottelhof vorzufinden.
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| Steckbrief
Hummelgaubahn |
| Datum |
Ereignis |
Triebfahrzeugeinsatz |
| 30.06.1900 |
Gesetz zur Erbauung
div. Localbahnen |
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| 12.03.1904 |
Feierliche Eröffnung
Bayreuth - Hollfeld |
D XI / 98.11; 64; VT24 |
| 29.09.1974 |
Einstellung des
Reisezugverkehrs |
795, 211 |
| 28.09.1975 |
Stillegung ab Bayreuth
Altstadt |
211 |
| 1970/80er |
Gleisabbau; erste
Radwegstücke |
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Nach einem wilden Wechsel von Wüstung und Weg
(so bei Obernsees), folgt in Plankenfels das bedeutendste Bauwerk, die
Bogenbrücke über die Lochau. Seit wenigen Jahren erinnert hier ein
Gleisstück und eine Tafel an die Bahnzeiten:
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| Obernsees - ein Bahntrassenweg... |
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...über kleine Brückchen; in
Plankenfels... |
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...ungenutztes Kulturdenkmal (je
2007) |
Die Bahntrasse, zunächst hoher
ungenutzter Damm, später teils in Feldern aufgegangen, dann heute Wirtschaftsweg
(in Foto zwischen Birke und Kiefern, 1996) kreuzte die St2191 links
neben den Häusern Gottelhof und verlief ein Stück parallel im Wald
(Mitte der 1990er junge Fichten auf Schotter, begehbar) um sich bald
wieder den westlicher gelegenen Ortschaften Stechen-, Moggen- und
Treppendorf anzunähern:
Weitere Fotos in Vorbereitung.
Linktipp: Alles über die Hummelgaubahn
auf www.localbahnen.de
Kulmbach - Bayreuth (ex KBS
421g; Thurnauer Bockela; 1908/09 eröffnet, Pv bis 1973, stillgel. 1983 - 1993)
Wie erwähnt ist es hier nur ein Katzensprung in
die Kreisstädte Kulmbach und Bayreuth. Und sie waren einst auch mit
einer Bahn direkt verbunden! Heute benutzt man die B85 oder, in seltenen
melancholischen Momenten, die Regionalzüge mit Umstieg in Neuenmarkt-Wirsberg
(man grüße aber das Dampflokmuseum). Was blieb übrig - schaun mer
mal:
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| 2007: Kulmbach, Agl als Rest |
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Melkendorf, Blick KU, verwuchernd |
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Melkendorf, BÜ und einstiger
letzter Gbf |
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| Melkendorf, Bahnweg |
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dann aber Wüstung, sowie endlich
der ... |
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...Rotmain-Radweg an namensgebender
Brücke |
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| Neudrossenfeld 2004:
Schotterwüstung und... |
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...Röttelbachbrückle |
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Breitengüßbach - Maroldsweisach (ex KBS 826, Pv bis 1988)
noch bis Ebern in
Betrieb, Reststrecke mit Signalen brachliegend, Bahnübergänge teils
überteert, jüngst auf weiten Teilen zum Radweg umgebaut:
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| Vor Pfarrweisach
war 2004 der Brückenüberbau bereits demontiert |
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Um 2002 verloren
die alten Haltepunkte Todtenweisach, Voccawind und
Fischbach
ihre Stationsschilder; der Bhf Pfarrweisach stürzt bald zusammen... |
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Maroldsweisach 2004:
Kopf- und Seitenrampe, Schotterwüstung.
Im Hintergrund die Teermaschine nach verrichteter Radwegbauarbeit |
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Breitengüßbach - Dietersdorf (1913-1981)
Am Streckenbeginn wegen Ausbaus der B173 (zukünftige A73) und
Kiesabbauseen zunächst Trasse kaum wiederzufinden; im weiteren Verlauf
entlang der B4 um Lam Radweg; bei Kaltenbrunn-Untermerzbach (altes typisches
Bahnhöfle stilbewusst zu Pizzeria umgebaut) Verlassen des Itzgrundes mit
klassischem Bahndamm.
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Erst im weiten
Itzgrund ist die Dietersdorfer Bahn als langer Damm mit
Flutungsdurchlasspfeilern
klassisch erhalten - |
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- doch
plötzlich mitten im Feld endender
Bahndamm:
wertvoller Ackerboden ? (jew.1995) |
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| Um Heilgersdorf
finden sich Bauwerke (mit Inventarbemalung)... |
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| ...und sogar eine
passable Bachbrücke... |
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...Trog ohne
Füllung Schotter |
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Unterschüttete
Brücke |
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In Sesslach
krönt eine mehrbogige Sandsteinbrücke die Strecke (1995) |
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eine weitere
12Jahre später |
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Vor Dietersdorf
schöne Brücke wüst (2007) |
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Die Strecke nach Ebrach verlor ihren
Personenverkehr schon 1961, Güterverkehr hielt sich bis um 2000. Der
Gleisabbau erfolgte 2005/06.
Die "Mutterstrecke", ebenfalls Nebenbahn durch dünnbesiedeltes
Oberfranken wurde im Pv 1977 stillgelegt (Strullendorf - Frensdorf -
Schlüsselfeld ex KBS 824), hier ist aber noch bescheidener Güterverkehr
anzutreffen. Als "Obere Steigerwaldbahn" könnte sie indes
eine Regionalverkehrszukunft (natürlich mit einem DB-Konkurrenten) haben...
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| Frensdorf: rechts
einst nach Ebrach (2007); |
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Schienen- |
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und Brückenrest
bei Stappenbach 2006 |
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| Verlassen, aber
betrieben (bei Unterneuses 1996) |
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10 Jahre später:
Abbaulager |
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| Burgebrach -
unbetrieben aber stabil (2005) |
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Bei Mönchherrnsdorf
- heute gleislos |
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| Brückchen vor... |
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...und in
Burgwindheim (2006) |
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Ebrach - Endbahnhof
jetzt Gasthaus mit Waggons (je 2004) |
Literatur:
Matthias Wolf "Das Schäätzer Bockäla", Schweinfurt 1992
Robert Zintl "Bayreuth und seine Eisenbahn", Bindlach 1992
Siegfried Bufe "Eisenbahn in Oberfranken", München 1982
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